Jetzt steht fest: In Zukunft wird es in Weissach erst einmal nur noch „Pop-Up-Wertstoffhöfe“ geben, also mobile Container für Kartonage und Leichtverpackungen. Für den Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises wird Weissach damit zum Pilotprojekt. „Wir wollen mit Ihnen hier neue Wege gehen“, sagt Wuttke in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates entsprechend motiviert. Klar wird aber schnell: Nicht alle Räte glauben daran, dass das auch funktionieren wird. Am Ende wird der Beschluss mit Gegenstimmen von Grünen und der Unabhängigen Liste nur knapp gefasst.
Wertstoffhof muss umziehen
Das Kernproblem: An seinem bisherigen Standort auf dem Bauhof in Flacht wird der Wertstoffhof, der von der Böblinger Abfallwirtschaft betrieben wird, keine Zukunft haben. Denn der Bauhof, derzeit in einem schlechten baulichen Zustand und ohnehin zu klein, soll neu gebaut werden. Für den Wertstoffhof ist dann keinen Platz mehr. Die Möglichkeit, stattdessen in das Neubaugebiet Neuenbühl III zu ziehen, hatte man bereits unter dem Vorgänger des amtierenden Bürgermeisters Jens Millow ins Auge gefasst, inzwischen aber wieder abgetan – schließlich müsste die Gemeinde dann auf wertvolle Grundstückseinnahmen verzichten.
Die einzige Fläche, die für die AWB auf Weissacher Gemarkung überhaupt noch infrage kommen würde, liegt in der Jahnstraße. Dort hat man aber inzwischen erhebliche Mängel in der Entwässerung festgestellt, die teuer behoben werden müssten. Außerdem sei der Standort Jahnstraße aus Sicht der AWB ohnehin nicht gut gelegen, so Wuttke im Gemeinderat – und lässt durchblicken, dass selbst eine Sanierung zwecks Entwässerung kein Garant für einen Wertstoffhof an diesem Standort sei.
Pop-Up-Wertstoffhöfe: Rasche Umsetzung, geringe Kosten
Sein Vorschlag also: Anstatt eines festen Wertstoffhofes sollen mehrfach die Woche zwei Container nach Weissach gebracht werden, in denen die Bürgerinnen und Bürger dann Leichtverpackungen und Kartonage entsorgen können. Das, so sagt es Wuttke, seien laut Umfragen die am häufigsten nachgefragten Entsorgungsmöglichkeiten auf den Wertstoffhöfen des Landkreises. Wer anderen Müll entsorgen muss, könne, so der erste Landesbeamte, den Hof in Rutesheim nutzen. Als Standorte angedacht sind eine Fläche nördlich des Weissacher Bahnhofs sowie ein Parkplatz in der Kelterstraße. Diese Flächen seien bei dieser Lösung nicht dauerhaft belegt, die Behälter würden zeitnah geleert werden, das Personal des Wertstoffhofes könnte weiter beschäftigt werden – und es wäre eine „rasche Umsetzung ohne großes Investment“ möglich, so Wuttke.
Das Konzept, das wird in der Sitzung deutlich, scheint vorerst recht alternativlos. Denn dass der bestehende Wertstoffhof auf jeden Fall weichen muss, ist klar – und auf die Frage, was passiere, wenn der Gemeinderat die Pop-Up-Lösung ablehne, antwortet Wuttke mit: „Nichts“. Deutliche Kritik heimsen die Pläne von Grünen und Unabhängiger Liste ein. „Ich frage mich, ob das Angebot nicht deutlich eingeschränkt wird“, kommentierte etwa Grünen-Rat Pierre Michael. „Und die Antwort ist klar. Ja.“ Ein Wertstoffhof sei im Sinne der Nachhaltigkeit notwendig, ergänzte Susanne Herrmann, Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Liste. „Ich schäme mich dafür, dass in meiner Zeit im Gemeinderat so eine Lösung verabschiedet wird.“
Fraktionen fürchten Verkehrschaos
Mehr Offenheit gibt es derweil bei Bürgerliste und Freien Wählern. „Der Wertstoffhof fällt weg und wir haben keinen Anspruch auf einen neuen“, so Nikolaus Melwitz (Freie Wähler). „Das Pop-Up-Konzept ist besser als nichts.“ Aber auch hier gibt es Unmut zwecks der Standortwahl – insbesondere die Fläche in der Flachter Kelterstraße sorgt wegen der Verkehrsbelastung und Parksituation für Unverständnis. Wuttke verspricht Flexibilität: „Wir können nach einem halben Jahr Bilanz ziehen. Und wenn es schiefläuft, setzen wir uns auch kurzfristig zusammen.“ Bürgermeister Millow bittet schließlich um „Restvertrauen“ an die Verwaltung. „Wir können sehr penetrant sein“, sagt er. „Jetzt lassen wir uns den Versuch wagen.“