Wie viele Umzugskartons passen zusammengefaltet auf eine Europalette? Und welches Volumen haben sie, wenn sie aufgeklappt sind? Im Plochinger Gymnasium hätte man sich diese Woche wunderbar praxisnahe Textaufgaben ausdenken können. Nur die Schülerinnen und Schüler dazu fehlten: Sie waren größtenteils im Homeschooling, während die Lehrerinnen und Lehrer sämtliches Material in Umzugskartons verpackten.
Von Montag an ist das Gebäude dicht
Die Plochinger Gymnasiasten waren diese Woche mit umfangreichen Hausaufgaben versorgt oder hatten Fernunterricht. Nur einige waren vor Ort in der Schule, wie die Fünft- und Sechstklässler, die vom aktuellen Umzug nicht betroffen sind. Ebenso wurden die angesetzten Klassenarbeiten planmäßig im Anbau Tannenstraße geschrieben und die Abiturienten legten die Kommunikationsprüfungen in den Fremdsprachen ab. Ansonsten forderte der Umzug alle Kräfte. „So eine Schule zu verpacken und wieder auszupacken“, das sei eine Riesen-Herausforderung, stellte Schulleiter Heiko Schweigert fest. Es galt, den Hauptbau komplett zu räumen, und das mit einigem Zeitdruck, denn er wird „am Montag dichtgemacht“, so der Rektor: Dann riegle ein Bauzaun das Gebäude aus den 60er Jahren ab und mit der Generalsanierung beginne eine anstrengende Zeit, schon allein wegen der längeren Wege.
Gleichzeitig freue man sich sehr auf die neuen beziehungsweise frisch sanierten Räume: den Fachbau und den ehemaligen Kupferbau, jetzt Bau F. Fix und fertig waren sie dieser Tage allerdings noch nicht. Mitten im Umzug wurde gebohrt und die Elektrik fertig installiert, zwischen dem Linoleum im Treppenhaus blitzte der Estrich raus und an den Schließfächern fehlten die Schlösser. „Ich bin gespannt auf Montag“, meinte Schweigert lapidar. Das Kollegium arbeite jedenfalls vorbildlich zusammen; da helfe auch mal der Lateinlehrer die naturwissenschaftliche Sammlung oder das Kunst-Material zu verräumen.
Spezialfirma untersucht einen ausgestopften Auerhahn
Aus den Tiefen der Schränke tauchte auch Kurioses auf. Mit alten Jahrbüchern und vergessenen Fotos kann man rechnen. Aber ein echter menschlicher Schädel, wie er sich in der Biologie fand? Biolehrer Martin Gröschel brachte das ins Grübeln: Um wessen Schädel handelt es sich wohl? Sollte man die sterblichen Überreste würdevoll beerdigen? Oder mit ihnen den Kindern und Jugendlichen einen pietätvollen Umgang vermitteln? Das beschäftigt ihn. Andere Probleme wirft ein ausgestopfter Auerhahn auf, der Gröschels Recherchen zufolge über 100 Jahre alt ist und aus einer bekannten Präparatoren-Werkstatt in Murrhardt stammt. Mit solchen „Stopfpräparaten“ ist man vorsichtig, solange man nicht weiß, welche Substanzen für die Konservierung verwendet wurden. Das wird jetzt von einer Spezialfirma untersucht; eventuell könnte auch ein Museum an dem gut erhaltenen Stück interessiert sein.
Die lebenden Tiere der Biologen, eine Schlange und einige Stabheuschrecken, waren demgegenüber unproblematisch. Nicht zu vergessen sind weitere Lebewesen aus dem Schulhaus: Die Fische, die sich im Becken im Lichthof tummelten und die den Schülerinnen und Schülern ein echtes Herzensanliegen sind, wie sie dem Rektor klar vermittelt haben. Sie sind zum Fischereiverein im Bruckenwasen umgezogen und sollen nach der Sanierung zurückkehren.
Die Flure erinnern an ein Warenlager
Unterricht und Klassenarbeiten, restliche Bauarbeiten, Kartons packen, Abtransport durch eine Fachfirma – all das parallel verursachte schon ein bisschen Chaos. Die Flure des Hauptbaus erinnerten zeitweise an ein angestaubtes Warenlager: Dutzende von Besen auf einem Haufen, Unmengen von Papierkörben, Stapel mit aufgerollten Leinwand-Karten. Papier- und Elektroschrottcontainer füllten sich.
Manches Inventar wird die Schule in Absprache mit der Stadt verkaufen, weil es nicht mehr gebraucht wird oder nicht in die neue Umgebung passt. Die jetzt bezogenen Räume sind hell und sachlich gehalten, mit weiten Fluren, in denen „Lerninseln“ Platz haben. Im Neubau dominiert Sichtbeton wie er auch im Hauptbau erhalten bleibt; ein Farbkonzept und typografische Elemente helfen bei der Orientierung. Die Fachräume haben eine hochwertige, topaktuelle Ausstattung, überall ist die gleiche Medientechnik installiert. Auf digitale Whiteboards hat die Schule allerdings verzichtet, nicht nur aus Kostengründen: Die seien fehleranfällig, wartungsintensiv und somit teuer im Betrieb – da bleibe man lieber „in der Kreidezeit“, zitierte der Rektor einen Spruch, den er schon einige Male zu hören bekam.
So geht es weiter
Verspätung
Bauabschnitt 1 und 2 – der Abbruch des Computertrakts, der Neubau an seiner Stelle sowie die Sanierung des früheren Kupferbaus – sind abgeschlossen. Eigentlich hätten die Gebäude 2020 bezogen und der Hauptbau geräumt werden sollen.
Zeitplan
Der Bauabschnitt für die Sanierung des Hauptbaus ist auf zwei Jahre angesetzt. Danach folgen den Plänen nach noch die Sanierung des Anbaus Tannenstraße, des Unterstufenbaus und der kleinen Turnhalle. Ende der Bauzeit wäre demnach 2027.
Kostensteigerungen
Bei den jüngsten Vergaben für den Hauptbau musste der Gemeinderat deutlich höhere Kosten als ursprünglich geplant akzeptieren. Die Puffer sind nun ausgeschöpft. Weitere Kostensteigerungen erfordern eine neue Kalkulation.