Beim Pilzesammeln können selbst Erfahrene Fehler machen. Spezielle Apps allein reichen nicht, eine Prüfung durch Experten wird empfohlen – diese gibt es im Schwäbischen Wald.
Nach Wochen der Trockenheit hat es geregnet, und es ist warm. „Ab in den Wald“, sagen sich nun viele Pilzfreunde und schauen, ob sich essbare Exemplare wie Hexenröhrlinge, Steinpilze oder auch Maronenröhrlinge zeigen. Das Reich der Pilze ist sehr vielfältig, die Zahl der Arten wird auf 14 000 in Deutschland geschätzt. Es sind entscheidende Details, die einen giftigen Pilz von einem essbaren unterscheiden: So haben Champignons rosa bis braune Lamellen. Der tödliche Knollenblätterpilz dagegen hat weiße Lamellen und eine deutlich abgesetzte Knolle. Doch Vorsicht, so einfach ist es nicht: Auch bei den Champignons gibt es giftige Arten, die nur ein Experte identifizieren kann.
Pilzexperte Wolfgang Prüfert von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie verweist in einem Beitrag von MDR Wissen auf einen fatalen Effekt – die trügerische Sicherheit des langjährigen Pilzsammlers: „Nicht die, die sich wenig mit Pilzen auskennen, sondern die, die seit Jahren in die Pilze gehen und die denken, ich habe schon immer Champignons gesammelt, da kenn ich mich aus.“ Bei Champignons seien sich alle sicher.
Neue Arten sind giftig, die dem bekannten Champignon indes ähneln
„Dabei nehmen durch den Klimawandel giftige Champignons zu, auch solche aus dem Mittelmeerraum werden hier heimisch“, so Prüfert. Pilzsammler hätten nicht präsent, dass es neue Arten gebe, die dem bekannten Champignon ähnlich sähen, aber giftig seien. Apropos Pilz-Apps: Bereits 2015 hat Prüfert sieben Pilz-Apps ausgewertet. „Ich habe den Markt weiterverfolgt, die Essenz meiner Bewertung von 2015 gilt nach wie vor: Es ist lebensgefährlich, sich beim Speisepilzsammeln auf eine App zu verlassen“, sagt der Experte in dem Beitrag. Geübte Anfänger oder mäßig Fortgeschrittene könnten sich jedoch von Apps unterstützen lassen.
Vorsicht ist bei der Frische der Pilze geboten: Über die Hälfte der Pilzvergiftungen, die – etwa beim Giftinformationszentrum der Schweiz – gemeldet werden, sind „unechte Pilzvergiftungen“, ausgelöst durch zu alte oder nicht richtig gekochte Pilze, wie das Schweizer Radio und Fernsehen meldet.
Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten berücksichtigt werden
Heimtückisch sei auch manche schleichende Vergiftung. Der Kahle Krempling beispielsweise sei roh extrem giftig, gekocht führe er dann bei wiederholtem Genuss zu tödlichen Allergien. „Diese Vergiftungsart stellt ein nicht restlos geklärtes Phänomen dar und wird unter den Pilzsammlern sehr kontrovers diskutiert“, berichtet der Pilzverein Augsburg-Königsbrunn. Der Kahle Krempling werde von jeher und noch heute in osteuropäischen und asiatischen Ländern als Speisepilz deklariert und konsumiert. Er werde in fast jeder Pilzberatung vorgelegt; der Hinweis, dieser Pilz sei giftig, sogar tödlich giftig, werde meist mit heftigem Widerspruch aus den Reihen interessierter Sammler quittiert – mit der Anmerkung, man esse ihn seit Jahren. Dies belege, wie wichtig es sei, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung der Pilze zu berücksichtigen.
Es empfehle sich also, seinen Pilzkorb von ausgesuchten Experten prüfen zu lassen, bevor die gesammelten Schätze in die Pfanne wandern. Im Naturparkzentrum in Murrhardt werden von Anfang September bis Ende Oktober Pilzberatungen geboten. Diese werden von der Pilzsachverständigen und Naturparkführerin Beate Siegel sowie Manfred Klitzner durchgeführt und finden am 7., 14., 21. und 28. September sowie beim Naturparkmarkt am 5. Oktober jeweils von 16 bis 18 Uhr statt. Am 19. und 26. Oktober stehen die Pilzberater Sammlern von 15 bis 17 Uhr zur Seite. Am 11. und 12. Oktober findet die Beratung bei der Großen Pilzausstellung in Großerlach-Grab während der Öffnungszeiten statt. Pro Beratung werden 3 Euro erhoben.
Manche Vergiftung durch Pilze geht schleichend vor sich
Damit die Beratung gut klappt, geben die Pilzberater folgende Tipps: :
Den ganzen Pilz vorlegen. Pilze nicht abschneiden, sondern vorsichtig aus dem Boden oder vom Holz lösen.
Die Pilze nicht mit dem Messer säubern, sondern höchstens mit einem Pinsel, damit alle Merkmale erhalten bleiben.
Bekannte essbare Arten sollten von unbekannten getrennt in separaten Behältern transportiert werden.
Keine Plastiktüten oder Stofftaschen verwenden, in welchen die Pilze zerdrückt werden können.
Zum Artenschutz sollten von unbekannten Pilzen nur zwei bis drei verschiedener Wachstumsstufen vorgelegt werden.
Den Standort und die Baumarten beim Fundort merken. Ein Foto kann hilfreich sein.
Infos auch unter www.naturpark-sfw.deWer intensiver in die Welt der Pilze eintauchen möchte, kann dies in Seminaren der Pilzschule Schwäbischer Wald. Sie bietet Tagesführungen, Vorträge und Seminare an – zu pilzkundlichen Themen, aber auch zu Pflanzen wie essbare Wildkräuter, Zeigerpflanzen und Moosen. Die Pilzschule Schwäbischer Wald präsentiert außerdem regelmäßig Pilzausstellungen. Infos unter pilzschule-schwaebischer-wald.de.