Platznot in der Landesbibliothek Die Erweiterung verzögert sich

Von Claudia Leihenseder 

Die Kapazitäten des Gebäudes der Württembergischen Landesbibliothek sind bald erschöpft. Die Mittel für den Ausbau sind aber noch nicht genehmigt.

 Quelle: Unbekannt
Quelle: Unbekannt

Stuttgart - Die Zeit drängt für die in die Jahre gekommene Württembergische Landesbibliothek. Jahr für Jahr kommen 70 000 bis 90 000 neue Bücher und andere Medien in den Bestand des renommierten Hauses. Auch für die Nutzer herrscht große Platznot, denn gerade einmal 240 Arbeitsplätze stehen zur Verfügung. Abhilfe soll ein Erweiterungsbau schaffen, über den seit 2004 diskutiert wird. Der für Herbst geplante Baustart aber kann nach Informationen der Stuttgarter Zeitung nicht gehalten werden.

„Wir haben nach wie vor sehr hohe Benutzerzahlen“, sagt Hannsjörg Kowark, der Direktor der Landesbibliothek. Die personellen und räumlichen Kapazitäten aber seien begrenzt. Um mehr Arbeitsplätze zu schaffen, mussten seine Mitarbeiter Stühle und Tische regelrecht zusammensuchen und Flächen, die früher für Ausstellungen genutzt wurden, schlicht umfunktionieren. „Die Nutzer erwarten, dass sie hier einen Arbeitsplatz vorfinden“, sagt Kowark.
Davon soll es in Zukunft deutlich mehr geben. Auf dem Gelände der Tiefgarage vor der Landesbibliothek und damit direkt an der Konrad-Adenauer-Straße soll der Erweiterungsbau für 25 Millionen Euro entstehen. Die alte Tiefgarage selbst soll entgegen der ersten Pläne abgerissen und durch eine neue ersetzt werden. Kostenpunkt: weitere zehn Millionen Euro. Das komme, so Kowark, günstiger, als die bestehende Garage statisch für den Erweiterungsbau zu verstärken. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war auch der Umstand, dass die bestehende Tiefgarage mit ihren verschlungenen Ebenen eine gewöhnungsbedürftige Verkehrsführung hat.

So gut wie fest steht auch der Raumplan für den Neubau. Direkt an der Konrad-Adenauer-Straße soll die Cafeteria im Erdgeschoss liegen. Eine große Freitreppe rechts des Gebäudes führt auf die eigentliche Eingangsebene hoch. Dort soll Platz für einen Vortragssaal, Ausstellungsflächen und Rückgabeautomaten nach dem Vorbild der Stadtbibliothek am Mailänder Platz sein. In die nächsten Stockwerke führen eine Rundtreppe sowie zwei Aufzüge zum Lesesaal mit großer Front und Aussicht auf das Neue Schloss. Dort und in den Ebenen darüber wird Platz sein für die insgesamt 500 000 Medien des Freihandmagazins sowie die 250 000 weiteren Bücher und Medien des Präsenzbestands.

Im Oktober diesen Jahres hätte der Baubeginn sein sollen

Als Baubeginn für das Erweiterungsgebäude war lange Zeit Herbst 2012 im Gespräch. Doch daraus wird nichts. Bis Oktober dieses Jahres werden erst die Bauunterlagen und Pläne fertig. Geld sei auch noch keines da, heißt es. Die Zeichen stehen laut Kowarks Stellvertreterin Martina Lüll zwar gut, aber das Land Baden-Württemberg hat bisher noch keine Mittel genehmigt. „Es ist wichtig, dass im Doppelhaushalt 2013/2014 die entsprechenden Gelder eingestellt werden“, sagt Hannsjörg Kowark. Erst dann könne auch mit dem Bau begonnen werden. Mit der Inbetriebnahme rechnet er für Ende 2015.
Aber: „Das macht uns Sorge.“ Schließlich wird Ende 2014 kein einziger Stellplatz für weitere Bücher in der bestehenden Landesbibliothek sowie in den Außenstellen in Fellbach und in der Gaisburger Straße in Stuttgart-Ost mehr übrig sein. Eigentlich müsste also der Erweiterungsbau bereits Anfang 2015 bezugsfertig sein, damit die Bestände umziehen können.

Mit dem Neubau allein ist es unterdessen nach Ansicht der Chefetage der Landesbibliothek keineswegs getan, denn das alte Gebäude aus dem Jahr 1970 muss dringend saniert und umgestaltet werden. „Das Foyer und die bisherige Hauptebene mit der Leihstelle müssen umgenutzt werden“, sagt Kowark. Er strebt eine komplett runderneuerte Landesbibliothek mit einem Gesamtkonzept für alle Gebäude an. Vor allem aber hofft Kowark inständig, dass das Land – nachdem die Stadt ihre Bibliothek verwirklicht hat – nun auch Zeichen setzt: „Der Anbau muss kommen. Sonst ist die Bibliothek nicht zukunftsfähig.“

 

 

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