Plochingen Neuanfang im neuen Gotteshaus
Die Evangelisch-methodistische Kirche weiht in Plochingen ihr neues Gemeindezentrum H29 ein und bittet um weitere Spenden. In dem Bau stehen auch sechs Sozialwohnungen für die Stadt zur Verfügung.
Die Evangelisch-methodistische Kirche weiht in Plochingen ihr neues Gemeindezentrum H29 ein und bittet um weitere Spenden. In dem Bau stehen auch sechs Sozialwohnungen für die Stadt zur Verfügung.
Die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde in Plochingen hat ein neues Gemeindezentrum. Das so genannte H29 – der Name kommt von der Lage an der Hermannstraße 29 – wurde am Sonntag mit einem Festgottesdienst von Superintendentin Dorothea Lorenz und mit einem Gemeindefest eingeweiht. „Jetzt ist es eine Kirche geworden“, sagte Lorenz, als drei Helfer zu Beginn des Gottesdienstes die Bibel sowie das Tauf- und Abendmahlsgeschirr auf dem Altar unter dem farbenprächtigen Rundfenster abgestellt hatten. Dieses ist ebenso wie vier weitere Glasfenster von der Künstlerin Ada Isensee gestaltet worden.
Für Pastor Martin Schneidemesser war die Einweihungsfeier der letzte Gottesdienst in Plochingen. Er verabschiedete sich am Nachmittag von seiner Gemeinde. Schneidemesser hat innerhalb der evangelischen Freikirche eine andere Aufgabe übernommen und wird sich künftig um die Verwaltung der Immobilien der Evangelisch-methodistischen Kirche in ganz Süddeutschland kümmern. Seine Nachfolgerin in Plochingen ist Almut Zipf, die bislang Pastorin in Esslingen war. Sie wird am nächsten Sonntag während eines Gottesdienstes im H29 feierlich in ihr neues Amt eingeführt. Am Tag vor der Einweihungsfeier des neuen Gemeindezentrums hatten sich Besucher bei einem Tag der offenen Tür den Neubau schon einmal anschauen können.
Die beiden Stockwerke über dem Gemeindezentrum beherbergen insgesamt neun Wohnungen, von denen drei von der Gemeinde selbst genutzt werden, und sechs Sozialwohnungen, für die die Stadt Plochingen die Belegungsrechte erhalten hat. Im Gegenzug hat die Stadt das 877 große Grundstück direkt neben der Stadthalle der Evangelisch-methodistischen Kirche im Erbbaurecht zur Verfügung gestellt. Unter dem Gemeindezentrum gibt es eine Tiefgarage mit 14 Stellplätzen. Insgesamt hat die Kirchengemeinde 3,3 Millionen Euro in ihr neues Gemeindehaus investiert.
Um das Projekt realisieren zu können, hatten sich die früher eigenständigen Kirchengemeinden von Deizisau, Hochdorf und Plochingen zusammengeschlossen. Die 1,63 Millionen Euro, die der Verkauf der dortigen Grundstücke einbrachte, war die finanzielle Basis für das neue Gemeindezentrum H29. 1,26 Millionen Euro werden über Kredite und ein Darlehen finanziert. Den noch offenen Rest von 390 000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst stemmen, wobei bislang bereits 140 000 Euro an Spenden zusammengekommen sind, 250 000 Euro müssen noch finanziert werden. Als „besondere Herausforderung“ bezeichnete der Architekt Martin Bühler den Wunsch der Gemeinde, das Gebäude multifunktional nutzen zu können und die gewünschte transparente und offene Gestaltung. Das sei an dieser Stelle baulich nicht einfach gewesen, verwies Bühler auf den schmalen Zuschnitt des Grundstücks zwischen der Stadthalle und den Nachbargrundstücken. Für Plochingens Bürgermeister Frank Buß hat sich der Aufwand gelohnt. Er gratulierte der Kirchengemeinde zu „diesem wunderschönen Raum mit toller Atmosphäre“. Dass die Stadt die Belegungsrechte für sechs Wohnungen erhalten hat, ist für Buß ein Ausdruck für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit der Kirchengemeinde mit der bürgerlichen Gemeinde“.
Bei Schneidemesser bedankte sich Buß für dessen großes Engagement in Sachen Ökumene. Ihm sei das christliche Miteinander immer ein großes persönliches Anliegen gewesen. Die evangelische Vikarin Lea Gund sieht in dem neuen Gemeindezentrum einen weiteren Impuls für die Ökumene in Plochingen. Die Entscheidung der Evangelisch-methodistischen Kirche, dort zentral neu zu bauen, sei mutig gewesen.
All diejenigen, die mit dem Zusammenschluss der drei bislang selbstständigen Gemeinden immer hoch hadern, forderte Siegfried Schmid von der Neuapostolischen Gemeinde dazu auf, ihre neue Gemeinde mit Leben zu füllen. „Haltet nicht an Kirchengebäuden fest“, sagte er. Ein neues Gotteshaus beinhalte auch immer einen Neustart.
Allein das Erdgeschoss verfügt über eine Fläche von 370 Quadratmetern
Bauzeit
23 Monate hat es gedauert, bis das neue Gemeindezentrum H29 der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Plochingen eingeweiht werden konnte. Insgesamt hat die Gemeinde direkt neben der Stadthalle an der Hermannstraße 29 fast 3,3 Millionen Euro investiert. Das Gebäude verfügt über eine eigene Tiefgarage und beherbergt im knapp 370 Quadratmeter großen Erdgeschoss das Gemeindezentrum mit dem Kirchenraum und einem Mehrzweckraum nebst zugehöriger Küche. Ebenfalls im Erdgeschoss sind mit dem Pastorat das Pfarrbüro des Kirchenbezirks sowie weitere Gruppenräume und die Toiletten untergebracht.
Wohnraum
Im Stockwerk darüber befinden sich sechs Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Diese Sozialwohnungen werden zwar von der Kirchengemeinde vermietet, doch hat die Stadt Plochingen dafür das Belegungsrecht. Im zweiten Obergeschoss ist bereits die zukünftige Pastorin Almut Zipf eingezogen.