Pläne für die Zuschauer Wie Union Berlin und der VfB Stuttgart um Fans kämpfen

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Union Berlin will zur neuen Saison ein volles Stadion haben. Das löst kontroverse Diskussionen aus – aber auch der VfB Stuttgart arbeitet an einem Konzept, um wieder Fans in die Arena zu bekommen.

Wann dürfen VfB-Fans wieder gemeinsam im Stadion jubeln? Foto: Baumann
Wann dürfen VfB-Fans wieder gemeinsam im Stadion jubeln? Foto: Baumann

Berlin/Stuttgart - Die Sehnsucht nach dem Stadionerlebnis wächst, besonders in Berlin. Gemeinsam singen, schreien, jubeln. Körper an Körper und atmosphärisch dicht – so wie es früher war, vor der Corona-Krise. Denn Geisterspiele empfinden die meisten Fußballfans als gruselig mit den vereinzelten Spieler- und Trainerrufen, die durch die leeren Arenen hallen. „Die Menschen flehen uns jeden Tag an, dafür zu sorgen, dass sie zurückkommen können“, sagte Christian Arbeit, der Kommunikationsleiter des 1. FC Union Berlin bei RBB24.

Er sagte es, nachdem die „Eisernen“ ihren tollkühnen Plan öffentlich gemacht hatten: Der Bundesligist will die neue Saison mit einem vollen Stadion beginnen. Rein darf aber nur, wer ein Ticket und einen negativen Covid-19-Test vorlegen kann, der nicht älter als 24 Stunden ist.

Organisatorische Mammutaufgabe

Entwickelt sich die Alte Försterei – das Stadion, das noch den Geist des Ursprünglichen atmet – also zur Blase mit lauter gesunden und symptomfreien Menschen? Schwer zu sagen, aber der Kampf um die Rückkehr der Zuschauer läuft so gut wie überall. Auch beim VfB Stuttgart. Gedanken, wie sie die Anhänger gemäß den Hygiene- und Sicherheitsregeln wieder auf die Ränge bekommen, machen sich die Verantwortlichen im Grunde, seit der Spielbetrieb im März unterbrochen wurde. Der VfB befindet sich diesbezüglich weiter im engen Austausch mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und den zuständigen Behörden von Stadt und Land.

Spruchreif ist jedoch noch nichts, da das Wohl der Menschen über allem steht und es sich um ein hochkomplexes Konzept handelt. Wer dabei erlebt hat, wie hoch der organisatorische Aufwand war, um nach Wiederaufnahme des Spielbetriebes jeweils 300 ausgewählte Personen in die Stadien zu bekommen, der kann erahnen, was für eine Mammutaufgabe es wäre, 30 000 Menschen aus dem beachtlichen Einzugsgebiet des VfB in die Mercedes-Benz-Arena zu lotsen.

Der Traum des DFB-Präsidenten

In Berlin sollen es 20 012 Zuschauer sein, was einer Vollauslastung entspricht. „Unser Stadionerlebnis funktioniert nicht mit Abstand. Wenn wir nicht singen und schreien dürfen, dann ist es nicht Union“, erklärte der Vereinspräsident Dirk Zingler. Die Verhandlungen mit dem Gesundheitsamt des Stadtbezirks Treptow-Köpenick und des Landes Berlin laufen deshalb auf Hochtouren.

Die Diskussionen um den Vorstoß der Berliner sind damit losgetreten. Politiker und Virologen melden sich – skeptisch, neugierig, ergebnisoffen. Dennoch bleibt zweifelhaft, ob Fritz Kellers Wunsch bereits am 18. September, dem ersten Spieltag der Saison, in Erfüllung geht. „Mein Traum wäre es, über Testungen vielleicht irgendwann ein volles Stadion zu bekommen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem SWR. Näher an der Realität gibt sich die DFL und verweist auf Gespräche mit dem Bundesministerium für Gesundheit.

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Freilich will auch der DFL-Chef Christian Seifert bald möglichst wieder Zuschauer in den Stadien sehen. Der Ligaverband tastet sich jedoch an das Thema heran, und Seifert informierte die 36 Clubs der ersten und zweiten Liga kürzlich darüber, nicht auf Leitlinien der DFL zu warten. Eigeninitiative wie von RB Leipzig ist gefragt, und es gilt: Entscheidend für eine (Teil-) Zulassung von Fans sind die lokalen Konzepte der Vereine, welche von den zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort freizugeben sind.




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