Polifant-Einrichtung in Hedelfingen Eine Kita, viele Probleme und besorgte Eltern

Von Jennifer Garic 

Eltern beklagen sich über Missstände in der Polifant-Einrichtung im Otto-Hirsch-Center. Seit geraumer Zeit haben die Kinder dort keinen Zugriff mehr auf fließend warmes Wasser, außerdem verhindert die kaputte Dachterrasse das Spielen im Freien.

Die Kinder in der Polifant-Kita müssen ihre Zähne im Waschraum seit April diesen Jahres mit kaltem Wasser putzen. Foto: dpa
Die Kinder in der Polifant-Kita müssen ihre Zähne im Waschraum seit April diesen Jahres mit kaltem Wasser putzen. Foto: dpa

Hedelfingen - Kein warmes Wasser, die Kinder können nicht draußen spielen, und ständig wechseln die Erzieher. So lauteten die Anschuldigungen einiger Eltern an die Kindertagesstätte Polifant in Hedelfingen während eines Pressegesprächs. Die privaten Betreuungseinrichtungen der Polifant gGmbH waren ursprünglich nur für Kinder von Polizeibeamten gedacht; heute sind sie für alle zugänglich. Michaela Nowraty ist die Leiterin der drei Polifant-Kitas im Stadtgebiet. Sie kennt die Mängel in der Einrichtung im Otto-Hirsch-Center in Hedelfingen.

Außenanlage muss nicht zwingend vorhanden sein

Nach Aussage der Eltern ist die Dachterrasse der Kindertageseinrichtung seit mehr als einem Jahr nicht mehr bespielbar. Grund dafür sei ein Wassereintritt durch die Dachterrasse. Die Schuldfrage ist bislang nicht geklärt. Der Vermieter der Kita-Räume, die Kita selbst als Mieter und die Erbauer des Otto-Hirsch-Centers schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Einen Ausgleich für die Dachterrasse sollen die nahegelegene Festwiese und eine Turnhalle leisten. Die Leiterin Nowraty geht davon aus, dass die Angestellten täglich mit den Kindern an die frische Luft gehen.

Laut Landesjugendamt, das die Betriebsaufsicht über Kitas führt, muss eine Außenanlage nicht zwingend vorhanden sein. Man könne etwa durch einen nahe gelegenen Spielplatz oder einen Turnraum Ausgleich schaffen. Solche Dinge werden im Einzelfall beurteilt.

Eltern wünsche sich eine Kommunikation mit der Kita

Mit der Kita Polifant in Hedelfingen befindet sich das Landesjugendamt wegen der Außenfläche derzeit in Gesprächen. Genaueres ist nicht bekannt, weil die Verhandlungen noch laufen. Dem Stuttgarter Jugendamt ist der Fall in Hedelfingen seit rund drei Wochen bekannt. Auch sie stehen in Verbindung mit Polifant.

Die Eltern machen sich Sorgen über die derzeitige Lage. Dazu gehört auch Michael Weber, dessen Sohn die Kita seit der Eröffnung im Jahr 2012 besucht. Weber schrieb im Namen der Eltern Briefe an Michaela Nowraty. Darin äußerte er die Bitte, den Schaden an der Dachterrasse schnellstmöglich zu beheben, damit die Kinder wieder draußen spielen können. Auch der Elternbeirat hat ähnliche Briefe geschrieben. Eine Antwort habe es nur selten gegeben – oder gar in Form eines Anwaltsschreibens. Die Eltern wünschen sich eine Kommunikation mit der Kita, wie sie auf der Polifant-Internetseite beschrieben wird: Mit Offenheit, Akzeptanz, Vertrauen, Gesprächsbereitschaft und Verlässlichkeit.

Am 19. August erhielt Weber eine Kündigung des Betreuungsplatzes – ohne Grund. Die Unterlagen hierzu liegen der Redaktion vor. Auch auf Nachfrage sei ihm kein Grund genannt worden. Vertraglich ist diese Form der Kündigung abgesichert. Der Betreuungsvertrag räumt beiden Seiten ein Kündigungsrecht mit einer Frist von zwei Monaten ein.

Mehrere Erzieher kündigten in kurzer Zeit

Ob die Kündigung aufgrund der Briefe von Michael Weber erhoben wurde, wollte Leiterin Nowraty auch auf unsere Nachfrage nicht beantworten. Ab November braucht Weber also einen anderen Kita-Platz für seinen Sohn. Im Jugendamt hält man diese Vertragsklausel für bedenklich. „Ein Betreuungsvertrag ist etwas anderes als ein Zeitungsabo“, sagt Daniela Hörner vom Jugendamt.

Die Eltern finden es auch problematisch, dass in kurzer Zeit mehrere Erzieher gekündigt hätten. Seit Juli hätten vier Fachkräfte die Kita in Hedelfingen verlassen. Dazu seien noch Urlaubs- und Krankheitsfälle gekommen, was zu Personalengpässen geführt habe, mit der Folge, dass Eltern beim Küchendienst und beim Aufräumen helfen mussten.

Für die Leiterin Nowraty ist dieser Erzieherwechsel nichts Besonderes: „Das Kindergartenjahr geht eben bis September. Außerdem wechseln momentan viele Fachkräfte aus Stuttgart in umliegende Kreise“, meint Nowraty. Dieses Problem hätten mehrere Kitas, denn die Lebenshaltungskosten in den umliegenden Kreisen seien niedriger. Derzeit sucht sie nach neuen Arbeitskräften. Von Oktober an würden wieder zwölf Fachkräfte in Hedelfingen arbeiten. Eine Stelle sei noch unbesetzt.

Warmes Wasser fehlt

Als die Eltern im Küchendienst ausgeholfen haben, hätten sie ein weiteres Problem entdeckt: Fehlendes warmes Wasser. Der Durchlauferhitzer im Waschraum sei seit Ende April defekt. Die Leiterin Nowraty beruhigt: „Es ist ja nur ein Durchlauferhitzer ausgefallen. Im Wickelraum gibt es immer noch warmes Wasser.“ Von sich aus habe sie die Eltern nicht informiert. Sie sei davon ausgegangen, dass die Hausleitung das tue. Nach Auskunft des Gesundheitsamtes werde das Warmwasser im Wickelraum rein rechtlich wohl ausreichen. In einer Regelung ist festgehalten, dass es in Kitas eine leicht erreichbare Handwaschmöglichkeit mit Kalt- und Warmwasser geben muss – die Kinder also nicht erst jede Menge Türklinken betätigen müssen, bis sie zum Handwaschbecken gelangen. Dann sei dies in Ordnung, aber kein wünschenswerter Zustand.

Nowraty beruft sich auf den Gewährleistungsanspruch für den Durchlauferhitzer. Da die Gerätschaften noch nicht länger als 24 Monate in Betrieb seien, habe der jeweilige Handwerker diese zu ersetzen oder das Problem auf seine Kosten zu beheben. Der Handwerker müsse zunächst dreimal mit Fristsetzung darauf hingewiesen werden. Erst wenn dann nichts passiert sei, könne sie einen anderen Handwerker rufen, ohne die Kosten selbst tragen zu müssen, sagt Nowraty. „Wir müssen mit unseren knappen Mitteln auskommen. Da werde ich der Kita nicht unnötig Kosten aufladen.“

Die Eltern wünschen sich nun, dass ihre Briefe etwas bewirken, während die Leiterin Nowraty hofft, dass die rechtlichen Streitigkeiten geklärt werden können und der Handwerker endlich in die Kita kommt, um wieder für warmes Wasser zu sorgen.

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