Plochingen „Viele fühlen sich unsicher“ – Schüler demonstrieren gegen Elterntaxis

Schüler demonstrieren gegen Elterntaxis an der Burgschule in Plochingen Foto: Philipp Braitinger

Der von Eltern verursachte Verkehr vor der Plochinger Burgschule ärgert die Grundschüler dermaßen, dass sie diese Woche über mit einer Demo reagieren.

Es sind immer wieder die gleichen Szenen. Am Schulbeginn und zum Schulende werden ansonsten meist ruhige Straßen zu Verkehrsbereichen, an denen von manchen Autofahrern jegliche Regeln missachtet werden.

 

Immer wieder komme es vor der Burgschule in Plochingen zu gefährlichen Situationen, berichten Joana Abele und Ute Rolke von der Schulleitung. „Autos halten in zweiter Reihe, wenden direkt vor dem Schultor oder versperren Gehwege, Zebrastreifen und Übergänge. Viele Schülerinnen und Schüler fühlen sich dadurch unsicher“, erklären sie. Das Ordnungsamt sei zwar zuweilen vor Ort. Eine disziplinierende Wirkung habe dies aber bisher nicht auf die Elterntaxis gehabt. Mit Plakaten und Bannern fordern die Kinder nun mehr Sicherheit. Organisiert und initiiert wurde die Aktion von der Schülerkonferenz selbst, wie die Schulleitung zu Beginn der Woche mitteilte.

Plochingen: Gefährliche Situationen gerade für die jüngeren Kinder

Seit Jahren werde über eine verkehrsberuhigte oder sogar autofreie Zone rund um die Schule diskutiert, klagen Joana Abele und Ute Rolke. Dazu gekommen ist es bisher nicht. „Nun haben die Kinder beschlossen, selbst aktiv zu werden“, so die Schulleitung. Das Ziel sei es, die Sicherheit auf dem Schulweg zu erhöhen. Denn die Elterntaxis verursachen insbesondere für die kleineren Grundschüler, die besonders schlecht zwischen den Autos zu sehen sind, gefährliche Situationen.

Etwa jedes fünfte Grundschulkind (rund 19 Prozent) in Deutschland wird laut einer ADAC-Stiftung-Umfrage von 2025 täglich mit dem Auto zur Schule gebracht. Im Herbst und Winter steigt dieser Anteil auf bis zu 28 Prozent. Im Auftrag der ADAC-Stiftung wurden vergangenes Jahr 1000 Eltern von Kindern im Alter zwischen fünf und 15 Jahren befragt. Besorgnis um die Sicherheit des Kindes auf dem Schulweg ist der Untersuchung zufolge eher selten der Grund für den Transport mit dem sogenannten Elterntaxi. Viel häufiger fahren die Eltern ihre Kinder laut der Umfrage aus praktischen Gründen zur Schule oder holen sie von dort ab. Beispielsweise, weil die Kinder nach der Schule Termine haben (40 Prozent), weil die Schule sowieso auf dem Arbeitsweg liegt (30 Prozent) oder weil sich die Eltern eine Zeitersparnis erhoffen (22 Prozent). 32 Prozent nannten schlechtes Wetter als Grund.

Plochinger Schüler wünschen sich langfristige Lösung

Für die Plochinger Schule sind die Demonstrationen laut einer Mitteilung nicht nur ein Protest, sondern auch Ausdruck gelebter Demokratiebildung. An der Burgschule spiele die Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler eine wichtige Rolle. Jeden Monat werde ein gemeinsames Motto gewählt und in den Klassen besprochen. Anschließend entschieden die Kinder und Jugendlichen selbst, welche Projekte oder Aktionen daraus entstehen sollen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen erleben, dass ihre Meinung zählt und dass sie etwas bewirken können“, so die Schulleitung. Partizipation, Gemeinschaft und selbstständiges Handeln seien im Leitbild der Schule verankert.

Mit ihrer Demonstration richteten sich die Schülerinnen und Schüler sowohl an die Stadt als auch an die Eltern. Ihre Botschaft sei klar: Lasst die Kinder selbstständig zur Schule laufen, gemeinsam müssen wir besonders aufmerksam handeln und die Sicherheit aller im Blick behalten. Gleichzeitig wünschten sich die Kinder langfristige Lösungen für den Bereich rund um die Schule.

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