Pilotprojekt am Neckartor in Stuttgart Filter sollen Feinstaub aus der Luft ziehen

Von StZ 

Das Land Baden-Württemberg will gemeinsam mit dem Ludwigsburger Filterspezialisten Mann + Hummel die Feinstaubbelastung am Stuttgarter Neckartor senken. Doch die Probleme sind damit noch nicht gelöst.

Am Neckartor sollen Filteranlagen aufgestellt werden. Foto: dpa
Am Neckartor sollen Filteranlagen aufgestellt werden. Foto: dpa

Stuttgart - Das Land Baden-Württemberg will mit moderner Filtertechnik die Feinstaubbelastung am Neckartor senken. Partner des Pilotprojekts wird dabei der Ludwigsburger Filterspezialist Mann+Hummel sein, heißt es in einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums. Das Unternehmen hat bereits seit einigen Monaten Testfahrzeuge in der Region Stuttgart im Einsatz, die Feinstaub aus der Luft filtern können. Fünf Lieferwagen der DHL-Tochter DHL sind mit der neuen Technik ausgestattet.

„Wir lassen nichts unversucht, wenn es darum geht, die Luft sauberer zu bekommen. Unser Ziel ist es, die Grenzwerte endlich einzuhalten“, sagt Uwe Lahl, Amtschef des Verkehrsministeriums. Geplant ist, den Versuch im Oktober zu beginnen. Dafür sollen mehrere Filteranlagen am Stuttgarter Neckartor aufgestellt werden. Der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel darf an nicht mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Aktuell stehen im Jahr 2018 Jahr 20 Überschreitungstage zu Buche, allerdings handelt es sich dabei zum Teil noch um vorläufige Werte. „Die Initiative von Mann + Hummel haben wir gerne aufgegriffen und werden diese nach Kräften unterstützen“, sagt Lahl. Die Frage der Finanzierung und der Umfang des Projekts soll dabei zeitnah geklärt werden.

FDP-Fraktion freut sich und übt gleich Kritik

Bestätigt fühlt sich dadurch die FDP-Fraktion im Landtag. „Bereits vor einigen Jahren hat die FDP immer wieder darauf gedrängt, technische Innovationen aus den Ideen- und Talentschmieden unseres Landes einzusetzen. Es ist ein Armutszeugnis grüner Verkehrspolitik, dass man das nicht früher aufgegriffen hat“, sagt der verkehrspolitische Sprecher Jochen Hausmann.

Die stationären Filteranlagen des Ludwigsburger Unternehmens bestehen aus Feinstaubpartikelfiltern, die die kleinen Teilchen aus der Luft holen. Integrierte Ventilatoren ziehen die Umgebungsluft an. Laut Mann + Hummel verspricht man sich dadurch eine Reduktion der Feinstaubbelastung um 40 Prozent. „Bei einem erfolgreichen Verlauf des Pilotprojekts können wir die Luftqualität auch an anderen hochbelasteten Orten verbessern“, sagt Kai Knickmann, Geschäftsführer Erstausrüstung bei Mann + Hummel.

Bei Stickoxiden helfen die Filter nicht weiter

Doch auch das Ministerium muss natürlich einräumen, dass es mit den großen Staubsaugern nicht getan ist: „Die Probleme der Luftqualität sind freilich mit dem Vorstoß zur Filterung von Feinstaub nicht gelöst“, sagt Lahl. Bei Stickoxiden helfen die Filter nicht weiter. Nicht umsonst hat daher auch das Bundesverwaltungsgericht Leipzig deutlich gemacht, das zur Einhaltung der Grenzwerte notfalls Fahrverbote geboten sind. Das Verkehrsministerium sagt dazu: „Auch bei Stickoxiden geht es darum, die Grenzwerte schnellstmöglich und überall einzuhalten.“ Dafür brauche man unter anderem die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen und einen besseren ÖPNV, ergänzt Lahl. Obwohl Fahrverbote drohen, meidet der Amtschef das Wort aber in der Pressemitteilung.

Sonderthemen