Play-off-Aus von Dirk Nowitzki Superstar grübelt über seine Zukunft

Von Marco Seliger 

Nach dem Aus in den NBA-Play-offs ist die Zukunft von Dirk Nowitzki offen – der Basketball-Superstar der Dallas Mavericks will den idealen Abschied.

Enttäuscht nach dem Play-off-Aus: Dirk Nowitzki. Foto:  
Enttäuscht nach dem Play-off-Aus: Dirk Nowitzki. Foto:  

Dallas/Stuttgart - Wenn ein Großer des Sports aufhört, sucht er den perfekten Abgang. Machmal klappt’s, manchmal nicht – klar ist, dass es nicht bei jedem so ideal hinhaut wie bei Philipp Lahm in der Fußball-Nationalelf. Der damalige Kapitän trat im Juli 2014 nach dem Finale in Rio als Weltmeister zurück – sowas ist er dann wohl, der berühmte und selten erreichte Abschied auf dem Höhepunkt.

Dirk Nowitzki (37) hätte gegen ein ähnliches Szenario sicher nichts einzuwenden. Es ist nur sehr unwahrscheinlich, dass der Basketball-Superstar aus Würzburg auf dem Höhepunkt Servus sagen wird. Die laufende NBA-Saison ist für Nowitzki und seine Dallas Mavericks nach der ersten Play-off-Runde schon vorbei. 104:118 hieß es im fünften Spiel in Oklahoma City Thunder, mit 1:4 verloren die Mavs die Serie. Nun geht der Blick nach vorne – und sowohl der Club als auch der Superstar stehen vor der entscheidenden Frage: Wie geht es jetzt weiter?

Klar ist: Nowitzki könnte die Mavericks per Option verlassen und zum Ende seiner Karriere doch noch einmal eine neue Herausforderung suchen. Aber wagt er tatsächlich diesen Schritt – mit 37 Jahren ? „Als ich für drei Jahre verlängert habe, war es immer mein Plan, den Vertrag zu erfüllen“, sagte Nowitzki: „In der nächsten Saison bin ich 38. Wenn wir weiter im Sommer neue Jungs holen und wettbewerbsfähig sind, werde ich mein Leben lang ein Maverick bleiben.“

Die Mavs-Verantwortlichen machen viele Fehler

Das klingt für den Club zunächst beruhigend. Allerdings ist die Gemengelage trotz aller Treuebekenntnisse ein bisschen komplizierter. Denn dem Superstar ist es nicht entgangen, dass Dallas seit dem Gewinn des Meistertitels 2011 kein Team zusammengekriegt hat, das um den Titel mitspielen kann. „Wir haben die Leute gehen lassen, mit denen wir erfolgreich waren“, sagte Nowitzki, „davon haben wir uns nie erholt.“

Die Verantwortlichen um Clubbesitzer Mark Cuban haben viele Fehler gemacht. Die Transferperioden verliefen regelmäßig enttäuschend, Dallas ist im Westen nur noch Mittelklasse. Will Dirk Nowitzki auf seine alten Tage wirklich nochmal Meister werden, muss er wechseln – Garantien gibt es allerdings nirgends. Dirk Nowitzki steckt in einer Zwickmühle. Seit 1998 lebt er in Dallas, Ehefrau Jessica, Töchterchen Malaika (2) und Sohn Max (1) spielen eine große Rolle, für einen Umzug ist es eigentlich zu spät. Und soll er für einen sportlichen Traum nach fast 20 Jahren zum Karriereende wirklich die Stadt verlassen, die ihm zu Füßen liegt? Es ist eine schwierige Entscheidung.

Auf der Zielgeraden seiner großen Karriere muss Nowitzki viele Enttäuschungen verkraften. Er arbeitet sich zwar weiter in den NBA-Bestenlisten nach vorn, doch den Titel wird er mit den Mavs wohl nicht mehr holen. Vorwerfen kann sich Nowitzki vielleicht, dass er sich wohl zu früh entschieden hat, sein Leben lang ein Maverick zu sein.

Der Coach weiß, was er an Nowitzki hat

Auch die Mavs müssen nun genau überlegen, was sie wollen. Ein Neuaufbau mit dem Würzburger macht keinen Sinn, auch Nowitzki selbst will das nicht. Andererseits kommt es für Dallas nicht infrage, das Gesicht des Vereins, den Superstar schlechthin vom Hof zu jagen, nachdem der sich über Jahre hinweg aufopferte und im Jahr 2011 mit der Meisterschaft zum Erfolg schlechthin führte.

„Wir müssen hoffen, dass das nicht Dirks letztes Spiel für die Mavericks war“, sagte Trainer Rick Carlisle nach dem Play-off-Aus in diesem Jahr: „Er könnte Free Agent werden. Aber ich bin bereit, in ein Flugzeug zu steigen, nach Deutschland zu fliegen und ihn davon zu überzeugen, hier weiterzumachen.“

Carlisle weiß, was er an seinem Kapitän hat. Sein Ältester war auch in dieser Saison der Beste. Im Schnitt machte er 18,3 Punkte in der Hauptrunde, 20,4 waren es in den Play-offs. An Nowitzki lag es wieder mal nicht, dass die Mavericks scheiterten. Im letzten Heimspiel riefen die Fans seinen Namen, als es verloren war.

„Bitte bleib’“, hieß die unmissverständliche Botschaft. Die Sorge auf den Rängen, sie war fast schon greifbar. Bis zum 22. Juni muss sich Dirk Nowitzki nun entscheiden, drei Tage nach seinem 38. Geburtstag verlängert sich der Vertrag bei den Dallas Mavericks automatisch bis 2017. Bleiben oder doch noch woanders hingehen? Das ist die große Frage für Dirk Nowitzki in den nächsten Wochen.