Plattenhardt Die Tennishalle wird zur Hüpfburg

Von Götz Schultheiss 

Wo einst Steffi Graf und Martina Navratilova Traumtennis spielten, stehen vermutlich bald Trampoline. Nur der Gemeinderat muss noch zustimmen. Wir informieren, was die Sprungbude aus der Halle machen will.

Alles hüpft, keiner spielt Tennis: So soll die Zukunft der Halle auf dem Weilerhau aussehen. Foto: Thomas Wagner
Alles hüpft, keiner spielt Tennis: So soll die Zukunft der Halle auf dem Weilerhau aussehen. Foto: Thomas Wagner

Plattenhardt - Aus der ehemaligen Tennis-Grand-Prix-Halle im Plattenhardter Weilerhau soll eine Art Hüpfburg für sportlich Ambitionierte werden. Der Verwaltungsausschuss hat dem Gemeinderat am Montagabend mit großer Mehrheit empfohlen, dem Antrag der Verwaltung über eine neue Nutzung der Halle zu folgen. Danach soll die Halle, in der sich einst Größen des Frauentennis wie Steffi Graf und Martina Navratilova spannende Matches lieferten, zum Paradies der Trampolinspringer werden.

Millioneninvestitionen für Sanierung und Ausstattung

Der Hintergrund: Im August 2016 ist der auf 40 Jahre befristete Erbbaurechtsvertrag mit dem vorherigen Nutzer Dieter Fischer abgelaufen. Die Halle wurde Eigentum der Stadt. Um eine langfristig tragfähige Nutzung für die Halle zu finden, verhandelte die Stadt mit Institutionen, Vereinen und privaten Investoren. Dabei mussten hohe Kosten für die Sanierung berücksichtigt werden. Mit dem neuen Erbbaurechtsnehmer Leisure Investment, der 2,5 Millionen Euro in die Instandsetzung der Halle investieren will und der Sprungbude Filderstadt, einer GmbH, welche die Halle mit Sportgeräten und -anlagen im Wert von rund 2,25 Millionen Euro bestücken will, glaubt die Stadt, nun eine Lösung gefunden zu haben.

Einzugsgebiet bis Ulm

Bei den meisten Räten im Ausschuss fand das Nutzungskonzept der Sprungbude, die schon in Bad Cannstatt einen Trampolinpark betreibt, Anklang. Martin Hesse, Oliver Lechner und der Radballweltmeister von 2010, Matthias König, präsentierten ihnen das Vorhaben, mit dem sie junge Leute hüpfen lassen wollen. Martin Hesse verwies dabei auf die seit Jahren steigende Beliebtheit des olympischen Trampolinsports. Weltweit gebe es 600 Sprungbuden. Wie auch in Bad Cannstatt seien Menschen im Alter von acht bis 30 Jahren, also Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Hauptzielgruppe. Das Einzugsgebiet gehe über die Filder hinaus – bis Tübingen, Reutlingen und Ulm. Mit dem Trampolinpark würden 60 Arbeitsplätze geschaffen.

Mit Hochleistungstrampolinen, die Sportler bei olympischen Spielen benutzen, Parcours, Luftkissen- und Schaumstoffgruben seien Trainingsbedingungen möglich, die den höchsten Ansprüchen von Leistungssportlern gerecht würden. „Mit unserem Angebot schaffen wir Impulse für den Vereinssport“, sagte Martin Hesse. Es solle auch Kurse für den Basisschein Trampolinturnen des Deutschen Turnerbunds geben, mit dem die Sprungbude auch in Bad Cannstatt kooperiert. Auf Anregung von Robert Hertler (Freie Wähler), der die Zustimmung seiner Fraktion ankündigte, versprach Hesse, auch die Zusammenarbeit mit dem TSV Plattenhardt zu prüfen und günstige Angebote für Filderstädter Schüler ins Auge zu fassen.

Grüne wollen Wohnungen statt Sporthalle

„Wir sehen Ihr Konzept als gut an, auch wenn unsere Fraktion nur ein Mitglied hat, das im Zielgruppenalter ist“, sagte Frank Schwemmle (SPD) in Anspielung auf seine Fraktionskollegin Nathalie Schönfeld. Auf Schwemmles Frage, mit wie viel Verkehr durch den Trampolinpark zu rechnen sei, sagte Hesse: „Wir haben 300 Gäste als Höchstzahl. Es steigen immer drei bis vier aus einem Auto aus. Andere, darunter Schulklassen, kommen in Bussen.“

Andrea Jelic signalisierte dagegen das Nein der Grünen-Fraktion: „Für uns hat der Wohnungsbau Vorrang. Dafür sollte das Gelände genutzt werden. Wir haben hier ein großes Grundstück, das wir gestalten können.“

„Wir stimmen dem Konzept zu. Der Ort dafür ist der richtige“, sagte Willy Stoll, der Vorsitzende der Gemeinschaftsfraktion aus CDU und FDP. Für Wohnbau sei das Gelände wegen des möglichen Konflikts zwischen Wohnen und Sport ungeeignet.

Die jungen Tennisspieler müssen im Winter auswärts nach Hallen suchen

„Ich gebe Andrea Jelic recht, dass man Wohnungen bauen muss, auf diesem Gelände halte ich das aber für eine Schnapsidee“, sagte Frank Schwemmle. Er wolle noch nicht einmal von den Kosten eines Abrisses der Halle reden: „Von dort oben am Waldrand braucht man ein Auto, wenn man im Ort einkaufen will. Außerdem wäre das Wohngebiet neben einem Fußballfeld.“ Stefan Hermann, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler sagte: „Ich glaube nicht, dass sich hier sozial verträglicher Wohnraum verwirklichen lässt.“ Oberbürgermeister Christoph Traub stellte klar: „Wir verfolgen das Thema Wohnbau mit Nachdruck, aber wir haben dort für Wohnbau weder Planungs- noch Baurecht.“

Durch die mögliche Zustimmung des Projekts in der nächsten Sitzung des Gemeinderats werden alle Hoffnungen der Tennisabteilung des TSV Plattenhardt verflogen sein, während des Winters für die Jugendlichen Hallenplätze im Ort zu bekommen. „Wir müssen dann auf Musberg, Bonlanden und Denkendorf ausweichen. Das ist eine zusätzliche Belastung für die Eltern, welche die Jugendlichen fahren“, sagt der Tennisabteilungsleiter Tilmann Mauz. Spannend werde es möglicherweise auch im Sommer: „Es wäre schön, wenn es nicht so weit käme, dass unsere Mitglieder wegen des Andrangs im Trampolinpark zu wenig Parkplätze hätten.“