Pläne für Uhlbach Landhaus soll abgerissen werden

Das alte Landhaus an der Luise-Benger-Straße steht nicht unter Denkmalschutz. Foto: Horst Rudel
Das alte Landhaus an der Luise-Benger-Straße steht nicht unter Denkmalschutz. Foto: Horst Rudel

Das alte Fachwerkhaus an der Luise-Benger-Straße 7 soll abgerissen werden. Die Fermo-Massivhaus AG will auf dem Grundstück zwei Mehrfamilienhäuser bauen.

Bad Cannstatt: Maira Schmidt (mai)
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Uhlbach - In der Ortsmitte, rund um die denkmalgeschützte Andreaskirche, lässt sich noch erahnen, wie das beschauliche Uhlbach einmal ausgesehen hat. Die Kirche im Zentrum des kleinen Weindorfs, ringsherum große frei stehende Häuser mit eigenem Brunnen im Vorgarten und dem Weinberg im Rücken.

Eines dieser Häuser, das den Charme der Vergangenheit in die Moderne hinüber gerettet hat, ist das mehr als 100 Jahre alte Landhaus in der Luise-Benger-Straße 7. Ein gutes Stück von der Straße entfernt, steht es auf einem großzügigen Gartengrundstück am Fuß des Götzenbergs.

Jetzt soll es abgerissen und durch zwei moderne Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. Einige Uhlbacher sind entsetzt. „Die sind verrückt. Das gehört unter Denkmalschutz“, äußert sich der Wengerter und Landwirt Horst Ortlieb empört. Und Willi Schraffenberger, der lange Zeit für die Grünen im Obertürkheimer Bezirksbeirat saß, meint: „Dann kann man die ganze Gegend um die Andreaskirche vergessen. Mit diesem I-Punkt ist Uhlbach verhunzt.“

Die Neubauten würden den Blick in die Weinberge versperren. „Dieser Blick in die Landschaft ist das, was Uhlbach ausmacht.“ Schraffenberger will das nicht akzeptieren. „Das gehört öffentlich behandelt.“ Der Uhlbacher hat bereits einen Brief an den Petitionsausschuss des Landtages geschrieben, in dem er um einen Ortstermin und eine Bewertung der Faktenlage bittet.

Die Stadt Stuttgart hat hierzu einen klaren Standpunkt. „Wir wollen verhindern, dass auf der grünen Wiese oder in den Weinbergen gebaut wird“, sagt Stadtsprecher Sven Matis. Innerörtliche Verdichtung laute deshalb die politische Zielsetzung. In Stuttgart gebe es zu wenig Wohnraum, deshalb müsse man die vorhandenen Bauflächen nutzen.

Das Recht ist jedenfalls auf der Seite des Bauträgers, der Fermo-Massivhaus AG. Eine Baugenehmigung wurde erteilt und das Vorhaben entspricht dem für diesen Bereich geltenden Bebauungsplan.

Der Baubeginn ist für Herbst geplant

Zudem ist das alte Landhaus, das vermutlich aus dem Jahr 1884 stammt – zumindest steht diese Zahl über der großen doppelflügeligen Eingangstür – nicht denkmalgeschützt. Laut Stadtsprecher Matis haben die Eigentümer im Jahr 2007 prüfen lassen, ob das Gebäude als Denkmal angesehen werden kann. Das Regierungspräsidium und die untere Denkmalschutzbehörde hätten jedoch damals entschieden, dass es sich um kein Kulturdenkmal handelt.

Bei der Fermo-Massivhaus AG hat man zwar Verständnis für die Ängste der Uhlbacher. Das Grundstück werde in der Fläche um 20 Prozent weniger bebaut, als es vom Baurecht her möglich sei, versichert Firmenvorstand Oliver Böhler. „Wir sind eine Firma, die an guter Bebauung interessiert ist und nicht nur auf die Quadratmeter schaut.“ Der Baubeginn sei für Herbst geplant.

Zwei hintereinander liegende Gebäude mit insgesamt zehn Wohneinheiten sollen auf dem Grundstück an der Luise-Benger-Straße entstehen. Die 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen würden barrierefrei gebaut. Eine Tiefgarage soll für genügend Stellplätze sorgen. Die Neubauten würden nicht wesentlich höher als das jetzige Haus, auf ein Dachgeschoss habe man bewusst verzichtet, sagt der Firmenvorstand. Sein Unternehmen sei sich durchaus darüber bewusst, dass der Ortskern von Uhlbach eine sensible Ecke sei. Deshalb seien die städtischen Auflagen in diesem Bereich auch sehr streng. Ein Jahr lang habe man mit der Verwaltung verhandelt, bis die Pläne endlich standen.

„Wir können es nicht fassen, dass so etwas möglich ist“

Doch bei allem Verständnis, das Böhler für die Sorgen der Uhlbacher zeigt, der Entschluss, die Häuser zu bauen, steht für den Firmenvorstand fest. Das Bauvorhaben sei bereits genehmigt und an dem Projekt würden Arbeitsplätze hängen. Zudem ist Böhler auch ein wenig irritiert über die Aufregung im Weinort, die für den Firmenvorstand etwas spät kommt. „Wenn einer an dem Haus Interesse gehabt hätte, hätte er es doch kaufen können“, meint der Firmenvorstand. Das Haus habe schließlich lange leer gestanden.

Die Bewohnerin, eine ältere Dame, war bereits vor Jahren verstorben, eine Erbengemeinschaft hatte den Besitz übernommen. An die Möglichkeit, dass das alte Fachwerkhaus abgerissen und auf dem Grundstück ein Neubau entstehen könnte, scheinen viele Uhlbacher aber nicht geglaubt zu haben. „Wir können es nicht fassen, dass so etwas möglich ist“, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Doch seit Kurzem haben es die Uhlbacher schwarz auf weiß. Am vergangenen Montag hat die Fermo-Massivhaus AG im Vorgarten des Landhauses ein großes Schild aufstellen lassen. Zwei versetzt zueinander stehende Gebäude sind darauf abgebildet, dreistöckige Flachbauten. Darüber steht der Schriftzug „Seltenes Glück in Uhlbach: exklusive Neubauwohnungen“. Eine Aussage, die einige Uhlbacher so vermutlich nicht unterschreiben würden.




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