Pilotprojekt in Stuttgart Fahrradgaragen unter der Brücke und am Bahnhof

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Ein überdachter Radparkplatz dort soll für einen Tag einen Euro, für eine Woche vier Euro kosten. Bezahlt wird per Smartphone.

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Stuttgart - Zuletzt ist nicht mehr viel geschehen unter der Paulinenbrücke, seitdem im Herbst die Stadtlücken ihre Zelte abgebrochen haben. Die künftige Nutzung des überdachten Stadtraums ist noch weitgehend offen. Voraussichtlich wird eine Fahrradservicestation mit Reparaturservice eröffnen. Jetzt kommt gewissermaßen die Vorhut: Zwei Fahrradgaragen à 20 Plätze werden unter der Brücke aufgestellt. Sie sind Teil eines Pilotprojektes, das nach und nach auf andere Innenstadtbezirke ausgedehnt werden soll.

Garagen sind innen beleuchtet

Mit einem Code lässt sich die Garage öffnen und verschließen. „Alles ganz einfach!“, verspricht die Fahrradbeauftragte der Stadt, Eva Adam, vom Amt für Stadtplanung und Wohnen. Versichert sind die Räder drinnen aber nicht, warnt sie. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss sein Fahrrad in der doppelstöckigen Garagenanlage nochmals eigens abschließen. Immerhin aber sind die Seitenwände aus Lochblech und die Garagen von innen beleuchtet, sodass sie von außen einsehbar sind. Pro Tag soll der Fahrradparkplatz einen Euro, in der Woche vier Euro, im Monat zehn und im Jahr 90 Euro kosten – zumindest in der Pilotphase.

Die gleichen Garagen sollen ebenfalls pilotweise beim Hauptbahnhof aufgestellt werden: vier am Arnulf-Klett-Platz und vier im Schlosspark bei der Rampe, die in den Bahnhof führt. Auch sie werden jeweils 20 Abstellplätze bieten.

Unter der Paulinenbrücke wird eine designmäßig abgespeckte Version aufgestellt werden, mit Wänden aus silbrigen Lochblechen. Denn die Luxusvariante mit Dachbegrünung hat unter der Brücke, wo das Grün wenig Licht und noch weniger Wasser abbekommt, wenig Sinn, erklärt Eva Adam.

Varianten mit Holzverkleidung geplant

Die Bezeichnung „Container“ verbittet sich die Radbeauftragte übrigens. Man habe auf die Gestaltung der neuen Stadtmöbel, die drei Meter hoch und sechs Meter lang wie breit sind, große Sorgfalt verwandt und werde sich bemühen, die Garagen insbesondere in Wohngebieten optisch ihrer jeweiligen Umgebung anzupassen. Es solle beispielsweise auch Varianten mit Holzverkleidung geben. Und so nimmt es nicht Wunder, dass der Wert einer Garage mit bis zu 75 000 Euro veranschlagt wird. Außen will man das steigende Pferd aus dem Stadtwappen aufdrucken, erklärt Adam. „Das hat einen guten Wiedererkennungseffekt!“

Nach der Pilotphase sollen in verschiedenen Wohngebieten im Osten, im Westen und im Süden von Stuttgart jeweils 20 weitere Fahrradgaragen aufgestellt werden. „Im Norden war die Nachfrage nicht so groß“, sagt Adam. Das habe eine Befragung von Bürgern ergeben. Derzeit laufe die Standortsuche in den übrigen Bezirken. Infrage kommen öffentliche Verkehrs- und Grünflächen. Nicht einfach, sagt Adam, es gelte viele Aspekte zu berücksichtigen. Am Ende werde den jeweiligen Bezirksbeiräten die Liste mit den möglichen Standorten vorgelegt.

Erste Garagen im Herbst 2020

Die Pilotstandorte am Bahnhof und unter der Paulinenbrücke werden auf lange Sicht wohl nicht bestehen bleiben. Im Umfeld verändert sich derzeit viel. Und unter der Paulinenbrücke soll es künftig noch weiterreichende Angebote für Radfahrer geben. „Für die Fahrradgaragen ist kein Fundament nötig. Sie werden einfach auf den Boden gedübelt. Dadurch sind sie mobil und können bei Bedarf verschoben werden“, erklärt die Fahrradbeauftragte Adam. Sie schätzt, dass es Herbst werden wird, bis die ersten Garagen aufgestellt werden. „Das dauert deshalb noch so lange, weil das Projekt erst ausgeschrieben werden muss.“ Das Handling, sagt Adam, sei für die Nutzer denkbar einfach: Man registriert sich auf der Internetseite der Stadt, hinterlegt eine Zahlungsmethode und erhält einen Code, den man wahlweise eintippt oder vom Handy abscannt. Das erinnert an die Paketstationen der Post.




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