Plieningen „Da ist man ja zu Fuß schneller“

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Ein Hohenheimer Student hatte die Idee, die Stadtbahn von Plieningen zum Flughafen zu verlängern. Politiker und Sachverständige haben dazu geteilte Meinungen.

Matthias Röder bringt die Politik in Aufruhr Foto: Archiv Judith A. Sägesser
Matthias Röder bringt die Politik in Aufruhr Foto: Archiv Judith A. Sägesser

Plieningen - Die Idee eines Hohenheimer Studenten zieht ihre Kreise. Anfang März hatte der 21-jährige Matthias Röder eine E-Mail an Politiker und Verwaltungsmitarbeiter versandt, in der er vorgeschlagen hat, die Stadtbahntrasse von der Plieninger Haltestelle „Garbe“ zur Universität Hohenheim und zum Flughafen zu verlängern (wir berichteten). Seine Argumente: Die Uni wächst und wächst – und führt dennoch ein Schattendasein im Nahverkehr. Zudem liege der Flughafen in Sichtweite zu Plieningen, sei mit den Öffentlichen aber schier unerreichbar.

Rasch regiert hatten damals Roswitha Blind, die Vorsitzende der Gemeinderats-SPD, sowie der Chef der FDP-Landtagsfraktion Hans-Ulrich Rülke. Beide zeigten sich grundsätzlich interessiert an Röders Vorschlag. Nun hat der angehende Wirtschaftswissenschaftler weitere Reaktionen erhalten. So hat sich Hans G. Merkle bei Röder gemeldet. Ein technischer Berater der sich nebenbei mit Themen um Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm beschäftige, wie er schreibt. Er hat Röder seine Handynummer gemailt.

„Ich möchte ihn kennenlernen“

Auch Werner Kastner ist auf die Trassenidee des Studierenden aufmerksam geworden. „Ich möchte ihn kennenlernen“, sagt der Architekt und Vorsitzende des Stadtplanungsforums Stuttgart. „Uns interessieren alle Dinge, die mit Stadt- und Verkehrsplanungen zu tun haben.“ Zusammen mit vier anderen Fachleuten aus der Branche engagiert sich Kastner seit zehn Jahren in dem Forum dafür, dass Bürger mehr in die Stadt- und Verkehrsplanung eingebunden werden.

Kastner erinnert daran, dass früher eine Straßenbahn zwischen Garbe und Uni gependelt ist. Die Trasse aber bis zum Flughafen auszubauen, „darüber habe ich noch nie nachgedacht“, sagt er. Der Gedanke gefällt ihm.

Oberbürgermeister hat eher ablehnend reagiert

Eher ablehnend hat indes der Oberbürgermeister reagiert. Eine Stadtbahnverbindung zwischen Plieningen und Flughafen eigne sich nicht, schreibt Wolfgang Schuster. In den 1990er-Jahren sei eine solche Trasse verworfen worden – „aufgrund der zu geringen Nachfrage, die sich hier ergeben würde“, so Schuster. Die Stuttgarter Straßenbahnen hätte sich stattdessen für eine Verbindung über den Fasanenhof entschieden. Der erste Abschnitt zwischen Möhringen und Fasanenhof sei bekanntlich 2010 eingeweiht worden. „Zum Flughafen kommt man künftig von Plieningen mit der U 3 und der U 6 in etwas über 25 Minuten“, schreibt Schuster zum Abschluss. Was er nicht schreibt: Die Finanzierung dieser Trasse ist noch völlig unklar.

Röder hat Schuster prompt geantwortet. „25 Minuten vom Flughafen mit Umstieg ist nicht attraktiv genug, da ist man ja zu Fuß fast schneller“, schreibt er. Zudem gibt er zu bedenken, dass die bisherigen Studien keineswegs die Gegenwart abbilden, dafür seien sie schlicht zu alt. „Was bedeutet, dass unsere Uni hier noch nicht einmal halb so groß war wie heute“, sagt Röder. Die Hochschule zähle bald 10 000 Studenten und etwa 2000 Mitarbeiter.




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