Pilotprojekt in Stuttgart-Bad Cannstatt Leuchtpunkte zeigen Fahrgästen den optimalen Weg

Von Anna Lammers 

670 Betonplatten, 14 000 Lichtpunkte und ein Bahnsteig: Fahrgäste erhalten am Bahnhof in Stuttgart- Bad Cannstatt jetzt nützliche Informationen über leuchtende Symbole am Boden – als erste in ganz Deutschland.

Verschiedene Farben  zeigen Position und Auslastung der Bahnen an. Foto: Lg/Kovalenko 5 Bilder
Verschiedene Farben zeigen Position und Auslastung der Bahnen an. Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Auf den ersten Blick sind die grauen Betonplatten an der Bahnsteigkante auf dem Gleis zwei im Cannstatter Bahnhof unscheinbar. Aber wenige Minuten bevor eine S-Bahn einfährt, leuchten die insgesamt 670 Platten plötzlich bunt auf und zeigen als intelligente Wegeleitung den Fahrgästen den richtigen Weg. Dies soll in Zukunft die Ein- und Ausstiegszeiten verkürzen und so zu mehr Pünktlichkeit bei den S-Bahnen führen.

Es ist die erste leuchtende Bahnsteigkante in ganz Deutschland und ein Pilotprojekt der Deutschen Bahn in Zusammenarbeit mit der S-Bahn Stuttgart, dem Verband Region Stuttgart und dem Berliner Start-up Siut. Ziel ist es, die Haltezeiten beim eng getakteten S-Bahn-Verkehr zu verkürzen. „Wir können nicht mehr als 24 Züge pro Stunde und Richtung fahren lassen, daher probieren wir innovative Ideen und Möglichkeiten aus, um unsere Qualität zu verbessern“, so Dirk Rothenstein, Vorsitzender der S-Bahn Stuttgart.

Grüne, gelbe und rote Linien zeigen die Auslastung

Und die innovative Idee ist ein Leitsystem, das den Fahrgästen schon Minuten vor der Einfahrt der Bahn anzeigt, in welchen Abschnitten sich die Türen befinden und wie die einzelnen Zugteile ausgelastet sind. Möglich machen dies mehr als 14 000 Leuchtpunkte in den Betonplatten am Bahnsteig, die durch Platinen unterhalb in verschiedenen Farben beleuchtet werden. „Wir wollten ein möglichst intuitives System, daher arbeiten wir mit den Ampelfarben und einfachen Symbolen“, erklärt Vincent Genz, Geschäftsführer von Siut. Gelbe Linien zeigen den Fahrgästen, wo die unterschiedlich langen Züge halten, und weiße Pfeile geben die Position der Türen an. In drei Testzügen wird zudem über die Überwachungskameras in Echtzeit die Auslastung gemessen. Verlässt einer dieser Testzüge die Station vor Cannstatt, werden diese Informationen per WLAN an den Bahnsteig geschickt und als grüne, gelbe und rote Lichtsignale im Betonstreifen für die Fahrgäste sichtbar.

Nachfrage beim Start-up ist groß

Getestet wird die Wegeleitung in Bad Cannstatt zunächst über einen Zeitraum von sechs Monaten. Die Wahl fiel auf den Cannstatter Bahnhof, da „wir für die Testphase viele Ein- und Ausstiege und Fahrgäste benötigten. Das ist hier gegeben“, erklärt DB-Sprecher Steffen Rutsch. Zudem war für den Einbau der Betonplatten wichtig, dass es zwei Bahnsteige gibt, um den S-Bahn-Verkehr nicht zu sehr zu stören. Ausschlaggebend sei aber der Einsatz von Dirk Rothenstein gewesen. „Diese Idee wurde in der DB-Mindbox, dem Innovationszentrum der Deutschen Bahn, entwickelt, und er war der Erste, der sich dafür interessiert und gemeldet hat“, sagt Rutsch.

Im Video der Deutschen Bahn sehen Sie, wie genau das Wegeleitsystem funktioniert:

Nach der Testzeit könne man schauen, ob die Kunden das System verstehen, annehmen und ob nachjustiert werden muss. Es gäbe ja noch keinerlei Erfahrungswerte, so Rutsch. Die Nachfrage bei Genz ist aber jetzt schon groß: „Der Lichtfaserbeton ist auch im Fernverkehr einsetzbar. In der Schweiz und in Österreich starten wir dieses Jahr noch mit einem Prototypen.“ Kommt das Pilotprojekt aus Cannstatt an, könnte es in Zukunft noch weitere Bahnsteige mit dem leuchtenden Beton geben: „Von Uhrzeiten, Zahlen bis Wagennummern ist alles möglich“, so Genz.

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