Berliner «Dumme Rote Karte» Leverkusen beendet Torflaute gegen Union

Von dpa 

Bayer Leverkusen atmet nach dem 2:0 gegen Union Berlin nach drei Spielen ohne Sieg und selbsterzieltes Tor auf. Der Aufsteiger dagegen war chancenlos - und schwächte sich dann wieder einmal selbst.

Torschütze Kevin Volland (M) jubelt mit Nadiem Amiri (l) und Lucas Alario (r) über das 1:0 gegen Union Berlin. Foto: Federico Gambarini Foto: dpa
Torschütze Kevin Volland (M) jubelt mit Nadiem Amiri (l) und Lucas Alario (r) über das 1:0 gegen Union Berlin. Foto: Federico Gambarini

Leverkusen - Sebastian Polters Auftritt in der Interview-Zone war noch kürzer als der auf dem Spielfeld. Ein kurzes Brummeln, ein entschuldigendes Armzucken, dann schlich der Stürmer von Union Berlin nach dem 0:2 (0:2) bei Bayer Leverkusen wortlos und mit gesenktem Kopf davon.

Auf dem Spielfeld war "Polti" noch übermotiviert gewesen. In der 61. Minute war er ins Spiel gekommen, einen einzigen Ballkontakt hatte er, 340 Meter war er nur gelaufen, da war das Spiel für ihn auch schon wieder vorbei. Nach seinem Tritt von hinten in die Achillessehne des Leverkuseners Julian Baumgartlinger hatte Schiedsrichter Robert Hartmann zunächst Gelb gezeigt, dann nach Ansicht der Videobilder aber auf Rot korrigiert. Wofür Union-Coach Urs Fischer vollstes Verständnis hatte.

"Das sind dumme Rote Karten, das musst du besser lösen", sagte der Schweizer: "Ich glaube nicht, dass es Absicht war, sondern ein bisschen Übereifer. Aber damit schwächst du dich selbst. Und das darf in dieser Häufigkeit nicht passieren."

Es war bereits der dritte Platzverweis für Union in den letzten vier Spielen. Zuvor hatte Keven Schlotterbeck beim 1:1 in Augsburg Rot gesehen, dann Neven Subotic beim 1:2 gegen Werder Bremen Gelb-Rot. So wird der Klassenerhalt für den Neuling noch schwieriger als ohnehin schon. "Keine Mannschaft kann es sich leisten, ständig in Unterzahl zu spielen", sagte Mittelfeldspieler Robert Andrich: "Ich weiß nicht, ob das dumm ist oder woran es liegt."

Allerdings am Samstag nicht nur an dem Platzverweis. Schließlich hatte Union da schon 0:2 zurückgelegen durch die Tore von Kevin Volland (20.) und Lucas Alario (25.). Und hatte über 90 Minuten keine wirkliche Torchance. "Das war ein enttäuschender Auftritt von uns", analysierte Fischer: "Das ist schlussendlich nicht ausreichend."

Bayer dagegen arbeitete sich am Samstag aus der Mini-Krise mit der blamablen 1:2-Heimniederlage in der Champions League gegen Lok Moskau als Höhepunkt. Doch das Hauptproblem ist noch nicht gelöst: Die Chancenverwertung. Am Samstag wurden 20 Torschüsse notiert. Gerade in der letzten halben Stunde in Überzahl vergab die Werkself einen höheren Sieg, der nach zuvor 321 Minuten ohne selbst erzielten Pflichtspiel-Treffer als echter Brustlöser hätte dienen können.

"Wir müssen nicht immer den Ball ins Tor tragen", meinte Volland, der bei seinem Treffer nach einem Abpraller dachte, "dass ich ruhig einfach mal ein bisschen Risiko gehen kann". Man sollte, so Volland, dabei auch ein bisschen öfter auf die Zuschauer hören. "Man hört als Spieler immer wieder von der Tribüne 'Schieß! Schieß!'. Vielleicht sollte man wirklich öfter auch mal draufhalten."

Dabei hat Leverkusens Trainer Peter Bosz aber offenbar seine Offensiv-Formation gefunden. Mit dem in den ersten vier Spielen nur eingewechselten Argentinier Alario im Sturmzentrum und dem von dort nach links gerückten Volland klappte es grundsätzlich gut. "Vor der Saison weiß man als Trainer nie genau, wer die elf Stammspieler sind", sagte Bosz und deutete an, dass er an dieser Variante festhalten wird: "Solche Dinge entwickeln sich. Und das hat sich nun eben so entwickelt."