Der Berliner Fraktionschef der Piratenpartei Christopher Lauer gibt das Twittern auf. Der Grund: „Das Gezwitscher bringt nichts.“

Berlin - Wenn man mit Christopher Lauer zum Gespräch verabredet war, dann gab es manchmal diese Pausen. Der Piratenpolitiker checkte sein Smartphone – wegen der Unaufschiebbarkeiten. Etwas Neues gab es immer, denn Lauer äußerte sich am laufenden Band, per Mail, aber vor allem über das soziale Netzwerk Twitter. Kein anderes Medium nutzen viele Piraten und ihre Anhänger intensiver, nirgendwo streiten sie sich öffentlicher, und bis jetzt gilt unter denen, die Transparenz predigen, immer noch das Dogma, dass soziale Netzwerke wie Twitter den unmittelbaren Kontakt zur Basis sichern.

 

Für Lauer – Twittername @schmidtlepp – gilt das nicht mehr. Er verkündete am Mittwoch – übrigens auf konventionellem, bedrucktem Zeitungspapier der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ – seinen Abschied von Twitter als Kommunikationsmedium.

Grund? „Das Gezwitscher bringt nichts.“ Zeit und Nerven verschwende er und erreiche doch viel weniger Publikum als erhofft, so Lauer in dem Zeitungstext, der mehr als 40 Twitternachrichten lang war. Soziale Medien gäben das trügerische Versprechen, man erreiche viele Leute. Aber im Schnitt, so habe er festgestellt, klickten nur 500 seiner 22.600 Follower auf seine Empfehlungen. Der Preis dafür ist Lauer zu hoch: Seine Kommunikation „zerfasere“, er verliere täglich eine Stunde Zeit – und das alles nur für eine „permanente Nabelschau“. Es entstehe sozialer Stress, weil Menschen über ihre Emotionen twitterten. Dazu stellten auch noch Journalisten Anfragen, klagt Lauer.

Der Meinungsumschwung des Berliner Fraktionschefs, der zu den medienaffinsten Piraten der Republik zählt, verwundert. Mehr als 60.000 Nachrichten sonderte der Politiker seit 2009 ab, zum Repertoire gehörte Inhaltssattes wie: „Pferd“, ein fröhliches „Knack&Back“ oder auch „Trololo“. Nun fragt der Pirat, ob es zu viel verlangt sei, wenn sich jeder, in egal welcher Kommunikationsform, vor einer Äußerung drei Fragen stellte: „Muss es gesagt werden? Muss es jetzt gesagt werden? Muss es jetzt von mir gesagt werden?“ Lauer hat am Mittwoch erst mal alle drei Fragen für sich mit einem klaren Ja beantwortet: Er twitterte über seinen Abschied von Twitter.