Pläne für Schwanenplatz Weniger Verkehr, mehr Wasserspiele

Von Josef Schunder 

Für den Schwanenplatz der Zukunft ist der richtige Entwurf ermittelt. Davon sind nach einem städtebaulichen Wettbewerb Preisrichter, Stadtverwaltung und der Verein Berger Bürger überzeugt. Der Zeitpunkt der Umsetzung ist ungewiss.

Das preisgekrönte Konzept verspricht einen Schwanenplatz, der viel attraktiver ist – nur nicht für die Autofahrer. Denn am Parkhaus für die Mineralbäder (rechts oben) entsteht eine Art von Schikane. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth/Entwurf: Wiedemann+Schweizer
Das preisgekrönte Konzept verspricht einen Schwanenplatz, der viel attraktiver ist – nur nicht für die Autofahrer. Denn am Parkhaus für die Mineralbäder (rechts oben) entsteht eine Art von Schikane. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth/Entwurf: Wiedemann+Schweizer

Stuttgart - Das Mineralbad Berg gilt schon lang als Stuttgarter Perle, jetzt soll auch der Nachbar Schwanenplatz so richtig präsentabel werden: als Ortsmitte des Stadtteils Berg, die nicht länger vom Verkehr dominiert wird. Als Aufenthaltsort, ja sogar als Wohlfühlort. Am Donnerstag ist im Rathaus vorgestellt worden, was tags zuvor ein Preisgericht nach einem städtebaulichen Wettbewerb unter sechs eingeladenen Büros entschieden hatte. Der Schwanenplatz soll nach dem Entwurf des Büros Wiedemann+Schweizer (Stuttgart) mit dem Verkehrsplaner Christoph Link umgestaltet werden. Sie haben nun die Detailplanung vor sich – mindestens für den Kernbereich mit den Fahrbahnen und ihrem direkten Umfeld.

Das ist der sogenannte Realisierungsteil des Wettbewerbsgebiets, für den der Wettbewerbssieger Ansprüche auf den Planungsauftrag anmelden kann. Darüber hinaus holte die Stadt auch noch Ideen für die Gestaltung des Parkplatzes beim Mineralbad Berg und der Flächen bis zu den Stadtbahngleisen ein. Die Ergebnisse dafür kann die Stadt weiterverfolgen oder auch nicht.

Die Idee der erfolgreichen Planer ist, dass eine einheitlich gestaltete Fläche für unterschiedlichste Verkehrsbedürfnisse entsteht – ähnlich wie in der Tübinger Straße in der Innenstadt, aber nicht so weitläufig. Durch einige neue Engstellen will man den Durchgangsverkehr domestizieren; besonders durch eine Art von Spitzkehre oder Schikane für Autofahrer am nördlichen Platzende beim Leuze-Parkhaus. Dadurch, so das Kalkül, könnten vielleicht manche Autofahrer ferngehalten werden, die trotz Verbot auf dem Weg zwischen der Neckarstraße/Steubenstraße und der Uferstraße B 10/14 pendeln.

Jury ist angetan vom Umgang mit dem Thema Wasser

Das Preisgericht schätzte am Siegerentwurf besonders den Umgang mit dem Element Wasser in diesem „Bäderquartier“, sagte der Juryvorsitzende Hubert Möhrle. Das bezieht sich beispielsweise auf eine „lineare Wasserfläche“, die mit der Erinnerung an den tiefergelegten Nesenbach spielt. Linear deshalb, weil die Planer eine Konkurrenz zu den Berger Sprudlern vermeiden und keine ähnliche Brunnenanlage schaffen wollten, wie die Landschaftsarchitekten Ines Wiedemann und Eberhard Schweizer sagten. Neben dem Minikanal ist ein Wasserspielplatz mit Geräten rund um den Wassertransport vorgesehen. Dieses Element verstehen die Planer als Anklang an die einstmalige Berger Mühlen- und Industrielandschaft am Nesenbach.

Die Parklandschaft des Unteren Schlossgartens soll hineinfließen in den Schwanenplatz. Dafür wollen die Planer etliche Autostellplätze opfern – neben einigen Bäumen, die der Planung im Weg stehen. Bei der Gestaltung des Übergangs hält die Jury zwar noch eine gewisse Nachbesserung für geboten. Doch das „starke Konzept“ sei sehr belastbar und anpassungsfähig an Wünsche, meinte Hubert Möhrle. Tatjana Strohmaier, Bezirksvorsteherin im Stuttgarter Osten, ist nachgerade glücklich über den Entwurf. Sie dringt wie die Jury und der Verein Berger Bürger darauf, dass das Konzept komplett umgesetzt wird.

Verein Berger Bürger ist noch nicht wirklich glücklich

Birgit Heinzmann vom Vorstand der Berger Bürger bescheinigte der Jury die richtige Wahl. Sie ließ aber auch keinen Zweifel daran, „dass uns das noch nicht glücklich macht“. Der Entwurf verspreche eine Entspannung der Situation am Schwanenplatz. Der Verein wolle die Entschleunigung des Verkehrs und ergreife dafür „jedes Strohhälmchen“. Eine ganzheitliche Verkehrslösung stelle der Entwurf aber nicht dar. Der Verein wolle nach wie vor eine separierte Zufahrt zu den Mineralbädern Berg und Leuze. Damit ist besonders der frühere Vorschlag wieder aufgerufen, den Fußweg vom Bereich Neckarstraße zum Mineralbad Berg für die Besucherautos zu nutzen. Falls der Verkehr am Schwanenplatz weiterhin zu stark sein sollte, will der Verein zunächst über eine Schranke oder zusätzliche Engstellen reden.

Wann der Entwurf umgesetzt wird, ist noch ungewiss. Der Gemeinderat müsste erst einmal Ende 2017 Geld bewilligen. Wie viel, muss die Detailplanung ergeben. Die Bauausführung müsse aber auch eingepasst werden in einen übergeordneten Zeitplan, sagte Städtebau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold (Grüne). Zunächst wird, beginnend in der letzten September-Woche, das Mineralbad Berg saniert. Ende des Jahres kläre sich, was aus dem angestrebten Gesundheitscampus wird, für den die Stadt soeben eine Fläche ausgeschrieben hatte, sagte Pätzold. Und die Firma GWG wird zwischen dem Gesundheitscampus und den Straßenflächen 95 Wohnungen und eine Kindertagesstätte bauen. Der neue, schönere Schwanenplatz lässt daher auf sich warten.

Modelle und Pläne werden ausgestellt

Alle eingereichten Arbeiten werden vom 19. bis 30. September im ersten Obergeschoss des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung (Eberhardstraße 10) ausgestellt und montags bis freitags zwischen 8.30 und 18 Uhr zu sehen sein. Anschließend ist eine Präsentation in der Berger Kirche geplant.

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