Pirontis Gemälde kommt ins Kunstmuseum Die Oma bleibt in Stuttgart
Nicht nur König Charles III. ist ein Fan: Das Gemälde von Massimiliano Pirontis Großmutter wurde nun vom Kunstmuseum in Stuttgart gekauft.
Nicht nur König Charles III. ist ein Fan: Das Gemälde von Massimiliano Pirontis Großmutter wurde nun vom Kunstmuseum in Stuttgart gekauft.
Massimiliano Pironti verkauft seine Großmutter. Leicht fällt es ihm wahrlich nicht. Dieses Gemälde war eines, das er nur für sich und seine Familie gemalt hat. Er hat einen kleinen Moment ganz groß eingefangen. Seine Oma mit der roten Wärmflasche auf dem Schoß. Jedes Augenbrauenhaar, jede Falte, jeder Altersfleck ist hier sichtbar.
Einige wollten das Kunstwerk haben, gezahlt hätte ein indischer Industrieller oder ein italienischer Milliardär sehr viel. Doch das Gemälde ist nun vom Freundeskreis des Kunstmuseums Stuttgart gekauft worden. „Ein Glücksfall“, sagt Ulrike Groos, die Museumsdirektorin. „Dieses Werk passt ausgesprochen gut in unsere Sammlung“, so Groos. „Ich finde diesen Stil hervorragend. Es ist ein hyperrealistisches Gemälde, das schon fast wie eine Fotografie aussieht.“ Und auch für den Künstler selbst ist’s ein gutes Zusammenkommen: „Im wunderbaren Kunstmuseum ist es sorgsam aufbewahrt, und es ist mir eine Ehre zu wissen, dass es immer Teil der Sammlung sein wird“, so Pironti.
Das Porträt seiner Oma, die stolze 97 Jahre alt wurde, hat viel bewegt in Pirontis künstlerischer Karriere. Es wurde in der Londoner National Portrait Gallery ausgestellt, mit Preisen bedacht. Durch dieses Porträt wurde der jetzige König Charles III. auf die detailgenaue Porträtmalerei Pirontis aufmerksam. Und Pironti, der in Stuttgart lebt, durfte als einziger Künstler außerhalb Großbritanniens eines von sieben Porträts von Schoa-Überlebenden malen.
2019 war es, als Massimiliano Pirontis Oma in der Londoner National Portrait Gallery ausgestellt wurde. Ein beeindruckendes Gemälde, wie die alte Frau mit der roten Wärmflasche in ihrer Küche sitzt. Die Engländer haben ein Faible für Porträts, wollen Menschen in den Fokus rücken. Der Titel des Gemäldes seiner Oma lautet „Quo vadis“, weil sie immer fragte, wohin sie wohl bald gehen wird. Pironti wollte sich seine Großmutter für immer einprägen, das Bild von ihr, wie sie in der Küche sitzt. In ihren Augen sah er, dass sie wusste, dass sie bald sterben würde. „Es geht nicht um die Technik, es geht um die Gefühle“, so Pironti. Seine Werke erscheinen absurd fotorealistisch und sind doch kunstvoll konstruiert. Perfekt bis ins letzte Augenbrauenhaar durchdacht. Perfektionist ist so ein Wort, das gerne leichtfertig verwendet wird.
„Das Bild hat eine Seele“, sagt Henrik Huydts, Vorstandsvorsitzender der Freunde des Kunstmuseums. Er freut sich, dass man sich einstimmig auf den Kauf dieses Werks einigen konnte, und war von Beginn an „von diesem unglaublichen Realismus“ fasziniert.
Erstaunlicherweise ist Pironti ein Autodidakt. Er wuchs in der Nähe von Rom, in der Industriestadt Colleferro, auf. Ungefähr mit drei Jahren, in einem Alter, in dem Kinder normalerweise Kopffüßler aufs Papier bringen, begann er zu malen, mit sieben Jahren verwendete er erstmals Ölfarben. Heute sind seine Werke mit Ölfarben auf Aluminiumtafeln angefertigt.
„Quo vadis“ ist mittlerweile schon im Kunstmuseum am Schlossplatz angekommen. Voraussichtlich ab 2024 wird es öffentlich zu sehen sein und bekommt einen Platz zwischen Porträts von Otto Dix. „Das ist der perfekte Dialogpartner“, sagt Ulrike Groos. Für den 41-jährigen Wahl-Stuttgarter ist der Ankauf des Kunstmuseums ein Glücksfall: So kann er sein Werk jederzeit besuchen.
Bis es so weit ist, können Interessierte ein Kunstwerk in Lauffen am Neckar bestaunen: Im Geburtshaus Hölderlins hängt in der Dauerausstellung Pirontis zeitgenössische Interpretation Hölderlins, mit der er anlässlich des Hölderlin-Jubeljahres 2020 und der Museumseröffnung betraut wurde.