Pofalla kommt nach Rastatt Bahn-Vorstand besucht Ort des Debakels

Von  

Es ist ein Supergau für die Bahn, doch vom Vorstand Ronald Pofalla ist nach der Havarie im Rheintal nichts zu sehen. Nun wird er doch zu einem Besuch in Rastatt erwartet – aber erst nach der Bundestagswahl.

Seit Wochen Folge der Havarie: Bahnreisende beim Umsteigen in Busse Foto: Benedikt Spether
Seit Wochen Folge der Havarie: Bahnreisende beim Umsteigen in Busse Foto: Benedikt Spether

Stuttgart - Wo steckt eigentlich Ronald Pofalla? Warum ist von dem für Infrastruktur zuständigen Bahn-Vorstand in der Krise nichts zu hören und zu sehen? Seit dem Schienendebakel vom 12. August im Rheintal wird das immer öfter gefragt. Doch die Bahn schickte ihren Südwest-Statthalter und einen Technikchef vor Ort an die Öffentlichkeit, der einstige CDU-Kanzleramtsminister blieb beharrlich in der Deckung. Anstatt den folgenschweren „Super-GAU“ zur Chefsache zu machen, wurde moniert, versuche er sich nach alter Politikermanier wegzuducken.

Vergeblich forderte etwa die Landtags-SPD, Pofalla persönlich müsse dem Verkehrsausschuss am 27. September Rede und Antwort stehen; statt ihm kommt nur ein Untergebener. Dabei wäre er just zu diesem Termin in Baden-Württemberg, wie jetzt ganz beiläufig bekannt wurde. Als Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) dieser Tage nach Pofallas Rolle beim Krisenmanagement gefragt wurde, musste er passen: Da wisse er auch nichts Näheres, aber immerhin komme dieser ja demnächst nach Rastatt. Drei Tage nach der Bundestagswahl am 24. September, hieß es ergänzend, ist ein Besuch im Rathaus und an der Baustelle der Rheintaltrasse geplant, wohl zusammen mit dem neuen Bahn-Chef Richard Lutz. Offiziell heißt es bei der Bahn nur, es gebe Pläne für eine Visite in Rastatt; Einzelheiten werden noch nicht genannt. Mehr als sechs Wochen nach der Unterbrechung der zentralen Nord-Süd-Achse lässt sich der zuständige Vorstand erstmals vor Ort blicken – ist das nicht reichlich spät? Man dürfe daraus nicht folgern, dass er sich erst jetzt einschalte, verlautet aus Bahnkreisen. Im Gegenteil: Von Anfang an habe sich Pofalla intensiv mit der Havarie befasst. Zunächst seien indes die Fachleute am Zuge, da halte sich der Vorstand mit Interviews besser zurück.

Minister war Wochen früher vor Ort

Er wolle „nicht kommentieren“, ob Pofallas Auftritt zu spät komme, meinte Verkehrsminister Hermann vor Journalisten. „Ich bin jedenfalls früher dort gewesen“, fügte er schmunzelnd hinzu – nämlich fast fünf Wochen vor dem geplanten Besuch der Bahn-Vorstände. Bis dahin dürfte das Schienenunternehmen nun erst recht alles daran setzen, dass es mit der geplanten Wiederinbetriebnahme der Strecke bis 7. Oktober klappt – oder vielleicht schon, wie es am Donnerstag hieß, ein paar Tage früher.