Plakat-Botschaften in Böblingen Die Qual des Wahlkampfs

Plakate-Wald am Böblinger Bahnhofs-Vorplatz Foto: jps

Die Botschaften auf den Plakaten zur Landtagswahl reichen von nichtssagend über erwartbar bis empörend. Eine kleine Stilkritik im Wahlkreis Böblingen.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Dass der Countdown zur Landtagswahl am 8. März immer lauter tickt, ist im politischen Getöse des Wahlkampfs nicht zu überhören. Da buddelt eine Grünen-Abgeordnete ein acht Jahre altes Interview des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel aus, in dem dieser 2018 einen in der Tat äußerst blöden Spruch über eine minderjährige Schülerin am Stammtisch fallen lässt. Hagels zotige Anmerkung über die rehbraunen Augen der Schülerin Eva beherrscht die Schlagzeilen.

 

Das Kalkül der Grünen Wahlkampf-Taktiker ist aufgegangen: Die mediale Bombe ist wie gewünscht geplatzt. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Aussage a) acht Jahre her ist und man den Hagel von damals nicht mit dem Hagel von heute gleichsetzen sollte. Und b) ist Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir keineswegs frei von Skandalen in der Vergangenheit. Man nehme seine Bonusmeilen-Affäre im Jahr 2002, nach der er sein Bundestagsmandat niederlegte. Oder seine nach eigenen Worten „versaubeutelte“ Subventionsstreichung beim Agrardiesel, die dem Land im Januar 2024 wochenlange Proteste von Landwirten einbrachte.

Faires Wahlkampf-Manöver?

Bei aller zum Teil berechtigten Kritik an Hagels fragwürdiger Aussage: Es bleibt die Gegenfrage erlaubt, ob es wirklich politisch klug und fair ist, den Gegner im Wahlkampf mit einer acht Jahre alte Zote zu diskreditieren? Zumal man seit drei Legislaturen im Land zusammen koaliert und dies nach der Wahl vermutlich fortsetzen möchte.

Bleibt der Blick in den Wahlkreis Böblingen, in dem derlei Anwürfe unter den Kandidaten nicht zu beobachten sind – dankenswerterweise. Stattdessen herrscht ein tatsächlicher Diskurs um politische Ideen, der zwar kontrovers auf diversen Podien ausgetragen wird, aber stets fair und respektvoll bleibt. Gut so. Große Unterschiede zeigen sich indes in der Art, wie die Kandidatinnen und Kandidaten ihre Plakate gestalten.

Wahlkampf im Böblingen Foto: jps

Hier reicht das Spektrum von relativ eindeutigen politischen Botschaften über nichtssagende Slogans bis hin zu blankem Populismus. Die Partei der Linken fordert etwa erfrischend klar, „Bus und Bahn kostenlos für alle“. Das ist zur Abwechslung zwar mal eine konkrete Forderung. Sie hat aber den Makel, dass sie nie zur Umsetzung kommen wird, weil es keinen tragfähigen Finanzierungs-Vorschlag der Linken gibt.

Halbwegs kreative Werbetexter waren bei der FDP am Werk, die titelt: „Damit Arbeit Zukunft hat und Zukunft Arbeit“ oder „Zurück auf Vorwärts“. Die Regeln der Grammatik werden dabei zwar arg gedehnt und ein konkretes Vorhaben erschließt sich ebenfalls nicht, zumindest aber ist eine Richtung erkennbar. Diese geben auch die Grünen vor, wenn Özdemir in großen Lettern fordert: „Aus reiner Vernunft fürs Klima.“ Die Christdemokraten als bisher zweitgrößte Partei im Land besetzen konservative Themen, wenn Hagel „für jeden Arbeitsplatz kämpfen“ will oder mit „Stadt. Land. Sicher.“ wortspielt.

Von nichtssagend bis polemisch

Völlig nichtssagend gibt sich SPD-Kandidat Florian Wahl, der es vorgezogen hat, eine Plakatkampagne ohne jegliche inhaltliche Aussage zu fahren. Er verspricht nur, „Da für Dich!“ zu sein. Oder behauptet sinnfrei, „Wer Florian Wahl will, muss Florian Wahl wählen“. Dabei hängt sein Einzug ins Landesparlament vielmehr von der Zweit- als von der Erststimme ab – er hat kaum Aussichten auf ein Direktmandat.

Bleiben die Rechtspopulisten von der AfD, die ihre rechte Gesinnung offen zur Schau stellen. Markus Frohnmaier sei „nur auf dem Plakat links“, also klar rechts, hängt an vielen Masten. Regelrecht bedrohlich wirkt sein Grinsen, wenn er titelt: „Illegale fürchten diesen Blick.“ Man muss sich keine Illusionen machen: Die AfD steht am rechten Rand, polemisiert, polarisiert und schürt gezielt Ängste.

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