Plochingen Sanierung statt Neubau – Die Energieschleuder Bauhof wird wohnlich

Rundgang durchs Gebäude mit Architekt Wilfried Straka. Foto: aia

Es sollen gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und künftig auch für Mitarbeiterinnen geschaffen werden: Im Bauhofgebäude in Plochingen wurde Richtfest gefeiert.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Nach dem Spatenstich im Herbst hat die Stadt Plochingen jetzt das Richtfest am Büro- und Sozialgebäude ihres Bauhofs gefeiert. Eine Bauhofsanierung ist zwar nicht gerade ein Vorzeigeprojekt, sie spiegelt aber doch grundlegende Ziele der Stadt wider.

 

Ein Ziel des Projekts sei, „gute Bedingungen für die Mitarbeiter zu schaffen“, sagte Bürgermeister Frank Buß beim Richtfest. Dabei geht es einerseits um den neuen Pausenraum, der auch für Schulungen und Ähnliches genutzt werden soll. Er befindet sich künftig im ersten Geschoss des Gebäudes, das in Holzbauweise erneuert wurde und nun eine freundliche Atmosphäre ausstrahlt. Die bisherige Terrasse wurde integriert, wodurch man Platz gewonnen hat, unter anderem für zusätzliche Umkleide- und Sanitärräume. Das schaffe „die Möglichkeit, dass künftig Frauen bei uns beschäftigt werden könnten“, so Buß – sie sind bisher im Bauhofteam nicht vertreten. Angebaut wurde auch ein Betontreppenhaus fürs ganze Gebäude, das die Holzetage aussteift.

Materialknappheit und Lieferschwierigkeiten

Ein anderer Aspekt ist die energetische Verbesserung, denn der Bauhof zählte bisher zu den größten städtischen Energieverbrauchern. Jetzt ist er gedämmt, das obere Geschoss wird mit einer Wärmepumpe beheizt, während im Erdgeschoss vorläufig noch die relativ neue Gasheizung in Betrieb bleibt. Die künftige Photovoltaikanlage auf dem Dach wird auch die Bauhof-Fahrzeuge – derzeit sind es drei – „betanken“. Und dass man „gut im Zeitplan und gut im Kostenplan“ liegt, so Buß, ist schließlich auch Grund zu feiern. Das bleibt hoffentlich so, auch wenn die Baubranche derzeit mit schwieriger werdenden Bedingungen zu kämpfen hat.

Zölle, Kriege und die blockierte Straße von Hormus – aktuell steuere man auf eine Materialknappheit und Lieferschwierigkeiten ähnlich wie in der Coronazeit, zu, sagte Architekt Wilfried Straka im persönlichen Gespräch beim Richtfest. Beim Büro- und Sozialgebäude könnte das vor allem den Innenausbau betreffen, der bis Ende des Jahres fertig sein soll. Gleichzeitig sollen noch im Mai oder Juni die Arbeiten an der „Ostspange“, also den östlichen Lagerhallen und Garagen, starten. Sie bekommen ein Pultdach, wodurch Lagerflächen erweitert und deren Zugang verbessert wird. Diese Arbeiten werden voraussichtlich im Herbst abgeschlossen, obendrauf kommt auch hier eine PV-Anlage.

Westspange wird vorerst nicht saniert

Der angesetzte Kostenrahmen liegt bei rund einer Million Euro fürs Büro- und Sozialgebäude und einer halben Million Euro für die Ostspange. Die Westspange, die den östlichen Hallen gegenüberliegt, ist ebenfalls in die Jahre gekommen. Für ihre Sanierung gibt es bislang keinen Gemeinderatsbeschluss. Angesichts der schwierigen Finanzlage der Stadt ist in naher Zukunft auch keiner zu erwarten. Und „falls sich die Zeiten ändern, ist das auch schnell realisiert“, so Straka. Die Genehmigung habe man auch für diesen Teil schon.

Dass die Stadt saniert, anstatt neu zu bauen, liegt vor allem an der guten Bausubstanz des Grundgeschosses, in das zudem vor nicht allzu langer Zeit investiert wurde. Mit seinem Erhalt wird aber auch ein Stück Geschichte bewahrt, wenngleich unsichtbar: Das Gebäude aus den 1930er-Jahren war einst Schießhaus, dann Vereinsheim des Tennisclubs und Wohnraum.

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