Planetarium in Stuttgart Planetarium: Rat lässt alten Standort prüfen

  Foto: Planetarium
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Jetzt gibt es für das Planetarium wohl erst mal keinen Umzug nach Bad Cannstatt: Der Plan einer Kombilösung mit dem Science-Center von Porsche stößt auf Kritik.

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Stuttgart - Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat der Verwaltung vorerst die Genehmigung versagt, über eine Verlagerung des Planetariums vom Schlossgarten an die Cannstatter Mercedesstraße mit der Porsche AG Verhandlungen aufzunehmen; der Konzern prüft bis Frühjahr 2012 den Bau eines „Science Center für Mobilität“ auf dem ehemaligen Straßenbahndepot-Areal. Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hält diese sogenannte Synergielösung zwar für „notwendig, sinnvoll und wirtschaftlich“. Die Stadträte wollen sich allerdings aus inhaltlichen wie aus finanziellen Gründen noch nicht auf diese Variante festlegen.

Vielmehr wollen die Stadträte die Möglichkeit, das Planetarium am alten, dann aber renovierten Standort und mit neuem Konzept fortzuführen, intensiver geprüft haben, obwohl dort während des Baus von Stuttgart 21 mit erheblichen Belästigungen und Einschränkungen des Betriebs durch einen schlechten Zugang zu rechnen wäre. Die für diese Belastungen verantwortliche Deutsche Bahn sei leider nicht schadenersatzpflichtig, bedauerte der Grünen-Stadtrat Michael Kienzle. Es sei versäumt worden, dies zu vereinbaren.

Veraltete Einrichtung

Schon heute stagnierten die Zuschauerzahlen in der veralteten Einrichtung, argumentiert die Verwaltung. Das werde während der Bauphase sicher noch schlimmer. Eine Modernisierung wird auf etwa vier Millionen Euro geschätzt, die Investition in neue Technik und Ausstattung beläuft sich auf fünf Millionen Euro.

Am Freitag, in der dritten Lesung des Haushalts, müssten aber erst einmal 230.000 Euro für dringliche Maßnahmen reserviert werden, um den Betrieb in den nächsten zwei bis drei Jahren aufrechterhalten zu können. Investitionen von zehn Millionen Euro und Zuschüsse von einer Million Euro jährlich ergäben auf zehn Jahre Ausgaben von 20 Millionen Euro. Das Neubauprojekt komme dagegen nur auf 14,5 Millionen Euro (Investitionen), weil es laut Schuster keines nennenswerten Zuschusses bedürfe.

Deutlicher Standortvorteil

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten im Schlossgarten hätte das Haus aber einen deutlichen Standortvorteil gegenüber Bad Cannstatt, hieß es am Dienstag im Technikausschuss. Das Platzangebot sei bei der Kombilösung viel zu gering, schließlich gehe es um ein „Planetarium der Zukunft“. Zudem werden im Ausschuss die von OB-Mitarbeiter Reinhard Schlossnikel präsentierten Zahlen – etwa nur neun Millionen Euro für einen Neubau – für eine Lösung in Bad Cannstatt angezweifelt; sie seien schöngerechnet.

Dass das Planetarium dann kein Zuschussbetrieb mehr sei, hielt der Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold für unrealistisch: „Das Projekt gehört zum Kulturetat. Da arbeitet niemand kostendeckend.“ Mit Porsche sei nun auch zu klären, ob das Unternehmen sein „lebendiges Klassenzimmer“ mit anschaulicher Präsentation von Naturphänomenen vor allem für Kinder und Jugendliche auch ohne das Planetarium in unmittelbarer Nachbarschaft realisieren würde. Ein Junktim zwischen beiden Projekten habe es von Porsche nicht gegeben, so Schlossnikel.

Streit über Synergien

Er stieß am Dienstag auf eine geschlossene Reihe von Bedenkenträgern: die vielfach beschworenen Synergien waren ein Streitpunkt. Allein in der gemeinsamen Nutzung diverser Fachräume liege die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Bad Cannstatt, bemerkte Stadtrat Kienzle. Ob es diese gemeinsame Nutzung geben werde, sei aber noch völlig offen. Die SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind meinte, diese Lösung könne zu Lasten des Planetariums gehen.

Die Einrichtung bräuchte aber dringend die Fachräume; in der Tat besuchen heute nur 135.000 von etwa 235.000 Besuchern die Vorführungen im markanten Kuppelsaal des Planetariums. Als problematisch wird auch angesehen, dass Porsche zuerst einen Architektenwettbewerb starten wolle, dessen Ergebnisse dann jenen für das Planetarium beeinflussen würde. In Anspielung auf die Kostenexplosion im Hamburger Hafen sagte Kienzle: „Wir wollen hier eine Neckar-Philharmonie vermeiden.“ Es seien nicht nur die Baukosten zu betrachten; man müsse sich bei einer Verlagerung auch Gedanken über die Nachnutzung des Planetariums im Schlossgarten machen.

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