Der VfB-Kapitän Serdar Tasci hat die Wahl: Vertragsverlängerung – oder ein Vereinswechsel, wofür offensichtlich mehr spricht. Grund dafür ist vor allem die klamme Finanzlage bei den Stuttgartern.

Sport: Thomas Haid (T.H.)

Stuttgart - Noch ist es nicht so weit. Serdar Tasci (25) arbeitet nach wie vor mit keinem Spielervermittler zusammen, aber allem Anschein nach wird sich das bald ändern. Denn in der Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass sich der Kapitän des VfB Stuttgart bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Agenten befindet und dass der Kandidatenkreis inzwischen sehr klein geworden ist. Aber bedeutet das angesichts seiner im Juli getätigten Aussage, dass er beabsichtigt, den Verein im Sommer zu verlassen – oder will er sich vielleicht über sein Vertragsende im Jahr 2014 hinaus an den VfB binden?

Ein Hinweis auf die Antwort sieht so aus, dass der Manager Fredi Bobic zuletzt im Trainingslager in Belek ein paar Weichenstellungen vorgenommen und Fakten geschaffen hat. So wurden in einem Aufwasch die Verträge von Christian Gentner, Tamás Hajnal, Georg Niedermeier, Gotoku Sakai und Benedikt Röcker verlängert. Doch bei Tasci gab es nichts zu verkünden. Bisher habe nicht mal ein Gespräch mit dem VfB stattgefunden, sagt der Innenverteidiger. Sollte das stimmen, wäre es verwunderlich, weil der VfB eigentlich ein gesteigertes Interesse an einer längerfristigen Vereinbarung mit Tasci haben müsste, der sonst nach der nächsten Saison ablösefrei gehen kann.

Tasci wird nicht ohne Not weniger verdienen

Das will die Vereinsführung unbedingt verhindern, zumal 2014 auch die Amtsperiode des Aufsichtsrats ausläuft. Und dessen Chef Dieter Hundt wird alle Anstrengungen unternehmen, um den Mitgliedern dann für das Geschäftsjahr 2013 nicht erneut eine solch unbefriedigende Bilanz präsentieren zu müssen wie jetzt in diesem Sommer für 2012. Das Minus wird voraussichtlich rund zehn Millionen Euro betragen. Das heißt weiter, dass Tasci ohnehin finanzielle Abstriche machen müsste, wenn er seinen Vertrag verlängert. Mit einem Gehalt von drei Millionen Euro gehört er momentan zwar zu den bestbezahlten Abwehrspielern in der Bundesliga, aber weniger verdienen wird er ohne Not wohl kaum wollen. „Ich bin bezüglich meiner Zukunft ganz entspannt und warte die weitere Entwicklung ab“, sagt Tasci.

Er hat alle Trümpfe in der Hand. Naheliegend ist, dass er Alternativen zum VfB prüft – wofür ein Berater hilfreich ist, um speziell auf internationaler Ebene die Kontakte herzustellen. Tasci besitzt eine Ausstiegsklausel, die es ihm nach jeder Saison erlaubt, für eine Ablöse von zwölf Millionen Euro ins Ausland zu wechseln. Deshalb blühten schon in der Vergangenheit die Spekulationen, aber im Endeffekt fand sich dann kein großer europäischer Verein, der so viel Geld gezahlt hätte. Nun hat sich die Ausgangslage jedoch verändert. Wenn der VfB auf den Preis besteht, würde er Gefahr laufen, Tasci ein Jahr später für null Euro zu verlieren.

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich aktuell übrigens bei Zdravko Kuzmanovic (25) ab, den der VfB im August 2009 für acht Millionen Euro verpflichtet hat. Im Juli 2013 kann der Serbe den Club ablösefrei verlassen, nachdem es für ihn zumindest Stand heute keinen Markt gibt. Bei Tasci dürfte das anders sein, vorausgesetzt, seine Leistungen in der Rückrunde entsprechen höheren Ansprüchen – und erst recht, sollte er die Rückkehr in die Nationalelf schaffen. „Das ist mein Ziel“, sagt er.

Zumindest lockere Verbindungen hat er nach England (Tottenham Hotspur) und Italien (Juventus Turin, AC Mailand). Diese Vereine haben ihn in der Vergangenheit schon mehrmals beobachten lassen. Aus diesem Grund benötigt der VfB auch einen Plan B, um auf den Abgang von Tasci vorbereitet zu sein. Ein potenzieller Ersatz wäre Mario Eggimann (31), dessen Vertrag bei Hannover 96 im Sommer endet. Aber das ist Zukunftsmusik. Zunächst einmal konzentriert sich Tasci auf die nächsten Monate, die für seine weitere Karriere richtungsweisend werden dürften.

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