Die Stadtverwaltung in Murhardt will die Weichen für das ehemalige Bahnhofsgebäude neu stellen: Der große, denkmalgeschützte Sandsteinbau an der Bahnhofstraße soll saniert werden. Danach könnte das Naturparkzentrum aus den mittlerweile zu eng gewordenen Räumen vom Marktplatz 8 dorthin umziehen. Im Bahnhofsgebäude wäre ausreichend Platz für Büros sowie für eine ansprechende und barrierefreie Präsentation der Naturparkausstellung. Der örtliche Gemeinderat hat jüngst einem Prüfauftrag zugestimmt, der Fragen zur Realisierung des Vorhabens klären soll; etwa die Kosten der Sanierung, das Raumprogramm und die Frage der Finanzierung.
Die Stadt stellt die Weichen
Bereits im Jahr 2019 hat die Stadt Murrhardt der Deutschen Bahn das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude abgekauft. „Andere Interessenten gab es damals viele, aber wir konnten unser Vorkaufsrecht geltend machen, da sich das Gebäude in einem Sanierungsgebiet befindet“, erklärt Bürgermeister Armin Mößner. Die Stadt hatte das Bahnhofsgebäude damals erworben, um eine „geordnete städtebauliche Entwicklung im Sanierungsgebiet Bahnhof/östlich Klosterhof sicherzustellen“, wie Mößner erklärt. Sprich: Man wollte vermeiden, dass irgendwer das Gebäude kauft und vielleicht irgendwas daraus macht, was nicht im Sinne der Stadt gewesen wäre. Verschiedene Vorhaben wurden seitdem erwogen. Auch eine Reprivatisierung stand im Raum, wurde jedoch aufgrund veränderter Umstände seitens eines möglichen Erwerbers nicht umgesetzt.
In den vergangenen Monaten hat sich nun die Idee entwickelt, das Naturparkzentrum vom Marktplatz 8 in den Bahnhofsbau zu verlegen. Aktuell fehlt es im Gebäude am Marktplatz 8 an Büros für die Mitarbeiter, deren Zahl in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Außerdem fehlt dort die Fläche für eine angemessene Präsentation der Naturparkausstellung. Zudem ist sie nicht barrierefrei. Frei werdende Räume am Marktplatz 8 könnten künftig von Mitarbeitern des Rathauses genutzt werden. Denn auch dort ist es zu eng geworden: „Uns fehlt auch im Rathaus der Platz, hier sind einige Arbeitsplätze doppelt belegt“, sagt Mößner, der auch Vorsitzender des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald ist. Einzig die „Tourist-Info“ sollte am Marktplatz verbleiben.
Auch im Rathaus fehlt der Platz
Die Verlagerung des Naturparkzentrums ins Bahnhofsgebäude wurde von der Verwaltung in enger Zusammenarbeit mit der Naturparkgeschäftsstelle erwogen. Das Bahnhofsgebäude würde nicht nur die räumlichen Bedürfnisse besser erfüllen, sondern auch zu einer „erhöhten Sichtbarkeit des Naturparkzentrums beitragen, da es von allen Bahnfahrenden und Autofahrern, die durch Murrhardt reisen, besser wahrgenommen werden könnte“, erklärt der Bürgermeister.
Das Bahnhofsgebäude hat viel Potenzial: Aktuell wird dort nur ein kleiner Teil des Erdgeschosses von einem örtlichen Busunternehmen genutzt, die alte Warte- und Schalterhalle steht momentan leer. In den oberen Etagen wohnen Geflüchtete, auch über Mieteinnahmen aus einem benachbarten gastronomischen Betrieb werden die Kosten für das Gebäude gedeckt. Da sich das Gebäude im Geltungsbereich des Sanierungsgebiets Bahnhof/östlich Klosterhof befindet, könnten Mittel aus dem Landessanierungsprogramm für die Sanierung genutzt werden.
Die ist dringend nötig. „Wir haben einen Architekten beauftragt, der eine grobe Kostenschätzung vorgelegt hat“, sagt der Bürgermeister. Die Kosten für eine Sanierung des Bahnhofsgebäudes wurden grob auf etwa 1,8 bis 2 Millionen Euro geschätzt. Ein erheblicher Teil könnte durch das Landessanierungsprogramm abgedeckt werden. Die verbleibenden Kosten könnten über Mieteinnahmen refinanziert werden, die aus dem Naturparkzentrum, der Wohnung und dem Raum für die Busfahrer generiert würden.
Wichtiges Signal vom Land
Neben Details zur Sanierung und zum Raumkonzept beschäftigt die Stadtoberen vor allem die Frage, ob das Land als künftiger Mieter im Bahnhofsgebäude mit von der Partie wäre. Mößner: „Wir brauchen die Zustimmung des Landes. Hierzu laufen aktuell die Gespräche mit den jeweiligen Stellen.“ Der Bürgermeister hofft, diese Frage zeitnah klären zu können, denn ein positives Signal des Landes ist zwingend nötig, um die Pläne auch zu verwirklichen.