Piraten im Umfragetief „Fünf Prozent reichen uns“

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Der Berliner Pirat Christopher Lauer rät seiner Partei, sich besser aufzustellen, wenn sie im Herbst 2013 in den Bundestag einziehen will. Dazu gehöre auch die Kommunikation.

Christopher Lauer fordert seine Partei auf, die Strukturen zu professionalisieren, um die Kampagnenfähigkeit und die Erfolgschancen beim Wähler zu verbessern. Foto: dpa
Christopher Lauer fordert seine Partei auf, die Strukturen zu professionalisieren, um die Kampagnenfähigkeit und die Erfolgschancen beim Wähler zu verbessern. Foto: dpa
Berlin - Der Berliner Christopher Lauer gehört zu den ersten Piraten in einem deutschen Parlament. Seine junge Partei steckt derzeit im Dilemma: Sie muss sich dem politischen System anpassen, um erfolgreich zu sein, verärgert aber damit einen Teil ihrer Anhänger.
Herr Lauer, was hat sich in ihrem Leben verändert, seit sie vor einem Jahr als einer der ersten Piraten in ein deutsches Parlament eingezogen sind?
Na ja, jetzt bin ich halt Abgeordneter. Seit ich 2009 Mitglied der Partei wurde, beschäftige ich mich sehr intensiv mit Politik, ich war im Bundesvorstand und habe da viel gearbeitet. Das einzige, was sich durch mein Abgeordneten-Dasein verändert hat, ist die Intensität, mit der ich politisch arbeite.

Manchmal, wenn man Sie im Parlament sprechen hört, klingt das, als könnten Sie auch bei der SPD sein. Beobachten Sie an sich, dass Sie dieselbe Politikersprache entwickeln, die Sie als Neupolitiker immer verachtet haben?
Dass man sich sprachlich irgendwie anpasst, ist keine Überraschung. Ich glaube, das ist kein Problem.

Es zeigt aber doch ein Problem, das Ihre Partei hat: Die Wähler wählen Piraten, weil sie das Bild des Antipolitikers verkörpern. Aber damit Sie als Abgeordnete erfolgreich im System mitschwimmen können, müssen Sie Berufspolitiker werden.
Ja, da ist was dran. Es greifen ein paar Mechanismen: erstens wird man domestiziert, zum Beispiel durch Medien. Die sagen: das ist alles nett, was Sie da sagen, aber wir brauchen das jetzt mal in 30 sendefähigen Sekunden. Dann wird man auch gezähmt durch Kritik – hier im Parlament wurde bemängelt, dass die Piraten so viel rumpöbeln, also glättet man seine Sprache. Und jetzt haben wir die Bescherung: erst verlangt man von den Piraten, sie sollten sich endlich professionalisieren. Und in dem Moment, in dem diese Professionalisierung stattfindet, wird ihnen vorgeworfen, sich von ihren Idealen zu entfernen.