Pleite des US-Spielwarenhändlers Toys-R-Us-Beschäftigte bangen um ihre Jobs

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Mit der angekündigten Abwicklung aller 735 Filialen in den USA leitet der Spielwarenhändler sein Ende ein. Nun droht auch den 68 deutschen Läden die Schließung. Die Aussichten für einen Verkauf der europäischen Tochtergesellschaft sind gering.

Eine Playmobilfigur vor einer Berliner Filiale von Toys R Us. Die Europazentrale des US-Konzerns verbreitet  Zuversicht,  doch auch in Deutschland sind Arbeitsplätze bedroht Foto: dpa
Eine Playmobilfigur vor einer Berliner Filiale von Toys R Us. Die Europazentrale des US-Konzerns verbreitet Zuversicht, doch auch in Deutschland sind Arbeitsplätze bedroht Foto: dpa

Stuttgart - Es klingt nach einem emotionalen Abschied: „Dies ist ein zutiefst trauriger Tag für uns, aber auch für die Millionen von Kindern und Familien, an die wir in den letzten 70 Jahren Spielzeug verkaufen durften“, erklärte Dave Brandon, Geschäftsführer des traditionsreichen Spielwarenhändlers Toys-R-Us, am Donnerstag in einer Stellungnahme, in der das Unternehmen die Abwicklung von allen 735 Filialen in den USA ankündigte.

Bereits im vergangenen September hatte Toys-R-Us Gläubigerschutz beantragt. Auf dem Unternehmen lasten Schulden in Höhe von umgerechnet rund vier Milliarden Euro, zudem machen ihm mit Amazon im Netz und mit Walmart im stationären Geschäft zwei übermächtige Konkurrenten zu schaffen. In den vergangenen Monaten gelang es den Verantwortlichen nicht, den Spielwarenhändler durch die Schließung von Filialen und die Neuverhandlung von Mietverträgen wieder auf Kurs zu bringen: „Ich bin sehr unglücklich über das Ergebnis, aber wir haben nicht mehr die finanzielle Unterstützung, um die operative Gesellschaft in Amerika fortzuführen“, so Brandon weiter.

In 68 deutschen Filialen arbeiten 1800 Beschäftigte

Betroffen sind im ersten Schritt rund die Hälfte der etwa 60 000 Mitarbeiter, die der Händler weltweit beschäftigt. Doch auch für den übrigen Teil der Belegschaft sind die Aussichten mehr als trübe. Toys-R-Us wird voraussichtlich auch die Geschäfte in Australien, Frankreich, Polen, Portugal und Spanien abwickeln, für die Läden in Großbritannien ist die Schließung bereits besiegelt. Für die 200 Geschäfte in Kanada werde ein Käufer gesucht, das Gleiche gelte auch für das Asiengeschäft und die etwa 90 Filialen im sogenannten DACH-Gebiet (Deutschland, Österreich, Schweiz). Die Mehrzahl dieser Läden, zuletzt 68 mit 1800 Beschäftigten, betreibt die Europa-Tochter des US-Konzerns in Deutschland.

In einer Stellungnahme weist die Europagesellschaft darauf hin, dass weder die Toys-R-Us-Filialen noch die Onlineshops in der DACH-Region in das amerikanische Insolvenzverfahren involviert seien. „Wir können in Zentraleuropa auf ein sehr solides Geschäftsjahr und eine gute Weihnachtssaison zurückblicken und werden auch weiterhin daran arbeiten, unser Unternehmen voranzutreiben und unseren Kunden sowohl im stationären Handel als auch online ein hervorragendes Einkaufserlebnis zu bieten“, erklärte Detlef Mutterer, Geschäftsführer Toys-R-Us-Zentraleuropa.

In der Belegschaft dürften diese Worte kaum dazu beitragen, die seit Monaten anhaltende Unsicherheit zu zerstreuen. Der Versuch unserer Zeitung, den Filialleiter eines Marktes in Baden-Württemberg zur Stimmung in der Belegschaft zu befragen, scheiterte am Donnerstag mehrfach. „Kein Kommentar“, hieß es, falls überhaupt jemand ans Telefon ging. Aussagen der Arbeitnehmervertretung bestätigten den Eindruck, dass große Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen umgeht: „Die Nachrichten aus den USA verstärken unsere Sorge, dass die Krise der Muttergesellschaft auch Folgen für die deutschen Standorte hat“, sagte Daniela Rogge, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Toys- R-Us-Deutschland, der „Wirtschaftswoche“. Die Mitarbeiter in Deutschland würden jetzt vor allem wissen wollen, wie es weitergeht. Doch bislang gebe es dazu keine konkreten Informationen, so Rogge weiter.

Spielwarenverband erhofft sich schnelle Klarheit über Zukunft

Im Namen von rund 230 Spielwarenherstellern und Mitgliedsunternehmen des Deutscher Verbands der Spielwarenindustrie (DVSI) erhofft sich auch Verbandsgeschäftsführer Ulrich Brobeil eine baldige Information über die Zukunft der deutschen Filialen. „Bis dahin gehen wir davon aus, dass wir eine gesunde DACH-Region haben und dass die Filialen weitergeführt werden – gegebenenfalls unter einem neuen Besitzer“, so Brobeil.

Diese Perspektive sieht Stefan Wolpert, Handelsexperte am Fraunhofer-Institut in Nürnberg, allerdings kaum: „Es werden wahrscheinlich einzelne, gut laufende Filialen verkauft, die Mehrzahl aber wohl geschlossen“, sagt Wolpert. Vor allem die Größe und die Lage der Läden, die sich oft auf der grünen Wiese oder an Ausfallstraßen befinden, seien unattraktiv für potenzielle Interessenten. Als Hauptgrund für den Niedergang von Toys-R-Us bezeichnet der Handelsexperte „die langjährige Vernachlässigung des Online-Geschäfts in Kombination mit den hohen Kosten für die stationären Verkaufsflächen“. Sollten tatsächlich viele Filialen geschlossen werden, könnte das Wolpert zufolge aber auch Chancen für kleine, inhabergeführte Geschäfte bieten, denen er „in der Nische“ durchaus eine Zukunft vorhersagt. Auf der anderen Seite würden künftig aber auch immer mehr Umsätze im Spielwarenmarkt zu den Discountern und großen Lebensmittelmärkten abwandern. Die Zeit der großen Spielwarenfachmärkte sei vorbei.

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