Der Hochschul-Campus an der Flandernstraße biete viele Möglichkeiten für eine städtebauliche Entwicklung. Foto: Roberto Bulgri/n
Der Siegerentwurf eines Planungswettbewerbs zur Zukunft des Hochschulareals an der Esslinger Flandernstraße zeigt interessante Perspektiven. Unser Redakteur Alexander Maier hofft, dass die Realisierung des Projekts die hohen Erwartungen bestätigt.
Alexander Maier
18.02.2025 - 18:00 Uhr
Darauf haben viele in Esslingen lange gewartet – manche meinen gar: viel zu lange. Oft und gern hatte die frühere Verwaltungsspitze versichert, dass die Bagger auf der Flandernhöhe anrücken werden, sobald die Hochschule 2026 ihren dortigen Campus räumt. Doch davon kann inzwischen nicht mehr die Rede sein. Bis die nötigen Investoren gefunden sind und bis eine endgültige Planung in trockenen Tüchern ist, wird noch viel Wasser den Neckar hinunterfließen. Und die Stadt, die ansonsten gerne mit spitzer Feder kalkuliert, wird einiges an Zinsen bezahlen müssen, weil sich die Kosten für den Grundstückstausch mit dem Land erst refinanzieren lassen, wenn die nötigen Investoren gefunden sind.
Immerhin liegt nun ein Entwurf auf dem Tisch, mit dem die Stadt in die Feinplanung für die Zukunft des Hochschulareals einsteigen kann. Dass die Bürgerschaft in den Wettbewerbsprozess einbezogen war, kann der Akzeptanz des Projekts nur guttun. Die Stadt ist gut beraten, wenn sie auch weiterhin auf Beteiligung setzt. Ein erster Schritt: Bis Ende der Woche gibt es Gelegenheit, die Wettbewerbsentwürfe im Technischen Rathaus zu begutachten.
Auch wenn das letzte Wort bei vielen planerischen Fragen noch nicht gesprochen ist, haben die Wettbewerbssieger gezeigt, dass sich vieles von dem, was sich die Stadt erhofft, umsetzen lässt. Ob es am Ende genau so kommen wird, muss sich zeigen. Viele erinnern sich an Projekte wie die Bebauung des früheren Busbahnhof-Areals. Auch da hatte der Architektenwettbewerb viele ambitionierte Ideen gebracht, die später auf dem Altar der Wirtschaftlichkeit geopfert worden waren. Gemeinderat und Verwaltung sollten auf der Flandernhöhe sehr genau hinschauen und darauf achten, dass hohe Qualität nicht verwässert wird. Dazu ist dieses Areal für das Stadtbild viel zu prägend, und eine städtebauliche Chance auf sieben Hektar Fläche bietet sich nicht alle Tage. Eine gute Möglichkeit, die Entwicklung wesentlich mit zu prägen, hat die Stadt, wenn sie zumindest auf einem Teilbereich selbst baut.
Ein Vor-Ort-Termin der Architects for Future fand großes Interesse. Foto: Roberto B/ulgrin
Nachhaltige Planung
Ein interessanter Aspekt der nun vorgelegten Planung: Die Planungsbüros hatten die Vorgabe, so weit wie möglich mit der vorhandenen Bausubstanz zu arbeiten und auf Abriss zu verzichten. Die beiden Erstplatzierten im Wettbewerb haben gezeigt, dass das nicht nur Umwelt und Klima nützt, sondern auch sehr wohl möglich ist. Das rückt die frühere Entscheidung für den Neubau des Esslinger Landratsamtes, die damals von vielen als alternativlos gepriesen worden war, im Nachhinein in ein anderes und längst nicht mehr so freundliches Licht.