Plochingen „Individuelles Wachstum ermöglichen“ – Eine Million Euro für Grundschule

An der Grundschule freuen sich Kinder und Erwachsene über den neuen Bambuswald. Foto: bra

Beim Tag der offenen Tür an der Plochinger Burgschule haben Schüler die Ergebnisse ihrer Projekttage präsentiert. Es ist eine von landesweit 540 Startchancen-Schulen.

Von Kunst über Handwerk bis hin zu Backen und Sport reichten die Klassenprojekte. Am vergangenen Donnerstag hatten Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten die Möglichkeit, sich von der Kreativität und dem Talent der rund 300 Grundschüler der Plochinger Burgschule zu überzeugen. „Wir haben ganz viele Sachen angeboten“, freut sich Joana Abele von der erweiterten Schulleitung. Ein besonderes Projekt war die Einrichtung eines Bambuswaldes, der nun eine kleine grüne Oase in dem ansonsten von Beton geprägten Schulhof ist. Vielleicht kommen in den nächsten Wochen noch ein Sonnensegel und ein Außenklassenzimmer hinzu.

 

Die Schule verändert sich – räumlich und pädagogisch. Und weil manche Bildungshäuser einen größeren Veränderungsbedarf als andere haben, hat der Bund das sogenannte Startchancen-Programm ins Leben gerufen. Über einen Zeitraum von zehn Jahren werden die Startchancen-Schulen finanziell unterstützt. Die Plochinger Grundschule ist seit 2024 dabei. Das Land hat insgesamt 540 Startchancen-Schulen ausgewählt. Zu den Kriterien zählen unter anderem der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund und die finanzielle Situation der Elternhäuser.

Eine Million Euro für Plochinger Grundschule

In Plochingen bedeutet die Aufnahme ins Startchancen-Programm, dass der Grundschule eine Million Euro in zehn Jahren zustehen. Ausgegeben werden soll das Geld für Baumaßnahmen, zusätzliches Personal und Kooperationsprojekte, beispielsweise mit Ergo-Therapeuten, Anti-Gewalt-Trainern oder Schulentwicklern. Mit Letzterem hat sich auch die Burgschule Plochingen bereits Gedanken gemacht, wie die Einrichtung in zehn Jahren aussehen soll. Es wurde ein Leitbild erarbeitet, das ein „wertschätzendes Miteinander“, „Neugier und Begeisterung“ und ein „Lernen mit Haltung“ beinhaltet. Auch „Demokratie und Gesellschaft“ sowie „Lebens- und Erfahrungsraum“ sind Teile des neuen Leitbildes.

„Wir haben ganz viele Sachen angeboten.“

Joana Abele, erweiterte Schulleitung

Wichtig ist es den Lehrern, den Schülern ein individuelles Wachstum zu ermöglichen, wie es Abele beschreibt. „Das schafft man nicht mit Frontalunterricht“, sagt sie. Entsprechend müssten die Klassenzimmer neugestaltet werden, beispielsweise nach dem sogenannten Churer Modell. Darin können die Schüler an unterschiedlichen Arbeitsplätzen lernen. Nach einem kurzen Input sollen die Schüler für sich oder in kleinen Gruppen weiterarbeiten. Ein Vorteil dabei sei, dass sich die Lehrer stärker einzelnen Schülern widmen könnten, erklärt die kommissarische Schulleiterin Ute Rolke.

Und weil an der Grundschule in Ganztagsform nicht mehr ausschließlich klassische Schulfächer unterrichtet werden, wurden weitere Räume benötigt. Nach dem das benachbarte Gymnasium die einstigen Fachräume im sogenannten Stelzenbau im Schulhof der Grundschule nicht mehr benötigt hat, wurde in der zweiten Jahreshälfte 2025 mit dem Umbau unter der Begleitung des Stuttgarter Innenarchitekten René Damian Pier begonnen. Zum Jahreswechsel waren die Räume fertig. Sie bieten nun Möglichkeiten für eine Näh-AG, Kinder-Yoga, Resilienz-Training, die Streitschlichter und die Schach-AG.

Bund investiert 20 Milliarden Euro in zehn Jahren

Dass der alte Schultrakt in den kommenden Jahren durch einen Neubau ersetzt wird, ist aus finanziellen Gründen unwahrscheinlich. Dabei lagen die Abrisspläne bereits auf dem Tisch. Der Brandschutz und die Trinkwasserertüchtigung ließen nur noch einen Abriss zu, hieß es 2019. Das Gebäude steht bekanntlich immer noch und wird nun wohl auch noch die kommenden Jahre genutzt werden.

Dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend zufolge ist das Startchancen-Programm das größte und langfristigste Bildungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Deutschlandweit bekommen 4000 Schulen eine solche Unterstützung. Bund und Länder investieren laut Ministerium dafür zusammen rund 20 Milliarden Euro in zehn Jahren. Dabei geht es immer um Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler, was in Plochingen offenbar der Fall ist. Hintergrund: Nationale und internationale Studienergebnisse zeigten, dass in Deutschland der Bildungserfolg immer noch relativ stark von der sozialen Herkunft abhängt. Ein hoher Anteil junger Menschen verlasse die Schule ohne die nötigen Kompetenzen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben, heißt es in der Präsentation des Programms durch das Bundesministerium.

Ausgewählt wurde die Plochinger Burgschule durch das Land Baden-Württemberg – „anhand wissenschaftsgeleiteter Kriterien“, wie es heißt. Neben Grundschulen werden auch weiterführende und berufliche Schulen gefördert.

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