Podiumsdiskussion von Veranstaltern Die Wagenhallen werden gebraucht

Wagenhallen-Macher Thorsten Gutbrod (2. v. li.) auf dem Podium. In der Bildergalerie rollen wir die Geschichte der Wagenhallen auf. Foto: Lichtgut/Kovalenko 14 Bilder
Wagenhallen-Macher Thorsten Gutbrod (2. v. li.) auf dem Podium. In der Bildergalerie rollen wir die Geschichte der Wagenhallen auf. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Stuttgarter Kulturschaffende wollen die Wagenhallen erhalten, wie sie sind. „Wir brauchen eine solch suburbane Spielstätte“, sagt etwa Caroline Lazarou von der Bachakademie.

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)

Stuttgart - In einem waren sich die Teilnehmer einer Pressekonferenz zur Zukunft der Wagenhallen einig: Die Spielstätte ist erhaltenswert, allerdings nur in der Doppelnutzung durch Kulturbetrieb und Kunstverein Wagenhallen. Zahlreiche Kulturschaffende erklärten aus ihrer Perspektive die Bedeutung der Wagenhallen für die Stadt Stuttgart.

Paul Woog vom Konzertveranstalter Russ sprach von einem „Armutszeugnis für die Stadt, nicht genügend Veranstaltungsorte für spannende Popkonzerte unterschiedlicher Größe zu haben“. Matthias Mettmann, mit dem „Im Wizemann“ bald selbst Betreiber einer Konzerthalle, als Konzertveranstalter aber auf die Wagenhallen angewiesen, erklärte, die Situation sei für Veranstalter noch nie so schwierig gewesen. „Selbst wenn wir mit unserer Halle an den Start gehen, brauchen wir die Wagenhallen, weil sie nochmals größer sind.“

Kulturbetrieb und Kunstverein: unterschiedliche Ziele

Caroline Lazarou von der Bachakademie betonte, wie wichtig die Wagenhallen auch als Veranstaltungsort für klassische Konzerte seien. „In den Wagenhallen erreichen wir eine ganz andere Zielgruppe. Wir brauchen eine solch suburbane Spielstätte.“ Monika Kebieche-Loreth, freie Choreografin, stellte den Vorwurf in Frage, der Kulturbetrieb veranstalte zu viele kommerzielle Firmenfeiern. „Als Künstlerin profitiere ich doch von Kontakten in die Wirtschaft, die ich dank der Wagenhallen-Veranstaltungen knüpfen konnte.“

Stefan Mellmann, der den Kulturbetrieb gemeinsam mit Thorsten Gutbrod führt, wollte die Auseinandersetzung mit den Künstlern am Mittwoch nicht noch einmal thematisieren, sondern appellierte an eine gemeinsame Zukunft. Auch Robin Bischoff, der Vorstand des Kunstvereins, wollte von einem grundlegenden Streit nichts wissen. Die Ziele von Kulturbetrieb und Kunstverein seien aber immer noch unterschiedlich: „Uns wäre es lieber, wenn an anderer Stelle eine große Halle gebaut werden würde. Es gefällt uns allen so kuschelig wie bisher am besten.“

Grundsatzentscheidung bis zum Sommer

Bei Jürgen Sauer, dem kulturpolitischen Sprecher der CDU-Gemeinderatsfraktion, kommen solche Worte nicht gut an. „Beide Seiten müssen an einem Strang ziehen, sonst stehen am Ende alle mit leeren Händen da.“ Neben Sauer waren auch Andreas Winter von den Grünen sowie Hannes Rockenbauch (SÖS) und Laura Halding-Hoppenheit (Die Linke) Zuhörer der Pressekonferenz. Sauer rechnet mit einer Grundsatzentscheidung zu den Wagenhallen bis zum Sommer. Nachdem der Gemeinderat ursprünglich 5,5 Millionen Euro für die Sanierung bereitgestellt hatte, gehen Experten jetzt von bis zu 30 Millionen Euro Kosten aus.




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