Bürgermeister denkt an einen Grundstückstausch
Die Gemeinde Köngen würde damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Neben neuen Wohn- und Gewerbeflächen stellt die HOS-Gruppe in Aussicht, eine Fläche für ein neues Feuerwehrmagazin freizuschlagen. Das bestehende Gebäude der Köngener Floriansjünger stammt aus dem Jahr 1965 und weist erhebliche Mängel auf – unter anderem gibt es weder Umkleide- noch Sanitärräume, die Tore sind für moderne Einsatzfahrzeuge zu schmal und meist auch zu niedrig. „Die Mängel sind bekannt“, bekannte Gerald Stoll, der Leiter des Köngener Haupt- und Ordnungsamts. Bereits 2020 hatte die Kommune eine Machbarkeitsstudie in Sachen Feuerwehrhaus in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Eine Sanierung ist unwirtschaftlich. „Der Leitgedanke ist ein kostenneutraler Grundstückstausch mit der HOS-Gruppe“, sagte Köngens Bürgermeister Otto Ruppaner. Die Fläche, auf der das alte Feuerwehrhaus steht, könnte laut HOS-Masterplan für eine Wohnbebauung genutzt werden – das neue Magazin soll an der Bahnhofstraße gebaut werden. Dort befindet sich derzeit eine Tankstelle, deren Pachtvertrag 2028 ausläuft.
Gemeinderat will Weichen für Feuerwehr 2024 stellen
Für Köngens Bürgermeister Ruppaner ist die lange Vorlaufzeit kein großer Stolperstein: „Für die Planung des neuen Areals inklusive Bebauungsplan und städtebaulichem Vertrag mit der HOS-Gruppe sind sowieso mindestens drei Jahre einzurechnen. Obendrein muss der Feuerwehrbedarfsplan fortgeschrieben werden.“ Knackpunkt sei, dass die Kosten nicht seriös schätzbar sind. Ruppaner rechnet mit mindestens zehn Millionen Euro für ein neues Feuerwehrmagazin. Für die weitere Planung in Sachen Feuerwehr wird eine Klausurtagung des Gemeinderats im Frühjahr 2024 angesetzt.
Der Masterplan für das HOS-Areal auf der Köngener Seite sieht darüber hinaus vor, die Brache direkt an der B 313 zur Köngener Mühle hin sinnvoll zu nutzen. Derzeit ist etwa nur ein Drittel des rund 5,5 Hektar großen Areals versiegelt. Laut HOS-Geschäftsführer Andreas Decker soll der nominelle Grünanteil künftig trotz höherer Versiegelung durch entsprechende Dach- und Fassadenbegrünung höher werden. Geplant ist ein kleiner Park in der Mitte des Areals, wo auch der bislang verdolte Bubenbach wieder ans Tageslicht geholt werden könnte. Zur B 313 hin soll ein Mischgebiet mit gewerblichem Schwerpunkt in mehrere großen Riegel entstehen. Zur Ortsmitte hin könnten weitere Wohnhäuser gruppiert werden. Der markante Shedbau, eine frühere Weberei der HOS aus dem Jahr 1911 direkt an der Bahnhofstraße, soll zunächst erhalten bleiben. „Auch weil wir da langfristige Mietverträge abgeschlossen haben“, erklärt Decker. Er schließt aber nicht aus, dass auch hier irgendwann ein Neubau möglich sein könnte. Der Shedbau steht nicht unter Denkmalschutz. Von der Geschossigkeit her sollen sich die Neubauten am Ist-Zustand orientieren, zur B 313 hin aber immer höher werden, auch zwecks Lärmschutzes.
Auch ein Verkauf scheint nicht ausgeschlossen
Auf Nachfrage aus dem Köngener Gemeinderat, ob die HOS plane, die Flächen zu verkaufen, zeigte sich Geschäftsführer Decker offen: „Wir können alle Modelle auf den jeweiligen Bedarf ausrichten.“ Er betonte allerdings, dass die HOS kein spekulativer Projektentwickler sei und das Unternehmen das Areal zunächst im eigenen Portfolio behalten will: „Wir planen das Areal erst einmal für den Eigenbedarf. Wir wollen mit potenziellen Mietern oder auch Käufern zusammen Ideen entwickeln. Aber es ist auch bekannt, dass viele Gewerbetreibende Eigentum vorziehen.“
Welches Gewerbe siedelt sich an?
Welches Gewerbe dort angesiedelt werden soll, konnte Decker ebenfalls nicht sagen: „Das ist noch viel zu früh. Wir reden hier von einem Zeitraum von bis zu vier Jahren bis zum Baustart. Das ist ein zu langer Zeithorizont für Gewerbetreibende.“ Es gehe zunächst darum, das entsprechende Baurecht zu schaffen, um potenziellen Interessenten Möglichkeiten bieten zu können – dann sehe man weiter, so Decker.
Liegenschaften der HOS-Gruppe
Otto-Quartier
Das rund zehn Hektar große Otto-Quartier auf der Wendlinger Neckarseite in Bahnhofsnähe hat die HOS-Gruppe 2019 an den Investor CG Elementum AG verkauft. Nur noch rund 20 Prozent des Areals sind im Portfolio der HOS-Gruppe, unter anderem befindet sich dort der Hauptsitz des Unternehmens.
Neckarspinnerei
Das denkmalgeschützte Neckarspinnerei-Quartier im Wendlinger Stadtteil Unterboihingen aus dem Jahre 1861 ist ein Projekt der IBA’27. Auf fünf Hektar wird es zu einem gemischt genutzten Quartier entwickelt und bleibt im Bestand der HOS-Gruppe.
Areal Köngen
Wo seit 1911 auf der damals grünen Neckaraue eine weitere Weberei der HOS untergebracht war, siedelte das Wendlinger Unternehmen von 1962 bis Anfang 2001 ihre Tochtergesellschaft plastic + form Kunststoff-Verarbeitungsgesellschaft an. Seit ihrer Stilllegung ist das Gebäudeensemble mit Shedbau und nachträglich angebauten Werkshallen durchgängig vermietet. Zum Gesamtgelände gehört auch die brachliegende Wiese zwischen den Gebäuden und der Köngener Mühle. Ohne die Fläche des Feuerwehrmagazins umfasst das Areal etwa vier Hektar.