Stefanie Hummel behandelt schon die Kleinsten. Da heißt es erst Vertrauen aufbauen, bevor die Physiotherapie beginnen kann. Foto: privat (Weber), dpa
Stefanie Hummel kümmert sich um Babys und Kinder mit gesundheitlichen Problemen. Die Physiotherapeutin erzählt, warum sie sich bewusst für die Behandlung der Kleinsten entschieden hat.
Sie fasst kein Kind an, von dem sie kein Lächeln bekommt. Das hat sich Stefanie Hummel fest vorgenommen, und an ihren Leitsatz hält sich die Physiotherapeutin ohne Abweichungen. „Nach einem Lächeln ist alles egal, dann klappt es. Aber meine erste Aufgabe ist es, Vertrauen aufzubauen, sonst kann ich nichts an dem Kind machen“, erklärt die 37-Jährige, die sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert hat und in ihrer Waiblinger Praxis auch ausschließlich Kinder behandelt. „Nur in wenigen Praxen gibt es eine solche Spezialisierung, dementsprechend viele Patienten haben wir. Würden wir auch noch Erwachsene behandeln, kämen wir gar nicht mehr hinterher.“
Weil der Andrang so groß ist, hat die vierfache Mutter nun mal eben noch eine weitere Praxis in Althütte übernommen. Dort wird zwar Physiotherapie für Erwachsene angeboten – in dem ländlichen Raum hat die 37-Jährige viele ältere Patienten, bei denen sie auch Hausbesuche macht –, aber auch hier möchte Stefanie Hummel ihr Steckenpferd, die Behandlung der Kleinsten, forcieren. „Ich bin da mit viel Herzblut dabei und könnte mir keinen schöneren Job vorstellen“, sagt die 37-Jährige, die schon immer gern mit Kindern gearbeitet hat.
Viele der behandelten Babys haben im Mutterleib eine Hirnblutung erlitten
Die jungen Patienten, die teils schon im Säuglingsalter zu ihr kommen, haben Entwicklungsverzögerungen, motorische Defizite, Atemwegserkrankungen, Fehlhaltungen, Fußfehlstellungen, Asymmetrien oder orthopädische Probleme. Aber die Physiotherapeutin und Osteopathin, die einen Master in Kinderosteopathie hat und sich in beiden Disziplinen weitreichend spezialisiert hat, behandelt auch Kinder, die schwere bis hin zu unheilbaren Erkrankungen und Behinderungen haben. „Ich betreue Kinder, die im Mutterleib oder direkt nach der Geburt eine Hirnblutung hatten, und auch Babys mit Schlaganfall kommen zu mir“, sagt Stefanie Hummel.
Aber auch wenn manche Kinder nicht geheilt werden könnten, sei es tröstlich zu wissen, dass ihre Behandlung mit dazu beitrage, dass sie auch gute Momente haben und trotz ihrer schweren Erkrankung Erleichterung finden, wie beispielsweise das kleine Mädchen, das mit einer Zerebralparese, also einer frühkindlichen Gehirnschädigung, zu ihr kommt. „Es ist hart, aber man kriegt so viel zurück“, sagt die 37-Jährige, die in der Therapie mit den Kleinen meist spielerisch arbeitet. „Man muss genau wissen, wie man solche Kinder anfasst.“ Da sei viel Fingerspitzengefühl gefragt, denn es gebe von harmlos bis schwerwiegend alles,was es auch bei Erwachsenen gebe.
Die Frau, die gebürtig aus dem Rems-Murr-Kreis stammt und mit ihrer Familie unweit ihrer zweiten Praxis im Althütter Teilort Sechselberg wohnt, wuchs bereits mit jeder Menge Kindern um sich herum auf. „Außerdem habe ich mich schon von klein auf für den Sportverein in der Narrenzunft engagiert und Kinder im Showdance trainiert“, erklärt Stefanie Hummel, die ihren ersten Kontakt mit einer Physiotherapeutin wegen der eigenen Knieprobleme hatte. Ihr Fazit damals fiel sehr positiv aus. „Witzigerweise war ich damals bei Ulrike Kugler in Behandlung, von der ich nun die Praxis in Althütte übernommen habe.“
Ein Aha-Erlebnis bestärkt Stefanie Hummel darin, mit Kindern zu arbeiten
Bis sie dann schließlich beruflich wirklich in Richtung Physiotherapie ging, machte die umtriebige Geschäftsfrau noch einige Abstecher. Realschule, Wirtschafts-Abi, Au-pair in Spanien und dann der Start an der Schule für Physiotherapie in Fellbach. „Damals hatte ich Praktikumseinsätze in der Pädiatrie und in der Neurologie“, sagt Stefanie Hummel und erinnert sich an ein Aha-Erlebnis, das ihren Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, noch verstärkte. Sie hatte damals einen noch relativ jungen Patienten mit Thrombosen, Schlaganfall, Herzinfarkt – die volle Palette. „Er sagte mir immer, wenn ich ihn zur Physiotherapie hatte: Steffi, jetzt kriege ich es hin und höre auf zu rauchen und zu saufen. Kurz drauf hab ich ihn schon wieder mit der Zigarette im Mund gesehen.“ Der heute 37-Jährigen wurde damals klar, dass sie das nicht den Rest ihres Berufslebens erträgt. „Man baut eine Beziehung auf, versucht zu helfen, und der Patient macht einfach wie gewohnt weiter. Mit Kindern ist das anders.“
Sie arbeitete, machte Fortbildungen, spezialisierte sich immer mehr und machte sich 2020 mit ihrer ersten Praxis in Waiblingen selbstständig. „Als ich im Bereich Physiotherapie mit der Spezialisierung auf Kinder fertig war, habe ich noch Osteopathie angefangen und das Gleiche gemacht“, sagt die 37-Jährige, die sich selbst als „ziemliche Perfektionistin mit einigen Ticks“ beschreibt. Während sie das erzählt, rückt sie ihre Brille zurecht. Die ist an diesem Tag, genau wie ihr Shirt und die Turnschuhe grasgrün – einer ihrer Ticks ist es nämlich, dass sie 13 verschiedenfarbige Brillen hat und sich auch, was die T-Shirts und Schuhe betrifft, immer passend anziehen kann. „Selbst der Haargummi stimmt immer. Ein bisschen Spaß muss sein.“
In der Praxis in Althütte werden Erwachsene behandelt. In Waiblingen dagegen kümmert sich Stefanie Hummel nur um Kinder und kommt kaum nach. Foto: privat (Lea Weber)
Die 37-Jährige würde sich wünschen, dass die Anerkennung besser wäre. „Überall außer in Deutschland ist das ein akademisiertes Fach“, sagt Stefanie Hummel und sieht zwar einerseits den Fachkräftemangel, andererseits aber auch die unzureichende Wertschätzung und Bezahlung sowie die fehlende Unterstützung. „Die Ausbildung kostet viel Geld und dann steht man da und kriegt Steine in den Weg gelegt“, sagt die Physiotherapeutin und Osteopathin, die sich auch bei den Mamas ihrer kleinen Patienten gut auskennt und Bedarf sieht. „Der Frauenkörper ist anders. Es geht da um Themen wie Beckenboden, Hormone, Wechseljahre. Da bleibe ich dran, neben den Kids natürlich.“
Physiotherapie für Kinder
Info Um noch mehr Patienten helfen zu können, freut sich Stefanie Hummel in beiden Praxen über Verstärkung durch neue Kräfte – mit und ohne Spezialisierung auf Kinder. Weitere Infos und die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen, gibt es unter der E-Mail-Adresse physiokidshummel@outlook.de.