Immer freundlich und nasenlos, aber mit Bollenhut: auch als Playmobil-Figur ist die Schwarzwald-Marie eine Ikone. Foto: Baiersbronn Touristik/Max Günter
In Baiersbronn ist eine große Playmobil-Ausstellung zu sehen, die die Schwarzwald-Marie auf Weltreise schickt. Ein Künstler aus Kiel hat dafür aufwendige Dioramen geschaffen.
Siegesgewiss blickt die Schwarzwald-Marie von den Felsen hinunter in die Tiefen des Grand Canyon. In der Ferne rosten die Überreste einer verlassenen Tankstelle vor sich hin. Doch der Cowboy dort unten im Tal ist ein ganz Süßer. Der Kofferraum seines Jeeps ist voll mit Schwarzwälder Kirschtorte. Da wird er auch ihrem Charme nicht widerstehen können.
Es ist eine der unzähligen Szenen, die Oliver Schaffer in der Eislaufhalle in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) aufgebaut hat. Einst hat der inzwischen 48-Jährige auf dem Boden seines Kieler Kinderzimmers gesessen und seinen Playmobilmännchen im Spiel Leben eingehaucht. Jetzt baut er riesige Playmobil-Dioramen und bestückt als Profi Ausstellungen in aller Welt. Sogar im Westflügel des Pariser Louvre waren Teile seiner Sammlung schon zu sehen.
Der Bürgermeister als Geburtshelfer
5000 der jeweils 7,5 Zentimeter großen Kunststofffiguren mit ihrem nasenlosen Kulleraugengesicht und dem freundlichen Dauerlächeln hat er mitgebracht. Baiersbronn würde mit diesem Einwohnerzuwachs glatt zur großen Kreisstadt aufsteigen. Doch dass Bürgermeister Michael Ruf (CDU) ein ausgesprochener Playmobil-Fan ist, hat natürlich nichts damit zu tun.
„Ich gebe zu, ich liebe das immer noch“, sagt er. Und tatsächlich war er es höchstpersönlich, der die Playmobil-Schwarzwald-Marie entwickelt hat. Eine Dame in originaler Gutacher Tracht als Erkennungszeichen der Region sollte es sein. Die gab es im Sortiment nämlich tatsächlich noch nicht. Gutach war einverstanden, aber dafür musste jedes Detail stimmen. Stundenlang habe er mit seiner Frau Playmobilkataloge gewälzt und im Internet gesurft, sagt Ruf. Mieder, Dreiviertelrock und Puffärmelhemd waren kein Problem. Selbst für die Kirschtorte gab es bei Playmobil schon eine passende Form, die nur umlackiert werden musste – nur den Bollenhut, den gab es nicht.
Und da ist der zuletzt in die Verlustzone geratene Spielwarenhersteller streng. Man könne eine neue Form herstellen. Das lohne sich aber erst bei einer Produktion von 75 000 Stück, die vom Auftraggeber verbindlich abgenommen werden müssten. „Das war schon heikel“, sagt Ruf. Schließlich ist eine Gemeinde kein Spielwarenverkäufer. Nach langem Zögern und mit der Hilfe von Sponsoren wagte man es aber doch – mit sensationellem Erfolg: mittlerweile sind mehr als 300 000 Stück verkauft. Die Schwarzwald-Marie ist nach Martin Luther die meistverkaufte Einzelfigur der 50-jährigen Playmobil-Geschichte.
Playmobilkünstler Oliver Schaffer (links) und Playmobilfan und Bürgermeister Michael Ruf. Foto: Eberhard Wein
In der Eislaufhalle geht sie nun auf Weltreise, was auch einen Onlinetrend aufgreift: denn neuerdings posten Baiersbronner Urlaubsfotos aus aller Welt mit der Playmobil-Marie darauf. In der Ausstellung verschlägt es die Schwarzwald-Ikone von den dunklen Tannen und urigen Schwarzwald-Höfen nun nach Griechenland, an die italienische Amalfi-Küste, zu den Pyramiden in Ägypten und in den Wilden Westen. Auch die Wiener Hofburg, Japan und die Südsee hat Schaffer nachgebaut.
Für die Landschaften greift er auf Styropor und Holz zurück, ansonsten verwendet er nur Playmobil-Teile, aber aus allen Generationen, manchmal neu zusammengestellt und für seine Zwecke umlackiert. Da dürften auch Papa und Opa glänzende Kinderaugen bekommen. Nur mit dem Berliner Diorama ist Schaffer – wie könnte es anders sein? – noch etwas in Verzug. Doch bis zur Eröffnung werde auch das noch fertig, sagt er. Bei Playmobil ist das ein Kinderspiel.
Die Ausstellung läuft bis zum 13. September, Di. bis So. 13 bis 18 Uhr. Eintritt: 5/3 Euro.