Pläne für die Zeit nach dem City-Center in Böblingen Kleinteiligkeit statt Klotz

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An der Wolfgang-Brumme-Allee wird es durchlässiger: Anstelle des City-Centers werden zwei Gebäude für Handel, Büros und Wohnen entstehen – mit einer Passage dazwischen. Die Böblinger Baugesellschaft hat dafür mehrere Entwürfe machen lassen und einen Sieger prämiert.

Der Siegerentwurf wirkt durchlässig und sieht auch eine kleine Fußgängerzone  vor. Foto: Steinhoff/Haehnel Architekten GmbH  (2)
Der Siegerentwurf wirkt durchlässig und sieht auch eine kleine Fußgängerzone vor. Foto: Steinhoff/Haehnel Architekten GmbH (2)

Böblingen - Vor allem der trichterförmige Durchgang von der Wolfgang-Brumme-Allee zur Olgastraße hat es Stefan Belz angetan. „Der Entwurf ist sehr gelungen“, sagt Böblingens Oberbürgermeister zu den Gebäuden, die anstelle des City-Centers entstehen sollen. Die Böblinger Baugesellschaft (BBG) hat am Mittwoch den Sieger ihres Architektenwettbewerbs für die Neubebauung des Grundstücks verkündet. Der Auftrag geht an das Stuttgarter Büro Steinhoff/Haehnel. Die BBG rechnet mit Baukosten von rund 90 Millionen Euro. Geplant sind zwei Gebäude mit Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss sowie Läden und Büros im ersten Stock. In den oberen Etagen ist Platz für 90 Mietwohnungen. Der Baubeginn könnte in zwei Jahren sein.

Belebung für die Unterstadt

„Das City-Center hat seine Glanzzeiten schon lange hinter sich“, sagte Stefan Belz bei der Präsentation der Vorschläge. Vor mehr als zehn Jahren seien die Weichen dafür gestellt worden, dass eine neue Entwicklung in der unteren Stadt möglich wurde. Der Siegerentwurf teile die Bereiche Handel, Arbeiten und Wohnen vorbildlich auf. Diese Mischung sei ein wichtiger Schritt zur Aufwertung des Areals, erklärte der Oberbürgermeister. „Hocherfreut über das Ergebnis“ zeigte sich auch Rainer Ganske, der BBG-Geschäftsführer. Es hebe die bisherige Sperrwirkung des City-Centers auf, der wie ein Riegel zwischen der Fußgängerzone in der Bahnhofstraße sowie den Nebenstraßen und der Wolfgang-Brumme-Allee wirkte. Kleinteiligkeit sei gewünscht gewesen, beschrieb der Architekt Roland Haehnel den Auftrag. Die Einbindung in den Stadtraum sei ihnen wichtig gewesen. „Es war ein langer Prozess“, sagte er über den Siegerentwurf.

Die Architekten teilten das Grundstück in zwei Baufelder auf, in deren Mitte sich eine offene Ladenpassage befindet. Auch zum höher gelegenen Plateau bei der Kreissparkasse gibt es einen Durchgang. Entlang der Wolfgang-Brumme-Allee bilden die Gebäude eine klare Kante, der Neubau neben der Bank ist an der Ecke zum Kreisverkehr mit sieben Stockwerken der höchste. Die Wohnebenen beginnen im zweiten Stock, wo die Wohnungen private Gärten haben sowie nur den Mietern zugängliche, gemeinschaftliche Flächen wie ein Spielplatz. Alle Wohnungen haben Südausrichtung und werden „von hoher Qualität sein“. Die Pflicht zum sozialen Wohnungsbau will die BBG in anderen Projekten erfüllen, wie dem Seecarrée an der Herrenberger Straße, wo mehr als 100 Wohnungen entstehen.

Das Projekt soll Leben in das Viertel bringen. Der Wohnraum werde dringend benötigt, für die Handelsflächen hätten sich bereits Bewerber gemeldet, berichtete Rainer Ganske. Für einen konkreten Interessenten wurde beispielsweise ein 3800 Quadratmeter großes Geschäft im ersten Obergeschoss eingeplant. „In Böblingen gibt es kaum Chancen für großflächigen Einzelhandel“, erklärte er die hohe Nachfrage. Die BBG wird einen Teil der Gebäude nach Fertigstellung an einen institutionellen Anleger wie eine Versicherung oder eine Bank verkaufen, kündigte der BBG-Geschäftsführer gleich an. Eigentumswohnungen werden an der Wolfgang-Brumme-Allee nicht zum Kauf angeboten.

Baustart in zwei Jahren

Momentan laufen die Planungen für den Abriss des City-Centers. 2017 hat die BBG das Einkaufszentrum aus den 1980er Jahren von einer niederländischen Fondsgesellschaft gekauft. Laut Vertrag wird das Gebäude spätestens bis Ende Juli 2020 vom alten Besitzer geräumt und dann an den städtischen Tochterbetrieb übergeben. Der Abbruch schlägt mit fünf bis sechs Millionen Euro zu Buche und wird mindestens bis zum Frühjahr 2021 dauern. Dann könnte der Spatenstich erfolgen. Rainer Ganske rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. „Das ist ein sportlicher Plan“, betonte er. Die gegenüber liegende Tankstelle wird bis zum Einzug der Mieter auch verschwunden sein, die Böblinger Baugesellschaft hat sie ebenfalls gekauft.