Der ehemalige VfB-Stürmer Cacau zu Gast beim „PubCannstatt“ unserer MeinVfB-Redaktion. Foto: Baumann/Alexander Keppler
Cacau freut sich auf das Pokalfinale mit dem VfB Stuttgart. Beim „PubCannstatt“ unserer MeinVfB-Redaktion verbreitet er Zuversicht, erinnert sich aber auch an einen bitteren Moment.
Mittlerweile kann er ganz locker drüber reden – und den Gesprächspartnern sogar selbst das Stichwort liefern. „Gegen einen Ex-Verein“, sagte also Cacau am Montagabend in der „Alten Schule“ in Stuttgart-Gablenberg, „ist man immer besonders motiviert.“ Dann lächelte er, schaute in die Runde – und ergänzte: „Ich bin ja selbst das beste Beispiel.“ Was er meinte, hat mit dem Pokalfinale 2007 zu tun.
Der Ball wird dann natürlich auch noch aufgenommen beim „PubCannstatt“, dem Live-Podcast unserer MeinVfB-Redaktion. Und so erzählt Cacau, der einstige Stürmerstar des VfB Stuttgart, wie es ihm damals ergangen ist. 2007. In Berlin. In diesem für ihn so verhängnisvollen Endspiel.
Der VfB war als frisch gebackener Meister in das Olympiastadion eingelaufen, hatte die historische Chance auf das Double. „Wir waren gut drauf, wollten das Double unbedingt gewinnen“, erinnerte sich Cacau – der selbst eben doppelt motiviert war. Denn beim Gegner, dem 1. FC Nürnberg, hatte er wenige Jahre zuvor ja selbst gespielt. Doch genau das wurde ihm dann zum Verhängnis.
„Die kannten mich ja...“, sagte Cacau – und wollte damit sagen: Seine früheren Mitspieler wussten ganz genau, wie sie die Emotionen des gebürtigen Brasilianers hochkochen lassen können. Also wurde er mit Nickligkeiten getriezt, gefoult und provoziert. Am Ende mit Erfolg aus Sicht der Franken. Denn nachdem Cacau das 1:0 erzielt hatte, ließ er sich zu einer Aktion hinreißen, die der Schiedsrichter als Tätlichkeit wertete. Cacau musste nach gut einer halben Stunde vom Platz.
Rot im Pokalfinale 2007 – ein bitterer Moment in der Karriere von Cacau (2. v. re.). Foto: baumann
„Ich habe auf der Tribüne geweint“, gab er am Montagabend zu. Weil er wusste: Daran, dass der VfB am Ende 2:3 nach Verlängerung verlor, hatte auch er seinen Anteil: „Ich suche nicht nach Entschuldigungen, ich habe der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen.“ Aber auch fürs Leben gelernt.
Denn Cacau musste erfahren: Die Zuneigung, die man ihm spätestens nach der gewonnen Meisterschaft entgegengebracht hatte, kann ganz schnell umschlagen. Vor allem im Internet wurde er dann zum Sündenbock abgestempelt. „Und zwar“, erinnerte sich Cacau, „von teils genau den Menschen, die mit zuvor noch gefeiert hatten.“ Seitdem wusste er das Leben als Profifußballer besser einzuordnen. „Wenn es gut läuft, bist du nicht automatisch der Beste“, sagte er nun, „aber du bist auch nicht gleich der Sündenbock, wenn es mal nicht läuft.“ Cacau hatte seine Mitte gefunden.
Das gilt heute mehr denn je. „Seit ich zurück bin beim VfB, läuft es wieder“, sagte er am Montagabend im Kult-Pub in Gablenberg mit einem Schmunzeln. Als Markenbotschafter hat er seit einiger Zeit unter anderem die Aufgabe, die Legenden des VfB wieder näher an den Verein zu holen. Er selbst, erzählte er, sei vor einigen Jahren noch darauf angewiesen gewesen, dass ihm Freunde Karten für VfB-Heimspiele besorgen. Nun hat der Club unter der Regie des Ex-Nationalspielers den „Legendenplatz“ auf der Tribüne und im Businessbereich eingerichtet. Die ehemaligen Stars kommen nun wieder oft und gerne zum VfB.
Auch nach Berlin, wo die Stuttgarter am Samstag (20 Uhr) zum siebten Mal im Finale um den DFB-Pokal spielen. Dass der VfB generell wieder in die Erfolgsspur gefunden hat, macht auch den ehemaligen Stürmer glücklich. „Mit Tränen in den Augen“ habe er zum Beispiel die Auswärtsspiele in der Champions League verfolgt – so viele Jahre, nachdem er selbst mit dem VfB in der Königsklasse gespielt hat. Was ihm auch viel bedeutet: Dass er diese positiven Erlebnisse heute mit seinen Kindern teilen kann. „Die“, versichert er, „sind totale VfB-Fans.“
Cacau tippt 3:1 für den VfB Stuttgart
Im Idealfalls darf die Familie am Samstagabend einen Pokalsieg feiern, den ersten seit 1997. Cacau ist zuversichtlich, warnt am Abend aber auch immer wieder davor, Arminia Bielefeld zu unterschätzen. Das Wort „Demut“ fällt oft – allerdings muss Cacau sich und seinen Optimismus auch selbst immer wieder zügeln. Auf ein 2:1 tippt er daher zunächst – korrigiert sich dann aber: „Da müssten wir zu sehr zittern. Ich sage: 3:1.“
Nach zwei verlorenen Endspielen als Spieler (2007 und 2013 gegen den FC Bayern) hätte Cacau dann endgültig seinen Frieden mit dem Pokalfinale in Berlin gemacht.
Der komplette Live-Podcast mit Cacau erscheint am Dienstagnachmittag auf den üblichen Kanälen und hier.