Pläne rund um den Flughafen Wie die Städte auf die Filderstudie reagieren

Von Götz Schultheiss 

Der Druck auf die Filderebene ist enorm. Planer schlagen vor, neue Gewerbeansiedlungen rund um den Flughafen zu konzentrieren. Die Politik bringt sich bereits in Stellung. Aber was sagt die Industrie dazu?

Rund um den Flughafen, an den Stuttgart, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen stoßen, könnte in Zukunft ein Gewerbegürtel entstehen. Foto: Horst Rudel
Rund um den Flughafen, an den Stuttgart, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen stoßen, könnte in Zukunft ein Gewerbegürtel entstehen. Foto: Horst Rudel

Filder - Die sogenannte Filderstudie hat überall dort, wo sie vorgestellt wurde, hohe Wellen geschlagen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Autoren des Werks, mit dem der Kommunale Arbeitskreis Filder das Frankfurter Architektur- und Stadtplanungsbüros Albert Speer und Partner beauftragt hatte, gehen davon aus, dass der Siedlungsdruck auf die Filder mit Wohn- und Gewerbebauten weiterhin anhalten wird. Deshalb plagen sich die Autoren erst gar nicht mit der Frage, ob gebaut wird, sondern wo es am besten geschieht. Den Grünen in Stuttgart, Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt, Neuhausen und Ostfildern ist dies ein Dorn im Auge, denn sie fürchten, dass Natur und Felder bebaut werden. Die Filder, sagen sie, soll nicht zum Silicon Valley der Region Stuttgart werden. Die Wirtschaft dagegen hat einen anderen Standpunkt.

Stuttgart hängt anderen Städten hinterher

„Wir haben bisher mindestens zehn Jahre lang ohne qualifizierte Grundlage über die Probleme diskutiert“, sagt Günter Sabow, der Vorsitzende der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV). Die Autoren der Studie hätten Bezug auf Zürich, München und Frankfurt genommen. „Dort gibt es große Entwicklungen rund um die Flughäfen, dort gibt es große Konkurrenz zu Stuttgart.“ Weil in diesen drei Städten die Abstimmungen über Bauvorhaben schon gelaufen seien, drohe Stuttgart zurückzufallen. „Wenn Stuttgart 21 endlich kommt, dann haben wir am Airport eine einmalige Verkehrsdrehscheibe mit allen Verkehrsträgern.“ Die damit verknüpfte Airport City bekomme eine „gewaltige Außen- und Sogwirkung“ Die Studie präsentiere drei Vorgehensweisen, die sich, verkürzt gesagt, wie folgt auf den Punkt bringen ließen: alles lassen wie es ist, kleckern oder Konzentrationen in vernünftigem Maß. Um diese Herausforderung vernünftig zu steuern, sei das nötig, wofür bisher die Erfahrung fehle: „markungsübergreifendes Handeln.“ Dennoch sei sein Eindruck: „Angesichts der Konkurrenz hat man jedenfalls verstanden, dass es eilt.“

Die Zukunft kann nur gemeinsam gestaltet werden

Auch am Flughafen verfolgt man die Entwicklung mit Argusaugen. Der Flughafen selbst, sagt eine Airport-Sprecherin, könne keine Flächen für Gewerbeansiedlung zur Verfügung stellen. Wir machen unsere eigenen Bauten durch Nachverdichtung.“ Angrenzend an die Westkante des Flughafens entstehe das Gewerbegebiet Leinfelden-Echterdingen. „Weil wir ja ein Stadtteil von Leinfelden-Echterdingen sind, sind wir darüber mit Oberbürgermeister Roland Klenk, Baubürgermeisterin Eva Noller und dem Gemeinderat gut im Gespräch.“ Es seien in diesem Prozess durchaus Synergien denkbar, wenn sich dort „flughafenaffines Gewerbe, zum Beispiel Caterer, ansiedeln wollte“, sagt die Airport-Sprecherin. Bei allem Verständnis fürs Gewerbe sehe der Flughafen natürlich auch die Perspektive der anderen: „Schließlich braucht man ja auch Platz zum Wohnen.“ Bei all dem gelte eine Aussage des ehemaligen Flughafen-Geschäftsführers Georg Fundel: „ Der Flughafen ist ein guter Kaufmann. Wir machen nur das, was wir benötigen, nicht mehr.“

Dicht an den Flughafen grenzt das Filet-Stück der Filderstädter Gewerbeansiedlungen: das Filder-Airport-Areal in Bernhausen. In Zürich, München und Frankfurt, sagt Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub, seien die Areale um die Flughäfen viel größer, hier aber grenzten die Kommunen direkt an den Flughafen an. „Eine Gewerbekonzentration rund um den Airport hätte Charme, wenn der Raum nicht so eng wäre.“ Erst einmal werde die Filderstudie am 8. April gemeinsam mit Vertretern des Büros Albert Speer und Partner im Gemeinderat diskutiert. Nach weiteren Präsentationen in den anderen Filderkommunen müsse dann der Kommunale Arbeitskreis Filder zu einer gemeinsamen Haltung kommen. Für Christoph Traub ist klar: Wir müssen interkommunaler planen als bisher.“