Plagiatsfall Sportmediziner Dickhuth verliert Habilitation

Von , Freiburg 

Der Ausschuss der Medizinischen Fakultät an der Uni Freiburg hat entschieden, dem früheren Leiter der Sportmedizinischen Abteilung an der Uniklinik, Hans-Hermann Dickhuth, die Habilitation abzuerkennen. Der 66-Jährige soll seine Habilitationsschrift mit unlauteren Methoden erstellt haben.

Dickhuth – hier ein Foto von 2009 – droht auch der Verlust des Beamtenstatus. Foto:  
Dickhuth – hier ein Foto von 2009 – droht auch der Verlust des Beamtenstatus. Foto:  

Freiburg - Der Habilitationsausschuss der Medizinischen Fakultät an der Uni Freiburg hat entschieden, dem früheren Leiter der Sportmedizinischen Abteilung an der Uniklinik, Hans-Hermann Dickhuth (66) die Habilitation abzuerkennen. Der Sportmediziner hatte – noch als Assistent seines Vorgängers und Vorbilds Joseph Keul – 1983 eine Arbeit vorgelegt, die ihm die Professur ermöglichte. Nach Hinweisen aus der Evaluierungskommission, die seit Jahren die Dopingverstöße an der Freiburger Uniklinik untersucht, leitete das Uni-Rektorat im Februar 2011 ein Verfahren gegen Dickhuth beim Habilitationsausschuss der Medizinischen Fakultät ein.

Eine Kommission untersuchte die Übereinstimmungen in der Habilitationsschrift von Dickhuth und zunächst zwei, später sieben Doktorarbeiten, die allesamt auf Daten aus Ultraschalluntersuchungen resultierten. Dickhuths Habilitationsschrift trug den Titel „Ein und zweidimensionale Echokardiographie zur Beurteilung der physiologischen und pathologischen Herzhypertrophie“. Solche Ultraschalluntersuchungen waren vor 30 Jahren eine neue Methode, um die Leistungsfähigkeit von Herzen zu bewerten.

Viele Übereinstimmungen ohne Quellenangabe

Nach Information aus der Universität moniert der vertrauliche Untersuchungsbericht, der dem Habilitationsausschuss zugeleitet wurde, dass sich 65 von 75 Seiten der Dickhuth-Habilitationsschrift mit Teilen aus sieben Dissertationen decken, die alle unter seiner Betreuung zu Beginn der 80er Jahre geschrieben und eingereicht wurden – darunter auch die seiner Ehefrau. Übereinstimmungen gebe es sowohl bei den Fakten als auch dort, wo die Ergebnisse diskutiert werden. Dutzende von Textseiten, Abbildungen und Ergebnistabellen sollen sowohl bei Dickhuth als auch in den Doktorarbeiten vorkommen – ohne Querverweis und Quellenangabe, ohne Danksagung im Vorwort.

Dickhuth übernahm nach Keuls Tod 2001 die Leitung der sportmedizinischen Abteilung, nachdem er zuvor die Sportmedizin an der Uni Tübingen geleitet hatte. Die Freiburger Sportmedizin war zu dieser Zeit schon tief in die Leistungssteigerung von Spitzensportlern durch Doping verstrickt. Eine Beteiligung oder Mitwisserschaft von Dickhuth ist von der Kleinen Dopingkommission ausgeschlossen worden.

Nach dem Verlust der Habilitation könnte der bereits emeritierte Professor Dickhuth auch nachträglich den Beamtenstatus verlieren. Das vom Rektorat der Uni Freiburg im Mai 2011 parallel zum akademischen Verfahren angestrengte Disziplinarverfahren ist abgeschlossen und der Bericht liegt seit Februar dieses Jahres bei Wissenschaftsministerin Teresia Bauer (Grüne) zur Entscheidung. Die Anwälte von Dickhuth haben angekündigt, die Entscheidung des Habilitationsausschusses mit juristischen Mitteln anzufechten.