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InterviewPodcast zum Weihnachtsoratorium Barock@home für die jüngere Hörerschaft

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium ist für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil der Feiertage. Wie schön, dass die Internationale Bachakademie Stuttgart in Zeiten der Pandemie dieses wunderbare Werk als Podcast zur Verfügung stellt – mit der Gaechinger Cantorey unter Leitung von Hans-Christoph Rademann.

Katrin Zagrosek, Internationale Bachakademie Stuttgart Foto: Helge Krückeberg
Katrin Zagrosek, Internationale Bachakademie Stuttgart Foto: Helge Krückeberg

Die Internationale Bachakademie Stuttgart greift in ihrer Audio- und Video-Podcast-Reihe „Barock@home“ passend zur Jahreszeit Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf. Katrin Zagrosek, die geschäftsführende Intendantin, freut sich über die positive Resonanz auf das Veranstaltungsformat und über ein musikalisches Meisterwerk, das seit Jahrhunderten die Menschen berührt.

Wie oft hat das Weihnachtsoratorium Sie schon durch die Weihnachtszeit begleitet?

Unzählige Male – das Werk ist unübertroffen, wenn es um weihnachtliche Einstimmung und Vorfreude auf das Fest geht. Ich höre in der Adventszeit allerdings auch gerne Musik ohne Pauken und Trompeten. Mich berührt der pure Vokalklang in der Chormusik der Romantik oder auch in der Musik des Frühbarocks wie beispielsweise von Schütz, Schein oder Praetorius. Sie haben alle wunderbare Musik zum Advent für Chöre komponiert.

Warum werden Sie es in diesem Jahr vielleicht anders hören als sonst?

Nach einem ungeheuer bewegten und kräftezehrenden Jahr versuche ich in diesem Dezember das „advenire“ als einen leitenden Gedanken der Weihnachtszeit zu nehmen. Im Verständnis des Begriffs als „ankommen“ oder „eine Ankunft vorbereiten“ versuche ich, insgesamt Ruhe einkehren zu lassen und einen Fokus auf das Wichtigste zu legen. Das trifft auch auf das Musikhören zu. In diesen Tagen läuft Musik bei mir nicht, um die Vorfreude zu wecken und die Stimmung zu heben, siehe oben, sondern eher zur inneren Einkehr. Unser Leben hängt schluss­endlich an einem seidenen Faden, das ist wohl vielen Menschen in diesem Jahr bewusstgeworden. Meine Gedanken kreisen zurzeit beim Hören von Musik ganz stark um dieses memento mori. Es sind einfach viele Menschen in meinem Umfeld in den vergangenen Monaten gestorben, es ist klar, dass einen das beschäftigt. Gleichzeitig schafft es große Musik auch, den Blick auf das große Ganze zu lenken. Die Vorstellung, dass eine Komposition seit mehr als 300 Jahren existiert und so vieles überdauert hat, von verschiedensten Menschen in verschiedensten Kontexten gehört wurde, kann uns moralisch aufrichten. Ganz sicher aber wird mir momentan jedes Mal, wenn ich Musik höre, bewusst, wie sehr das Live-Erlebnis fehlt.

Erinnern Sie sich noch daran, wann und wo Ihnen das Weihnachtsoratorium zum ersten Mal begegnet ist?

Einen Teil meiner Kindheit habe ich in Wien verbracht. Dort habe ich es um 1983/84 im Stephansdom zum ersten Mal gehört. Auch wenn ich heute schlankere Interpretationen bevorzuge, so hat mich damals die groß be­setzte, klanggewaltige Aufführung mit ihren donnernden Pauken ziemlich gepackt.

Nun gibt es Hans-Christoph Rademanns Einspielung des Weihnachtsoratoriums mit der Gaechinger Cantorey als Podcast. Welche Idee steht dahinter?

Die Bachakademie hat sich neben der musikalischen Aufführung schon immer für die Musikvermittlung und das Gespräch über Musik starkgemacht. Das führen wir fort – etwa in unserem sehr beliebten Konzertformat „Hin und weg!“. Der Podcast eröffnet uns die Möglichkeit, auch in pandemischen Zeiten das Prinzip „Sprechen wir über Musik“ weiterzuentwickeln. Es ist faszinierend, zu entdecken, wie die Musik „gemacht“ ist, wie der Komponist bestimmte Wirkungen entfaltet, welche Aussagen sich im Werk verbergen oder verbergen könnten. Im Video-Podcast übersetzen wir das Gespräch zwischen Hans-Christoph Rademann und Henning Bey ins Englische und können so auch unser internationales Publikum erreichen. Wir erhalten sehr viel Zuspruch und erstklassige Rezensionen für dieses Format. Schließlich haben wir 2020 so gut wie sämtliche Gastspiele, darunter eine große US-Tour, absagen müssen. Die Menschen sind dankbar dafür, wenigstens virtuell in Kontakt zu treten. Besonders freuen wir uns darüber, dass es uns auf diesem Wege gelingt, eine jüngere Hörerschaft anzusprechen. Etwa 60 Prozent der Podcast-Hörer sind zwischen 30 und 60 Jahre alt. Wir hoffen, dass auch sie in den Konzertsaal kommen, wenn das Kulturerlebnis live wieder möglich ist.

Was bedeutet Ihnen das Weihnachtsfest gerade in diesem Jahr?

Weihnachten bedeutet für mich, Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen: gemeinsam kochen, ausgedehnte Spaziergänge, einander zuhören, Ausgelassenheit. In diesem Jahr empfinde ich vor allem Dankbarkeit dafür, dass alle gesund geblieben sind, und werde sehr glücklich sein, wenn wir ab dem 24. schlussendlich im engsten Kreis versammelt sind. Geschenke und tolles Essen rücken da ziemlich in den Hintergrund.

Bachs Weihnachtsoratorium – Barock@home (Audio- und Video-Podcast): bachakademie.de