Plochingen Kreis beerdigt Plan vom Gesundheitszentrum

4,5 Millionen Euro will der Landkreis Esslingen in die Hand nehmen, um in dem  ehemaligen Plochinger Klinikgebäude rund  200  neue  Büroarbeitsplätze zu schaffen. Foto: Horst Rudel
4,5 Millionen Euro will der Landkreis Esslingen in die Hand nehmen, um in dem ehemaligen Plochinger Klinikgebäude rund 200 neue Büroarbeitsplätze zu schaffen. Foto: Horst Rudel

Der Landkreis beerdigt seinen Plan, im ehemaligen Plochinger Kreiskrankenhaus ein Gesundheitszentrum einzurichten. Stattdessen entsteht dort eine Außenstelle des Landratsamts.

Esslingen: Thomas Schorradt (adt)

Esslingen/Plochingen - Ein kurzer Sachvortrag, keine Wortmeldung aus dem Kreistagsrund, keine Nachfrage – so schnell ist ein Gesundheitszentrum beerdigt. Einmütig hat der Esslinger Kreistag in seiner Sitzung am Donnerstag die Pläne der Landkreisverwaltung gut geheißen, in dem Gebäude des ehemaligen Kreiskrankenhauses in Plochingen eine Außenstelle des Landratsamts Esslingen einzurichten. Wegen des ungebremsten Personalzuwachses – die Landkreisverwaltung geht in den kommenden beiden Jahren von einem zusätzlichen Bedarf von bis zu 270 Stellen und damit auch Büroarbeitsplätzen aus – droht die erst im Jahr 2008 erweiterte Kreiszentrale im Esslinger Merkelpark schon wieder aus den Nähten zu platzen.

197 zusätzliche Arbeitsplätze vorgesehen

Durch den sofortigen Ausbau des Erdgeschosses und einer teilweisen Nutzung des zweiten Obergeschosses in Plochingen könnten schon bis Mitte des kommenden Jahres rund hundert Arbeitsplätze bereit gestellt werden. Insgesamt geht der Landkreis davon aus, dass auf dem Gelände des im Jahr 2014 endgültig geschlossenen Krankenhauses in Plochingen mittelfristig bis zu 197 Arbeitsplätze neu geschaffen werden könnten. Die 83 Beschäftigten des Gesundheits-und Veterinäramtes mit eingerechnet, die schon in dem ehemaligen Klinikgebäude arbeiten, wären in der künftigen Außenstelle Plochingen des Landratsamts dann rund 280 Arbeitsplätze angesiedelt. „In Plochingen würde dann eine Außenstelle entstehen, die aufgrund der Größe auch wirtschaftlich betrieben werden könnte“, heißt es in der entsprechenden Verwaltungsvorlage.

Die neue Außenstelle in bester Halbhöhenlage über dem Neckartal gibt es nicht zum Nulltarif. Ohne dass bisher eine konkrete Planung vorliegen würde, geht die Landkreisverwaltung von Kosten von rund 4,5 Millionen Euro aus. Der Kreistag hat die im Haushaltsplan und in der mittelfristigen Finanzplanung bisher nicht enthaltene Summe genehmigt.

Bildungseinrichtungen für die Pflegeberufe werden in Nürtingen konzentriert

Verabschiedet hat sich der Landkreis damit von der Konzeption „Gesundheitscampus Plochingen“. Geplant war die Verlegung der bisher in Kirchheim angesiedelten Fort- und Weiterbildungsakademie der Kreiskliniken nach Plochingen. Auch sollten die beiden Krankenpflegeschulen, an denen bisher in Nürtingen und in Ostfildern der Pflegenachwuchs ausgebildet worden ist, in Plochingen gebündelt werden. Der im April vorigen Jahres vollzogene Umzug des Gesundheits- und Veterinäramts war ursprünglich als Vorgriff auf die Konzeption gedacht, die abschnittsweise in den Jahren bis 2017 realisiert werden sollte.

Dem Landkreis spielt bei seiner Entscheidung nun in die Karten, dass die Kreiskliniken dem Plochinger Gesundheitscampus keine Träne nachweinen. Weil sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert haben und die Schülerzahlen in den Pflegeberufen zurückgehen, will sich die Geschäftsführung der Kreiskliniken nun auf den Standort Nürtingen konzentrieren. Dort sollen die Bildungseinrichtungen für die Gesundheits- und Pflegeberufe nun in Kooperation mit den ohnehin in Nürtingen angesiedelten Berufsschulen zusammengeführt werden.

Schon vor Wochenfrist hat der Landkreis bekannt gegeben, dass er sich in ein Gebäude in der Esslinger Röntgenstraße einmietet. In den Räumen im Stadtteil Zell sollen insgesamt rund 120 Beschäftigte des Vermessungsamts und des Abfallwirtschaftsbetriebs unterkommen. Beide Maßnahmen, der Umbau der ehemaligen Klinik in Plochingen und die Anmietung von Räumen in Esslingen-Zell, sind ein erster Ausfluss einer Immobilienstrategie, die derzeit in der Kreiszentrale entwickelt wird. Am 16. Juni will die Verwaltung dem Kreistagsausschuss für Technik und Umwelt vorlegen, wie sie weiterhin mit der vor allem wegen des Flüchtlingszustroms unumgänglichen Zunahme der Mitarbeiterzahlen umzugehen gedenkt.




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