Picasso in Nürtingen Genie trifft auf Experimentierfreude

Von  

Die Jahresausstellung in der Kreuzkirche ist ein Publikumsmagnet. Diesmal sind Werke des Jahrhundertkünstlers Pablo Picasso und Bilder von Otmar Alt zu sehen. Die Schau will auch Kinder und Jugendliche an die Bildende Kunst heranführen.

Der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich und die Kuratorin vor einem der bekanntesten Picasso-Bildern: „Guernica“ Foto:  
Der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich und die Kuratorin vor einem der bekanntesten Picasso-Bildern: „Guernica“ Foto:  

Nürtingen - Pablo Picasso – fast jedes Kind kennt seine Werke. Das dürfte jedenfalls künftig in Nürtingen der Fall sein. Denn die Stadt wird bei ihrer Jahresausstellung in der Kreuzkirche einmal mehr zahlreiche Führungen explizit für Schulklassen anbieten. Der zweite in der bis zum 23. Februar dauernden Doppelausstellung vertretene Künstler wird hingegen nur Kunstkennern ein Begriff sein: Werke von Otmar Alt sind im Dachgeschoss der Kirche zu bewundern.

Kunst darf nicht elitär sein

Gut möglich, dass dieser weniger bekannte Maler die Aufmerksamkeit gerade von Kindern mehr fesseln wird als das Jahrhundertgenie Picasso. Otmar Alt ist keiner Kunstrichtung zuzuordnen. Seine oft farbenfrohen Bilder wirken heiter und verspielt. Bei näherer Betrachtung entfalten sich jedoch tiefgründige und komplexe Geschichten. Kennzeichnend für seinen Stil ist, dass seine Werke aus puzzleartig zusammengesetzten Farbfeldern mit präzisen Umrisslinien bestehen. Experimentierfreudig verwendet der Künstler viele bunte Farben, deren Leuchtkraft durch die Umrandungen noch mehr zum Ausdruck kommen.

Otmar Alt vertritt den Leitgedanken: „Kunst, die man erklären muss, ist langweilig“. Nach seiner Sichtweise soll Kunst nicht elitär, sondern jedem und auch zu jeder Zeit zugänglich sein, erläutert die Kuratorin Brigitte Kuder-Broß. Für die Organisatoren der Jahresausstellungen ist dies das Grundprinzip überhaupt. Nicht nur Erwachsene sollen Kunst erleben. Sondern es war immer erklärtes Ziel, besonders auch Kinder und Jugendliche mit Kunst in Berührung zu bringen und damit auch Hemmschwellen abzubauen.

Stadt erwartet einen Besucheransturm

Seit 2006 haben sich die Kunstausstellungen zum Jahresbeginn in der Kreuzkirche zu Publikumsmagneten entwickelt. Mit der Kombination Picasso/Alt ist es wahrscheinlich, dass die Marke von 10 000 Besuchern erneut geknackt wird. „175 Führungen von privaten Gruppen, Schulen und Kindergärten haben wir bereits verbucht“, erklärt Gabi Frisch vom Amt für Stadtmarketing, die wieder mit einem Besucheransturm rechnet. Bis zum 23. Februar sind zudem 80 öffentliche Führungen fest terminiert, darunter auch sonntägliche Familienführungen.

Rund 200 Werke sind zu sehen, wobei zwei Drittel der Kunstobjekte von Picasso stammen. Es handele sich dabei um Originalgrafiken, so die Kuratorin. Darunter befindet sich auch ein Druck von „Guernica“ – mit das bekannteste Bild Picassos. Auch die von dem Spanier als Friedenssymbol häufig verwendete Taube begegnet dem Betrachter mehrfach.

Die Ausstellung wird flankiert von einem Rahmenprogramm

Rund um die Ausstellung mit dem Titel „Kunst bewegt die Seele und setzt Zeichen“ gibt es abermals ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Am Sonntag, 2. Februar, ist Otmar Alt zu Gast in der Kreuzkirche. Von 14 bis 16 Uhr wird er persönlich durch seine Werke führen. Außerdem ist ein langer Ausstellungsabend mit zwei Führungen im Angebot, und die Volkshochschule lädt zu zwei Kunst-und-Wein-Abenden ein. Am Sonntag, 19. Januar, gibt es um 13 Uhr „Kunst in der Kirche“. Und wer am 15. Januar und am 19. Februar eine öffentliche Führung in der Kunstausstellung besucht, kann im Anschluss kostenfrei an der Führung der Nürtinger Stadtgeschichte teilnehmen. Und alle Kunstfreunde sind zum offenen „Künstlercafé“ am 9. Februar von 14 bis 18 Uhr in der Stadthalle eingeladen.

Für den Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich, der jetzt seine erste Jahresausstellung eröffnet hat, ist die Kunst „ein Fenster in eine andere Welt. Eine Welt, die mir hilft, den Alltag klarer und doch farbenreicher zu sehen“.