Picasso in Waiblingen Ein „Magier der Grafik“

Von anc 

„Picasso – Der künstlerische Prozess“ ist der Titel einer Ausstellung, die am 31. Januar in der Waiblinger Galerie Stihl eröffnet. Sie zeigt knapp 100 Lithografien, Radierungen und Linolschnitte und demonstriert anschaulich, wie Picasso gearbeitet hat.

Diese Lithografie eines Stiers hat zehn Vorgänger – erst mit der elften, stark reduzierten Version, war Picasso zufrieden. In Waiblingen sind alle Varianten zu sehen. Foto: Stoppel
Diese Lithografie eines Stiers hat zehn Vorgänger – erst mit der elften, stark reduzierten Version, war Picasso zufrieden. In Waiblingen sind alle Varianten zu sehen. Foto: Stoppel

Waiblingen - Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, hat der Komiker Karl Valentin gesagt. Wie recht er damit hatte, davon können sich Besucher der Galerie Stihl in Waiblingen demnächst selbst ein Bild machen: Am Samstag, 31. Januar, eröffnet dort die von Zara Tiefert-Reckermann kuratierte Ausstellung „Picasso – Der künstlerische Prozess“, die bis zum 26. April im Kunstgebäude an der Rems zu sehen ist. Sie verdeutlicht sehr anschaulich, wie der als „Magier der Grafik“ bezeichnete Pablo Picasso seine Ideen Schritt für Schritt in Bilder umgesetzt hat, wie das Genie Picasso tickte.

Die Galerie zeigt 96 Lithografien, Radierungen und Linolschnitte, die Picasso im Zeitraum von rund 30 Jahren geschaffen hat. Sie stammen aus dem Nachlass des Ehepaars Jutta und Gert Huizinga und sind nur ein winziger Teil von Picassos druckgrafischem Werk: Der in Malaga geborene Künstler hat in seinem 91 Jahre währenden Leben mehr als 2000 grafische Blätter produziert. Wie viel Arbeit Picasso in jedes einzelne davon investiert hat, das demonstriert die Ausstellung eindrücklich am Beispiel einer Lithografie, die einen Stier darstellt. Besser gesagt: das, was Picasso davon übrig gelassen hat. Eine schmale, schwarze Linie skizziert den Umriss des Tiers, einfach und genial.

Der Schaffensprozess des Stiers: ein Kampf

Dass der Schaffensprozess alles andere als einfach, sondern ein regelrechter Kampf war, zeigt die nun in Waiblingen ausgestellte lange Prozession der verworfenen Stierbilder, so genannter Zustandsdrucke, die diesem auf das absolut Wesentliche reduzierten letzten Blatt vorausgegangen und allesamt verworfen worden sind. Erst seine elfte Version hat Picasso für den Druck und die Öffentlichkeit freigegeben. Der Kontrast zur ersten Variante, die einen mächtigen, sehr naturalistisch dargestellten Stier zeigt, ist eindrücklich.

Der Drucker Jean Célestin habe Picassos Vorgehensweise nicht verstehen können, erzählt die Ausstellungsmacherin Zara Tiefert-Reckermann: Für Célestin sei das erste realistische Abbild des Stiers ein perfektes gewesen, das Picasso durch stetes Reduzieren nach und nach zerstört habe. „Picasso hat sich alles genau erklären lassen – und dann genau das Gegenteil gemacht“, sagt Tiefert-Reckermann, „aber es hat trotzdem funktioniert. Er hat einzigartige Wege beschritten.“

Transformierte Klassiker

Neben der Lithografie widmet sich die Ausstellung auch Picassos Radierungen und Linolschnitten. Oft hat der Künstler sich selbst darin zitiert, oder auch Klassiker der Kunstgeschichte, etwa El Grecos „Porträt eines Mannes mit Halskrause“, so transformiert, dass sie unverkennbar und doch ganz eigen wirken.

Wiederkehrende Motive sind der Stierkampf und die Frauen. Mit jeder neuen Frau in seinem Leben habe Picasso sich einen neuen Stil zu eigen gemacht, sagt Tiefert-Reckermann: Francoise Gilot, an ihrer leicht erhobenen Augenbraue zu erkennen, war die Inspirationsquelle für Picassos Lithografien, die Radierungen stellen oft Marie-Thérès Walter dar und das Profil von Picassos letzter Ehefrau Jacqueline Roques taucht in vielen Linolschnitten auf. Die Ausstellungsmacher lassen Picasso sein Lebensgefühl mit einem Zitat auf den Punkt bringen: „Wir, die Spanier, das heißt Messe am Morgen, Stierkampf am Nachmittag und Bordell am Abend.“