Plochingen Frank Buß will es noch einmal wissen

Plochinger Schultes Frank Buß Foto: / Ait Atmane

Der gebürtige Plochinger ist seit 30 Jahren Bürgermeister, die meiste Zeit in seiner Heimat. Nächstes Jahr will der Parteilose für eine dritte Amtszeit am Neckarknie erneut kandidieren.

Am Freitag, 29. September bringt es Bürgermeister Frank Buß auf genau 30 Jahre als Bürgermeister, davon verbrachte er etwas mehr als die Hälfte in Plochingen. Erstmals als Rathauschef ins Amt eingesetzt wurde er am 29. September 1993 – an seinem 29. Geburtstag. Das war in Kohlberg im Kreis Esslingen. Gut 14 Jahre blieb er in der Gemeinde, die gerade mal ein Fünftel der Einwohner Plochingens hat und wo der Bürgermeister folglich „bei jedem Kanalbau mittendrin“ ist, wie Buß sagt. Er empfand die Alltagsnähe als durchaus positiv, von den Erfahrungen profitiere er noch heute.

 

Plochingen sei anders: größer, mit einem Gemeinderat, der politisch denkt und folglich weniger am Machbaren orientiert ist als in der Vorgängergemeinde, sagt Buß. Stattdessen seien die Plochinger gerne bei neuen Entwicklungen vornedran. Die Bürgerschaft empfindet er als durchaus „anspruchsvoll“: Sie schaue weniger auf gleich große Städte wie Wernau oder Wendlingen, sondern „eher nach Esslingen oder Kirchheim“.

Ein Kollege hatte ihn 2008 auf die Wahl in Plochingen aufmerksam gemacht

Er hat gewusst, worauf er sich einließ, als er 2008 für die Nachfolge von Eugen Beck kandidierte. Nicht nur weil er selbst gebürtiger Plochinger ist, wo er 1964 im örtlichen Krankenhaus zur Welt gekommen ist. Buß hat auch nach dem Studium der Öffentlichen Verwaltung drei Jahre im Plochinger Hauptamt gearbeitet, bevor er in Kohlberg antrat.

Zum mittlerweile verstorbenen Vorgänger Beck bestand ein „sehr gutes, kollegiales und von Sympathie getragenes Verhältnis“, sagt Buß. Dennoch habe Beck, anders als manche denken, bei seiner Kandidatur in Plochingen nicht die Finger im Spiel gehabt. Ein Kollege im Kreistag, dem Buß für die Freien Wähler angehört, habe ihn auf die Wahl in Plochingen aufmerksam gemacht. „Dann sind die Überlegungen ins Rollen gekommen“, sagt er. Nach reiflicher Überlegung hätten seine Frau und er entschieden, „es zu probieren“.Ob er das nie bereut hat? Da zögert der Bürgermeister dann doch kurz, bevor er antwortet: „Selten.“

Kampf ums Krankenhaus war psychisch belastend für ihn

Von seinen Kollegen dürfte er eher nicht beneidet werden. Denn herausfordernd ist die Stadt am Neckarknie mit ihrem „strukturellen Problem“ allemal: Sie ist das kleinste Unterzentrum im Kreis und hat daher verschiedene Infrastrukturaufgaben, „für die wir eigentlich zu klein sind“, so der Schultes. Als Beispiele nennt er den Omnibusbusbahnhof oder die Brücken, für deren Sanierung die Stadt selbst aufkommen muss. Die Problematik rund um die Sanierung des Gymnasiums ist bekannt. Die „schlimmste Phase“ seines Berufslebens aber sei eine andere gewesen: „Der Kampf ums Krankenhaus war psychisch unheimlich belastend.“ Abgesehen von den speziellen Bedingungen in Plochingen seien alle Kommunen „seit 2015 ununterbrochen im Krisenmodus“ sagt der Rathauschef. Flüchtlingskrise, Corona, Ukraine-Krieg, Klimawandel, Energiewende sind einige Stichworte.

Trotzdem will Buß es noch mal wissen und strebt eine dritte Amtszeit in Plochingen an. Er möchte begonnene Themen, die in der Schwebe sind, etwa das Mobilitätskonzept Move, weiter begleiten und umsetzen. Angesichts der teils verzwickten Problematiken könne er nicht mit sich vereinbaren, „dass ich hier vom Acker schleiche“, sagt er. Zumal er sich in guter körperlicher Verfassung sieht, eine Voraussetzung, um die psychischen Belastungen des Amtes wegzustecken. Der bald 59-Jährige treibt viel Sport, mittlerweile der Hüfte und den Knien zuliebe vor allem auf dem Fahrrad. Davor hat er mehrere Marathons absolviert. Die haben einiges mit dem Berufsleben gemeinsam, findet er. „Man muss sich durchkämpfen.“

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