Plochingen Tempomacher auf  der Radautobahn

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Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann hat sich in den Sattel geschwungen, um die Varianten für den künftigen Radschnellweg durchs Neckartal abzuradeln.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Bekleidung. Der Verkehrsminister, Winfried Hermann (Mitte), geht mit gutem Pendler-Beispiel voran. Foto: Michael Steinert
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Bekleidung. Der Verkehrsminister, Winfried Hermann (Mitte), geht mit gutem Pendler-Beispiel voran. Foto: Michael Steinert

Esslingen/Plochingen - Es regnet – und rund 50 Radkilometer später brechen tatsächlich ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken am Neckarknie. „Unser Optimismus hat sich ausgezahlt“, zieht Winfried Hermann, der baden-württembergische Verkehrsminister, eine meteorologische Bilanz. Bis er das auch vom künftigen Radschnellweg Neckartal sagen kann, wird noch viel Zeit den Neckar hinunter fließen.

Nach seiner verkehrspolitischen Radtour entlang möglicher Streckenvarianten aber spürt Hermann immerhin schon ordentlichen Rückenwind für die Pläne, eine schnelle, kreuzungsarme und 20 Kilometer lange Radler-Autobahn für Pendler zwischen Reichenbach und Stuttgart zu bauen. „Die Bürgermeister wollen es, die positive Grundhaltung ist da und wir können es lösen“, fasste Hermann die im Zusammenspiel von Wadenstärke und Hirnschmalz gewonnene Erkenntnis am Samstagnachmittag zusammen.

Rückenwind durch die Rathauschefs

Die Rathauschefs Bernhard Richter (Reichenbach), Frank Buß (Plochingen), Martin Funk (Altbach), Jürgen Zieger (Esslingen) und der für Städtebau und Umwelt zuständige Stuttgarter Bürgermeister Peter Pätzold (Stuttgart) hatten dem radelnden Minister und seinem Tross entlang des Neckars tatsächlich ihre Unterstützung signalisiert. Vier von ihnen nahezu vorbehaltlos, der fünfte, Jürgen Zieger, mit Einschränkungen. Er wolle zwar nicht den Problembären spielen, doch ein zwischen Stadt und Neckar verlaufender sechs Meter breiten Radstreifen sei politisch nicht machbar, sagte der Esslinger Oberbürgermeister unter Hinweis auf seinen Gemeinderat. Da sei noch viel Feinmechanik nötig. „Das Land ist Baulastträger“, erwiderte Hermann – mit anderen Worten: Wir haben das Sagen. Wohl auch in dem Bemühen, sich von lokalen Befindlichkeiten keine Reißnägel auf die einmal als optimal definierten Strecke streuen zu lassen.

Und die, das haben die drei Stunden im Fahrradsattel deutlich gemacht, führt eben, von Deizisau kommend und in einer neu zu bauenden Brücke über den Neckar schwenkend, in großen Teilen rechts des Flusslaufes zwischen der Bebauung und dem Flusslauf gen Stuttgart. Hier sehen die Planer das größte Pendlerpotenzial, zumal entlang des Weges die großen Firmen und auch die Schulen angesiedelt sind. Hier sind aber auch, vor allem im Stadtgebiet von Esslingen und entlang des Daimler-Werksgeländes neckarabwärts, die größten planerischen und technischen Schwierigkeiten zu überwinden.

Trassenverlauf soll im Herbst präsentiert werden

Nach Einschätzung des Ministers ist das den Schweiß der Edlen wert. Bis zu 6000 Radfahrer pro Tag könnten so immerhin die Staus auf der B 10 umgehen – das ist das Versprechen von Paul Fremer, dessen Frankfurter Fachbüro Radverkehr-Konzept die vom Landkreis Esslingen in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie ausgearbeitet hat. „Wir werden den aus unserer Sicht geeignetsten Trassenverlauf noch in diesem Herbst präsentieren“, sagt Thorsten König, der Leiter des Straßenbauamts im Esslinger Landratsamt.

Dass es die Straßenbauer sind, die nicht nur im Esslinger Landratsamt, sondern auch im Stuttgarter Verkehrsministerium und im Regierungspräsidium die Federführung für das Projekt übernommen haben, kommt nicht von ungefähr. Im Bemühen, den mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern dahingleitenden Radlern ein sechs Meter breites Asphaltband auszurollen, sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden.

„Es ist ein hoher Anspruch, einen kreuzungsfreien Radweg mit allen Über- und Unterführungen und Brückenbauwerken durch einen Ballungsraum zu führen“, sagt der Minister. „Wir werden die planerisch einfachen Abschnitte vielleicht schon in zwei Jahren verwirklicht haben. Überall dort, wo wir Planfeststellungsverfahren brauchen, sind vier bis fünf Jahren eher realistisch“, so Hermann. Die ihn unterstützenden Radfahrverbände wollen die Zeit nutzen, um die Werbetrommel für das Projekt zu rühren. „Jetzt geht es darum, die Öffentlichkeit mitzunehmen“, sagt Petra Schulz vom Bündnis „Esslingen aufs Rad“, die einen druckfrischen Flyer zum Neckartal-Radschnellweg gleich dabei hatte.




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