InterviewPilzsachverständiger Andreas Hohmann aus Böblingen „Im Schönbuch gibt es Pilze ohne Ende“

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Der Böblinger Pilzsachverständige Andreas Hohmann erklärt, wo sich eine Suche lohnt und auf was Pilzfreunde dabei achten sollten.

Steinpilze gehören zu den beliebten Pilzsorten. Foto: dpa
Steinpilze gehören zu den beliebten Pilzsorten. Foto: dpa

Böblingen - Die Herbstzeit ist Hochsaison für Pilzsammler. Auch im Kreis Böblingen ziehen derzeit viele Menschen mit Korb und Messer durch die Wälder. Der Böblinger Pilzsachverständige Andreas Hohmann erklärt, wo man mit etwas Glück Pilze finden kann und welche Sorten derzeit häufig vorkommen.

Herr Hohmann, wo lohnt es sich im Kreis Böblingen, nach Pilzen zu suchen?
Es bietet sich zum Beispiel der Schönbuch an, in dem ganzen Gebiet gibt es Pilze ohne Ende. Doch auch in den Wäldern bei Renningen oder Leonberg kann man Glück haben. Pilze bevorzugen große zusammenhängende Wälder. Außerdem sollte man Abstand von großen Straßen halten, denn Pilze mögen keine Abgase. Wichtig ist auch, dass man im Wald nicht nur auf den Wegen bleibt, in deren Nähe sind die Pilze oft schon abgepflückt. Man sollte 50 Meter oder noch mehr in den Wald hineingehen. Allerdings ist es trotzdem ein Lottospiel, ob man auch tatsächlich Pilze findet.
Wieso?
Als Pilzsammler muss man nicht nur am richtigen Ort sein, sondern auch zur richtigen Zeit. Wenn es beispielsweise zwei Wochen lang nicht geregnet hat, wird man nur schwerlich Pilze finden. Es kommt auf die Luft- und Bodenfeuchtigkeit und zusätzlich auf die Luft- und Bodentemperatur an.
Gibt es Pilze, die im Kreis Böblingen besonders häufig vorkommen?
Im Juli und August hatten wir eine regelrechte Schwemme von Sommersteinpilzen. Jetzt wachsen viele Herbsttrompeten, die gab es in den vergangenen zwei Jahren kaum, da war es ihnen zu heiß und zu trocken. Außerdem findet man gerade an vielen Stellen den Riesenschirmpilz. Das gute bei diesen drei Pilzen ist, dass sie kaum giftige Doppelgänger haben.
Also kann man sie nicht verwechseln?
Doch, dem Steinpilz sieht zum Beispiel der Satansröhrling ähnlich, er verursacht Bauchschmerzen. Allerdings hat er einen roten Stiel und rote Poren. Auch den Gallenröhrling könnte man vielleicht für einen Steinpilz halten. Er schmeckt allerdings sehr bitter. Wenn da einer in einem Gericht dabei ist, ist das ganze Essen verdorben. Diesen Fehler macht man einmal und nie wieder.
Und wenn man einmal unsicher ist, welchen Pilz man vor sicht hat?
Als Pilzsachverständiger kann ich Pilze bestimmen – allerdings nicht von einem Handyfoto, das ist verboten. Außerdem brauche ich den ganzen Pilz, sonst fehlen vielleicht wichtige Merkmale.