Viele Protagonisten haben sich in den vergangenen Wochen zum Wechselpoker um Nick Woltemade geäußert. Experten, Vereinsvertreter, Mitspieler. Nun aber ist einer dazugekommen, dessen Gilde sich öffentlich für gewöhnlich eher zurückhält. Berater Danny Bachmann zeigt sich verwundert bis verärgert darüber, dass der VfB bislang sämtliche Offerten des FC Bayern kategorisch abgelehnt hat und gar nicht erst verhandeln möchte: „Wenn ein Bundesliga-Rekordangebot von 55 Millionen Euro nicht einmal für ein gemeinsames persönliches Treffen reicht, stellt sich die Frage, was der VfB eigentlich für außergewöhnlich hält“, sagte Bachmann der Deutschen Presse-Agentur – und ergänzt: „Das war so nicht abzusehen.“
Eben diese 55 Millionen Euro hatte der Rekordmeister in dieser Woche als zweites verbessertes Angebot nachgelegt, Bachmann hat die Summe nun als erster an den Verhandlungen Beteiligter öffentlich bestätigt. Beim VfB besteht hingegen Verhandlungsbereitschaft nur bei etwas „Außergewöhnlichem“, wie es Vorstandschef Alexander Wehrle zuletzt immer wieder betont hat. Die jüngste Münchner Offerte fällt aus Stuttgarter Sicht nicht in diese Kategorie, unter 65 Millionen Euro als Einstiegsgebot soll es kein Gespräch geben.
Die Bayern steigen am 28. Juli wieder ins Training ein
Dass sich Bachmann nun öffentlich zu Wort äußert, zeugt auch vom steigenden Zeitdruck in der Causa. Zwar ist das Transferfenster noch sechs Wochen bis Anfang September geöffnet, so lange wird sich das Ganze aber kaum hinziehen. Aus mehreren Gründen. Am 28. Juli steigen die Bayern wieder ins Training ein und möchten die kurze Sommervorbereitung nach der Club-WM natürlich idealerweise schon mit dem kompletten Kader und wichtigen Neuzugängen absolvieren.
Ebenfalls am 28. Juli bezieht der VfB sein Trainingslager in Rottach-Egern am Tegernsee rund eine Autostunde südlich von München – und just zu diesem Zeitpunkt soll auch Woltemade wieder einsteigen, wenn sein Urlaub infolge der Teilnahme an der U-21-Europameisterschaft endet. Eine offene Situation mit Blick auf die Zukunft wäre da zweifelsohne keine ideale Konstellation. Und dann rückt ja auch noch das direkte Duell zwischen dem VfB und den Bayern im Supercup am 16. August näher und näher, in dem ein Auftritt von Woltemade im VfB-Trikot ohne Klärung des Wechselpokers kaum vorstellbar ist.
Vieles spricht also dafür, dass sich das Ganze eher zeitnah entscheidet und nicht bis in die letzten Tage des Transfersommers zieht. Der VfB zeigt sich indessen von der jüngsten Berater-Aussage unbeeindruckt. Keine Reaktion, kein Statement, keine neue Haltung. „Wir verhandeln nicht mit den Bayern“, hatte Wehrle am Mittwochabend bei der Premiere des Kinofilms über den Pokalsieg betont – und das, nachdem das zweite Angebot über 55 Millionen Euro eingegangen war.
Vertraglich ist die Lage dabei klar: Der VfB sitzt am längeren Hebel, da der Vertrag des Stürmers keine Ausstiegsklausel enthält und – ebenso wichtig in diesem Zusammenhang – noch drei Jahre lang läuft. Der VfB könnte für Woltemade also auch im nächsten und übernächsten Sommer noch eine Ablöse erhalten und steht daher nicht unter Verkaufsdruck.