Plakataktion zur Zwangsprostitution Stadt zieht positive Bilanz

Von red/rmu 

Aufgeregte Eltern, verärgerte Bordellbetreiber, empörte Politiker: Die umstrittene Plakataktion der Stadt Stuttgart zur Zwangsprostitution hat hohe Wellen geschlagen. Die Stadt zieht jetzt trotzdem eine positive Bilanz.

Einige Plakate der umstrittenen Aktion der Stadt wurden übermalt. Dieses steht an der Kreuzung Killesberghöhe. Foto: Jenkner 4 Bilder
Einige Plakate der umstrittenen Aktion der Stadt wurden übermalt. Dieses steht an der Kreuzung Killesberghöhe. Foto: Jenkner

Stuttgart - „Nutten sind Menschen“ und „Die Würde des Menschen ist auch beim Ficken unantastbar“: Die Plakate der Stadt Stuttgart gegen Zwangsprostitution haben auch wegen ihrer drastischen Wortwahl für Aufsehen gesorgt. Vulgär und nicht akzeptabel nannten manche die Texte, Bordellbetreiber kritisierten einige Begriffe als „Gossensprache“. Kurz vor Ende der Aktion – am Montag werden die Plakate abgehängt – zieht die Stadt trotzdem eine positive Bilanz.

Immerhin sei der Sinn der Kampagne eine Diskussion über Zwangs- und Armutsprostitution gewesen, dieses Ziel habe man erreicht, konstatiert Andreas Scharf von der Stadt Stuttgart. Man habe sich dafür auch bewusst der Sprache der Freier bedient. Ob wegen der Plakate weniger Freier Stuttgart besuchten, das könne und wolle man nicht erheben, fügt er hinzu.

Durch das Wort „Nutte“ verunglimpft

Rund 100 Zuschriften seien wegen der 260 Plakate in Aufstellern, 150 an Bauzäunen und anderen Freiflächen und einer weiteren Handvoll auf Großplakatflächen im Rathaus eingegangen, sagt Scharf. Die positiven und negativen Rückmeldungen hätten sich insgesamt die Waage gehalten.

Verständnis zeigt er für die Bedenken einiger Eltern, die die Plakate nicht in der Nähe von Schulen hätten sehen wollen. Diese Orte bewusst auszusparen hält Scharf aber trotzdem nicht für sinnvoll, da Kinder sich in der ganzen Stadt bewegten und so unweigerlich auch andernorts darauf stoßen würden.

Die Prostituierten selbst hätten Scharf zufolge positiv auf die Aktion reagiert. Dies sei bei zwei Veranstaltungen im La Strada deutlich geworden. Endlich habe mal jemand gesagt, wie die Frauen von den Freiern behandelt würden, zitiert er aus Äußerungen, die dort getätigt worden seien. Andere Prostituierte zeigten sich in einem Gespräch mit unserer Zeitung jedoch empört und fühlten sich verunglimpft durch das Wort „Nutte“.

Einige der umstrittenen Plakate sind derweil durch Übermalen verändert worden. So wurde auf einem Aufsteller an der Kreuzung Killesberghöhe aus dem umstrittenen Schriftzug schlicht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – ob eine Aversion gegen den Begriff „Ficken“ oder eine andere Motivation der Grund für die Malaktion war, das könnte wohl nur der oder die Urheber/in klären. Der Grund für eine andere Umgestaltung eines Plakats in S-Riedenberg in „Die Würde des Menschen ist auch beim Kicken unantastbar“ ist indes wohl eindeutig: es mahnt, die Würde der VfB-Fußballer trotz des Abstiegs zu achten.

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