Pläne für Metropol-S-Bahn Züge im Dreivierteltakt

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Auch in Zukunft ist im Filstal kein vernünftiger Taktverkehr in Sicht. Und nun sollen einige Züge auch noch in Süßen enden. Der Kreis wird zerhackt, schimpfen die Kreisräte und fordern das Land zu Nachverhandlungen auf.

Eine S-Bahn steht im BAhnhof von Plochingen. Wann sie weiter als Metropol-S-Bahn nach Göppingen fährt, ist ungewiss. Foto: Hass
Eine S-Bahn steht im BAhnhof von Plochingen. Wann sie weiter als Metropol-S-Bahn nach Göppingen fährt, ist ungewiss. Foto: Hass

Göppingen - Die Pläne für eine so genannte Metropol-S-Bahn, die den Kreis Göppingen im Halbstundentakt und in S-Bahn-Qualität mit der Stuttgarter Innenstadt verbindet, sind so gut wie gescheitert. Zwar sieht die neue Zielkonzeption des Landes einen Halbstundentakt zwischen Filstal und Stuttgart vor. Doch ist die Bahn gar nicht in der Lage, dieses Konzept zu bedienen. Laut einem Zertifikat von DB-Netz müsse in jeder zweiten Stunde ein Zug teilweise ausfallen, weil zwischen Plochingen und Stuttgart kein Gleis frei sei. Es lebe der Dreivierteltakt!

Ein Zug soll in Süßen enden

Zumindest bis zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21 dürfte sich daran nichts ändern. Hinzu kommt, dass nach der neuen Landeskonzeption nur noch einer der zwei Nahverkehrszüge pro Stunde bis Geislingen und Ulm durchgebunden werden soll. Der andere endet in Süßen, was gegenüber der Gegenwart eine Verschlechterung darstellt. Dies sei Konsequenz aus dem geringeren Fahrgastaufkommen auf dem Abschnitt, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Auch bei Nachverhandlungen sei das Land hart geblieben, musste der Landrat Edgar Wolff jetzt einräumen. Mit Rücksicht auf die Gleichbehandlung aller Regionen Baden-Württembergs sei eine Finanzierung weiterer Zugkilometer im Kreis Göppingen nicht möglich, hieß es. Der Kreis könne sich aber bis Ende Mai entscheiden, ob er die kurze Regionalbahn auf eigene Rechnung bis Geislingen verlängern wolle. Dies würde nach ersten Schätzungen bis zu zwei Millionen Euro jährlich kosten.

Vor dem Hintergrund der unklaren Perspektive könne eine kurzfristige Entscheidung des Kreises für eine kostspielige Bestellung zusätzlicher Zugkilometer nicht erwartet werden, stellte Wolff vor den Mitgliedern des Verkehrsausschusses des Kreistags klar. Mit einer Resolution soll der Kreistag dem Nachruck verleihen. Die Sprecher der Fraktionen unterstützten diese Linie. „Der Landkreis wird in der Mitte geteilt in eine zweite und eine dritte Klasse“, sagte Wolfgang Rapp (CDU). „Wir wollen nicht zerhackt werden“, erklärte Rainer Kruschina (SPD). Nur die Grüne Dorothee Kraus-Prause zeigte Verständnis für das „finanzielle Dilemma“ des Landes.

Der Metropol-Express ist Landesgesetz

Der Freie-Wähler-Chef Werner Stöckle erinnerte daran, dass der Aufbau eines Metropolexpress-Netzes mit der Region vereinbart und mittlerweile sogar Gegenstand eines Landesgesetzes sei. Darin sei Geislingen als Endpunkt ausdrücklich erwähnt. Auch die örtlichen Landtagsabgeordneten schalteten sich inzwischen ein. Nicole Razavi (CDU) erklärte, die neue Konzeption benachteilige den ländlichen Raum und sei völlig inakzeptabel. Der Grüne Jörg Fritz sowie die SPD-Abgeordneten Sascha Binder und Peter Hofelich erklärten sich ebenfalls solidarisch mit dem Landkreis.

Zudem baten Binder und Hofelich im Ministerium um ein Gespräch mit Verkehrsminister Windfried Hermann (Grüne). Es gebe ja eine Kompromisslinie, sagte Wolff. Die vorgesehenen Zugkilometer, die zwischen Plochingen und Stuttgart nicht gefahren werden könnten, sollten einfach in Süßen angehängt werden. Dann sei der Kreis auch bereit, in die Schaffung S-Bahn-ähnlicher Standards zu investieren.




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