Planetarium Stuttgart Die Zukunft liegt in Bad Cannstatt

Von Thomas Borgmann 

Geht es nach Oberbürgermeister Schuster, wird das Planetarium nach Bad Cannstatt verlegt. Dort soll auch das Science-Center entstehen.

Wenn es nach dem Oberbürgermeister geht, dann wird das alte Planetarium im Jahr 2015 in einen Neubau nach Bad Cannstatt umziehen. Foto: Zweygarth 7 Bilder
Wenn es nach dem Oberbürgermeister geht, dann wird das alte Planetarium im Jahr 2015 in einen Neubau nach Bad Cannstatt umziehen. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Für Wolfgang Schuster wäre die Entscheidung eigentlich ganz einfach: „Unser altes Planetarium ist technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Außerdem gerät sein Standort im Mittleren Schlossgarten wegen der Bauarbeiten für Stuttgart 21 mehr und mehr in Bedrängnis. Deshalb spricht alles für einen Neubau im geplanten Wissens- und Mobilitätszentrum in Bad Cannstatt.“ Mit diesem knappen Fazit und einer detaillierten Beschlussvorlage geht der Oberbürgermeister bereits in der kommenden Woche in die gemeinderätlichen Gremien. Bereits am 1. Dezember soll die Vollversammlung die kommunalpolitischen Weichen für die Zukunft des Planetariums stellen.

Vor der Presse hat Wolfgang Schuster am Dienstag die Ausgangslage skizziert: „Der Gemeinderat hat das Bürgermeisteramt im vergangenen Juli aufgefordert, alle denkbaren Varianten zu bedenken und durchzurechnen.“ Dies habe der Projektentwickler Drees & Sommer im Auftrag der Stadt nun getan. Seine Varianten lauten: die Sanierung und Modernisierung des Planetariums am alten Standort würde mehr als neun Millionen Euro kosten, gerechnet auf zehn Jahre – die Zuschüsse zum laufenden Betrieb eingerechnet –, und würde den städtischen Haushalt in den nächsten zehn Jahren mit rund 20 Millionen Euro belasten. Vergleichbar hoch, so Drees & Sommer, läge die Belastung, wenn die Stadt an der Mercedesstraße ein völlig eigenständiges, neues Planetarium errichten ließe.

Die Empfehlung der Gutachter an den Gemeinderat und den OB lautet deshalb: „Das neue Planetarium sollte in das Wissens- und Mobilitätszentrum auf dem Neckarpark integriert werden. Auf diese Weise sind Synergieeffekte zu erwarten, die die Kosten – wiederum auf zehn Jahre gerechnet – auf 13 bis 15 Millionen Euro begrenzen.“ Für Wolfgang Schuster ist die Konsequenz daraus klar: „Die Verlagerung unseres Planetariums nach Bad Cannstatt ist notwendig, sinnvoll und wirtschaftlich.“

"Technisch hinken wir um Jahre hinterher"

Uwe Lemmer, der Leiter des „Sternentheaters“ im Mittleren Schlossgarten, erklärte am Dienstag: „Für uns lautet die zentrale Frage: Wie überleben wir am Rande einer Großbaustelle? Und erleiden wir quasi eine Art von Kollateralschaden?“ Erschwerend komme hinzu, dass der 2001 neu angeschaffte Projektionsapparat zwar nach wie vor auf dem Stand der Technik sei und mit nach Bad Cannstatt umziehen könnte – nicht aber die technischen Einrichtungen darum herum: „Wir arbeiten mit alten Projektoren, für die es keine Ersatzteile mehr gibt – was die digitale Technik von heute betrifft, so hinken wir um Jahre hinterher.“ Investitionen in die veraltete Technik seien nicht sinnvoll.

Wie geht es weiter? Der Oberbürgermeister geht davon aus, dass die Firma Porsche ihre im Sommer gegebene Zusage einhält, sich als Investor und Träger eines Mobilitäts- und Erlebniszentrums an der Mercedesstraße zu engagieren. Deshalb werde Porsche in allernächster Zeit einen Architektenwettbewerb für drei bis fünf Büros ausschreiben; im März werde dieser Wettbewerb entschieden. Für das eigentliche Planetariumsgebäude, so der OB, werde es danach einen gesonderten Planungswettbewerb geben. Ebenfalls im Frühjahr 2012 müsste der Gemeinderat dann einen Grundsatzbeschluss über die Zukunft des Planetariums fassen.

Verläuft von nun an alles nach Plan, könnte noch im Jahr 2012 mit dem Bau des Wissens- und Erlebniszentrums an der Mercedesstraße begonnen werden. Der Baubeginn für das Planetarium könnte 2013 sein. Im Jahr 2015, so schätzt der Oberbürgermeister, könnte beides eröffnet werden. Für den städtischen Doppelhaushalt 2012/13, der am 16. Dezember verabschiedet wird, spielt das Planetarium allerdings noch keine Rolle.

 

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