Plagiatsaffäre Schavan fordert weitere Gutachten

Abwarten und Tee trinken –   Annette Schavan am Mittwoch im Kabinett. Foto: dpa
Abwarten und Tee trinken – Annette Schavan am Mittwoch im Kabinett. Foto: dpa

Die Bundesbildungsministerin ist nach intensiver Beschäftigung mit ihrer Doktorarbeit überzeugt, „dass meine Dissertation kein Plagiat ist“. Nun fordert sie weitere Gutachten. Schavan spricht von„unbegründeten Plagiatsvorwürfen“ und denkt nicht an Rücktritt.

Berliner Büro: Thomas Maron (tm)
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Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gibt sich siegessicher und glaubt, die Vorwürfe im Zusammenhang mit ihrer 1980 erschienen Doktorarbeit „Person und Gewissen“ zu überstehen. „Ich bin davon überzeugt, dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden“, erklärte Schavan nach der Entscheidung der Universität Düsseldorf, ein Verfahren zum Entzug ihres Doktortitels einzuleiten. In einer schriftlichen Stellungnahme, mit der sie abermals keine Nachfragen zuließ, teilte sie mit: „Die intensive Beschäftigung mit dem Text meiner Dissertation – auch im Zusammenhang mit meiner schriftlichen Stellungnahme“ hätten sie in ihrer Überzeugung bestärkt, „dass meine Dissertation kein Plagiat ist“. Schavan fordert „externe Fachgutachten“. Sie folgt damit der Argumentation kritischer Stimmen aus der Wissenschaft, die zuletzt bemängelten, dass bisher nur ein fachfremder Gutachter das Werk im Auftrag der Universität untersucht hat.

Am Dienstagabend hatte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, erklärt, die Universität werde das Hauptverfahren zum Titelentzug gegen Schavan in die Wege leiten. Zuvor hatte die Promotionskommission einstimmig diesen Schritt empfohlen. Grundlage der Bewertung der Promotionskommission war das Gutachten des Judaistik-Professors Stefan Rohrbacher. In dem Gutachten, das im Oktober dem „Spiegel“ zugespielt worden ist, wird Schavan eine „leitende Täuschungsabsicht“ vorgeworfen.

Schavan äußert sich nicht zur Sache

Die Prüfung im Fakultätsrat werde gleichwohl „ergebnisoffen“ erfolgen, betonte Bleckmann. Zur Sache äußerte sich Bleckmann nicht, auch nicht zu der Frage, ob ein weiteres Gutachten angefordert wird. Der Fakultätsrat will am 5. Februar weiter beraten. Für Schavan und Kanzlerin Angela Merkel droht die Hängepartie damit zur Belastung im Wahlkampf zu werden. Dennoch ist Schavan entschlossen, erneut für den Bundestag zu kandidieren. Ihr Sprecher stellte außerdem klar, dass Schavan gern Ministerin sei und dies im Falle einer erneuten Regierungsbeteiligung der Union nach der nächsten Bundestagswahl auch gerne bleiben würde.

Bisher ist ihre Strategie, sich nur zum Verfahren, nicht aber zur Sache zu äußern. Nachfragen geht sie konsequent aus dem Weg, um nicht in Verdacht zu geraten, sie Nutze ihre Position als Wissenschaftsministerin aus, um Druck auszuüben. Noch ist nicht klar, ob sie diese Zurückhaltung in öffentlichen Wahlkampfveranstaltungen durchhalten kann, wenn sich das Verfahren hinzieht.

Grüne kritisieren Dauer des Verfahrens

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe „volles Vertrauen in ihre Arbeit“. Welche Konsequenzen der Entzug des Titels hätte, sagte er nicht. Schavan habe aber bis zum Ende des Verfahrens als „unschuldig“ zu gelten. Für den Fall, dass der Titel aberkannt wird, forderte die Opposition Schavans Rücktritt. Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Krista Sager, kritisierte aber zugleich die Dauer des Verfahrens. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Prüfung neun Monate andauere und noch immer kein konkreter Zeitplan vorliege, sagte Sager im Deutschlandfunk.

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