Für den bisher kärglichen Ochsengarten soll mit der geplanten Aufwertung ein neuer Frühling erwachen. Foto: Roberto Bulgrin
Der Gemeinderat Neuhausen beschließt die Aufstellung des Bebauungsplans für das zwei Hektar große Areal. Laut Entwurf soll die Grünfläche optisch und ökologisch aufgewertet werden.
Martin Mezger
20.11.2025 - 10:00 Uhr
Der Neuhausener Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstag einen weiteren Knopf an das Projekt Ochsengarten gemacht. Einstimmig beschlossen wurde die Aufstellung des Bebauungsplans für das knapp zwei Hektar große Areal um den Ochsengarten, das von Kirch-, Letten- und Gartenstraße sowie Schlossplatz begrenzt wird. Allgemeines Lob gab es im Gremium für den Entwurf des Tübinger Stadtplanungs- und Architekturbüros Hähnig und Gemmeke.
Der Entwurf schlägt ein neues Kapitel auf in einer sehr langen Geschichte, die bis zum derzeit nach wie vor gültigen Ortsbauplan von 1926 zurückreicht. Impulse für die Gestaltung bot und bietet sie nicht. Der Ochsengarten schlummert als Grünfläche mit „geringer Aufenthaltsqualität“ und für Ortsunkundige „schlecht wahrnehmbar“ vor sich hin, wie es in der Gemeinderatsvorlage heißt. Bereits 2021 erteilte daher der Gemeinderat der Verwaltung den Auftrag, eine Bebauungsplanung anzustoßen. Ziel ist die Aufwertung des Ochsengartens als grüne Mitte Neuhausens samt der Entwicklung der Randbebauung, derzeit bestehend aus Wohn- und Geschäftshäusern sowie den Kitas St. Elisabeth und Don Bosco.
Boulevard soll „introvertiertes Areal“ öffnen
Grundidee des Entwurfs ist, das bislang „introvertierte“ Ochsengarten-Areal durch die Anlage einer boulevardartigen Nord-Süd-Achse zu öffnen. Sie soll Blickbezüge zum Schlossplatz herstellen und durch Sitzstufen die Aufenthaltsqualität erhöhen. Für die Gebäude der Umgebungsbebauung ist die Möglichkeit der Aufstockung um ein Stockwerk vorgesehen. So sollen „Bestandschutz und das Aufzeigen von Entwicklungspotenzialen“ vereint werden, erläuterte Mathias Hähnig in der Sitzung den Entwurf seines Büros. Zum Bestand gehören nicht nur denkmalgeschützte historische Gebäude am Schlossplatz und in der Kirchstraße, sondern auch Teile des Untergrunds. Sie gelten als „archäologische Verdachtsfläche“, in der Relikte des Mittelalters und der frühen Neuzeit verborgen sein könnten. Bei Erdbauarbeiten, so Hähnig, bestehe dort eine „Hinweispflicht“ auf eventuelle Funde.
Für die Gegenwart soll indes neben der Gebäudeaufstockung die gezielte Ausweisung von Baufenstern Möglichkeiten der innerörtlichen Entwicklung bieten. Entlang der Kirchstraße sollen neue Wohngebäude den Bestand ergänzen. Im Südwesten des Areals ist ein gemischt genutzter Neubau mit Gewerbe und Wohnungen als „markanter Auftakt“ zur neu strukturierten Fläche vorgesehen.
Insgesamt sieht das Bebauungsplankonzept 24,5 Prozent öffentliche Grünfläche auf den zwei Hektar vor. 10,5 Prozent werden als Wohngebiet ausgewiesen, 23,6 Prozent als gemischt zu nutzendes Urbanes Gebiet. Auf die beiden Kitas entfallen 21,7 Prozent, auf private Grundflächen 1,6 Prozent, der Rest auf Fußwege und Verkehrsflächen.
Schaugärten, Wasserspiel und vielleicht ein Café
Der Ochsengarten selbst wird um Schaugärten sowie in seinem nördlichen Teil um ein Wasserspiel und flexibel nutzbare Pavillons ergänzt, die als Treffpunkte gedacht sind und beispielsweise auch ein Café beherbergen können. Neben den bestehenden sollen zusätzlich gepflanzte Bäume die Identität des Ortes unterstreichen, vor allem aber seine ökologische und klimatische Ausgleichswirkung mitten im Ortskern erhöhen.
Überhaupt berücksichtigt die Planung die klimatischen Veränderungen durch höhere Temperaturen und Extremwetterlagen, etwa Starkregenfällen. Gezielt wird deshalb die Grünfläche auch als Sickerfläche für Regenwasser in Funktion gesetzt: In Rückhaltemulden wird die Niederschlagsmenge gesammelt – nicht um stehende Gewässer zu erzeugen, sondern um die Feuchtigkeit in großflächige Versickerungsbereiche zu leiten, erklärt Hähnig. Was einerseits die Kanalisation entlaste. Andererseits die Fläche ökologisch aufwerte. Für die Fuß- und Radwege auf dem Gelände, die teilweise barrierefrei ausgebaut werden, ist deshalb ein wasserdurchlässiger Belag obligatorisch.
Wann geht es los mit der Verschönerung von Neuhausen?
Ökologischen Zielen folgen auch sogenannte Pflanzbindungen und -gebote, die für öffentliche wie private Grünflächen gelten: Zum einen verpflichten sie zur Erhaltung von Baumbeständen, zum anderen zur Begrünung etwa der Fläche über der Ochsengarten-Tiefgarage.
Und wie nimmt das Verfahren seinen weiteren Verlauf? Für das kommende Frühjahr ist die Beteiligung der Öffentlichkeit und der zuständigen Behörden vorgesehen. Im Sommer 2026, so die Gemeindeverwaltung, sei ein Satzungsbeschluss im Gemeinderat möglich, der den Bebauungsplan in Kraft setzt.